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Die Langgönser Gruppe ist von den Ideen aus Ungersheim beeindruckt. Foto: pm

Besuch in einer Klimaschutzkommune

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Langgöns(pm). In Sachen Klimaschutz muss sich etwas ändern. Um sich Anregungen dafür zu holen, was man auch in Langgöns umsetzen könnte, reiste nun eine Gruppe von Bürgern ins Elsass. Dort hat sich das 2400 Einwohner zählende Ungersheim quasi zu einer Modellkommune entwickelt.

Jean-Claude Mensch, seit 1989 Bürgermeister, zeigte der Gruppe, was man im Ort für das Gemeinleben als auch den Klimaschutz getan hat. "In Ungersheim packt man die Dinge so ganz anders und auf eine Art und Weise an, die manchen Zeitgenossen vielleicht kurios erscheinen mag", schreib ein Teilnehmer danach beeindruckt.

Zu den ersten Projekten zählten der Bau eines Jugendhauses, eine mit Holz befeuerte Heizung für die Sporthalle, Solarzellen für die Beheizung des Hallenbades, sowie die Verbannung von Pestiziden und Düngemitteln von sämtlichen Gemeindeflächen. Durch den Umbau der Straßenbeleuchtung auf LED wurden nicht nur erhebliche Einsparungen erzielt, es wurden auch gleichzeitig Lichtverschmutzungen beseitigt. Dies alles war aber erst der Anfang, sagt Mensch.

Es gibt in Ungersheim ein Bürgerforum, einen Bürger- und einen Kinderrat. Von den 2400 Einwohnern sind heute rund 400 Menschen an Gemeindeprojekten beteiligt. Fotovoltaikplatten auf 40 000 Quadratmetern mit einer Kapazität von 5,3 Megawatt versorgen inzwischen rund 10 000 Menschen mit Strom. Nächsten Monat wird ein Windkraftrad montiert. Ziel ist es, bis 2023 so viel Energie zu erzeugen, dass auch die Gewerbebetriebe abgedeckt werden können, die einen Verbrauch von rund 60 Prozent ausmachen, erläuterte der Bürgermeister. "Wir werden nie zu einhundert Prozent unabhängig sein, schließlich leben wir nicht auf einer Insel", sagte Mensch. "Wir wollen aber so weit wie möglich autark werden und dafür so weit wie möglich gehen."

Die Nutzer gemeindlicher Einrichtungen werden zur Einsparung von Wasser und Energie angeregt, indem ihnen die monetären Ersparnisse wieder zur Verfügung gestellt werden. In den öffentlichen Gebäuden werden ausschließlich ökologische Reinigungsmittel eingesetzt. Allein diese kleine und einfach umzusetzende Maßnahme hat zu einer Einsparung von 5000 Euro pro Jahr geführt, sagte der Bürgermeister.

Die Gemeinde Ungersheim unterhält eine biologisch wirtschaftende Gärtnerei und einen von einem Trägerverein betriebenen Biohof. Grünabfälle werden kompostiert und zur Düngung der Gemeindeflächen und Äcker genutzt. Beide Projekte erfüllen somit eine Vorbildfunktion für die privaten Unternehmen in der Gemeinde und im Umfeld. Täglich werden mehr als 500 Gemüsekisten bestückt und vermarktet. Die mit eigenen Mitarbeitern betriebene Schulkantine liefert 600 aus ökologisch und in der Region erzeugten Lebensmitteln hergestellte Essen an Schulen in Ungersheim und in den umliegenden Dörfern. Überschüssige, "unschön" aussehende Lebensmittel oder Reste wandern in die örtliche Suppenküche und werden dort verarbeitet, haltbar gemacht und in Bio-Läden der näheren Umgebung verkauft.

Bauplätze nur für Passivhäuser

Rund 100 Arbeitsplätze wurden so geschaffen, auch über soziale Eingliederungsmaßnahmen in der Landwirtschaft. 600 Tonnen Treibhausgas sowie 120 000 Euro im Gemeindehaushalt konnte man pro Jahr einsparen.

Die Gemeinde Ungersheim ging die Thematik teils auch sehr offensiv an. Beim Bau der Passivhäuser konnte nur derjenige einen Bauplatz von der Gemeinde kaufen, der sich mit den von der Gemeinde aufgestellten ökologischen Kriterien für den Bau einverstanden erklärte. Bau- und Heizholz für die Passivhäuser und die Heizung für die Sporthalle entstammt dem Gemeindewald. Mit vielen Ideen kehrte die Delegation nach Langgöns zurück.

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