Ein Musterbeispiel, wie es nicht gemacht wird: Bei diesem angemeldeten Nutzfeuer in der Gemeinde Reiskirchen 2019 wurden auch Bretter und andere Gegenstände verbrannt. Die Feuerwehr löscht diese illegale Müllentsorgung ab. ARCHIVFOTO: CON
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Ein Musterbeispiel, wie es nicht gemacht wird: Bei diesem angemeldeten Nutzfeuer in der Gemeinde Reiskirchen 2019 wurden auch Bretter und andere Gegenstände verbrannt. Die Feuerwehr löscht diese illegale Müllentsorgung ab. ARCHIVFOTO: CON

Nutzfeuer

Nutzfeuer anmelden - sonst kann es richtig teuer werden

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Der Obstbaum und die Hecke sind frisch geschnitten, nun wird das Schnittgut verbrannt. Warum es stets Sinn macht und zudem Geld spart, solch ein Nutzfeuer anzumelden - nachgefragt bei der Gemeinde Langgöns.

Es ist ein überschaubarer Haufen an Ästen vom Obstbaumschnitt, jedoch zu groß, um ihn nach Hause zu transportieren und auf die nächste Grünschnittabfuhr zu warten. Warum also nicht verbrennen? Als zehn Minuten später plötzlich die Feuerwehr mit Blaulicht und Martinshorn am Brandplatz vorbeischaut, stellt sich dem Besitzer doch die Frage, ob er nicht etwas falsch gemacht hat...

Generell ist es möglich, landwirtschaftliche und gärtnerische Abfälle auf den Grundstücken zu verbrennen. Das Land Hessen hat dazu eine eigene Verordnung herausgegeben. Ein wichtiger Satz darin: "Das Verbrennen von Stroh auf abgeernteten Getreidefeldern und das Verbrennen von nicht nur unbedeutenden Mengen anderer pflanzlicher Abfälle ist der Ortspolizeibehörde mindestens zwei Werktage vor Beginn anzuzeigen."

Auch bei der Gemeinde Langgöns werden regelmäßig solche Nutzfeuer zur Verbrennung pflanzlicher Abfälle angemeldet, berichtet Bürgermeister Marius Reusch. Dort kennt man die Verordnung daher genau. Nicht immer kann eine Verbrennung genehmigt werden - beispielsweise nicht bei Waldbrandgefahr oder wenn Sicherheitsabstände unterschritten werden.

"Grundsätzlich muss das Grundstück außerhalb der Ortslage oder am Ortsrand liegen", sagt Reusch. Zudem sind mindestens 100 Meter Abstand zu Wäldern, Naturschutzgebieten, Wohn- und Betriebsgebäuden, Zelt- und Lagerplätzen sowie 35 Meter von anderen Gebäuden wie etwa Scheunen einzuhalten.

Schränke wachsen nicht auf Bäumen

Der Abstand zur Grundstücksgrenze muss mindesten 5 Meter betragen, zu Baumgruppen oder nicht abgeernteten Getreidefeldern mindestens 20 Meter. Zudem muss mindestens 100 Meter Abstand von Autobahnen - in Langgöns wären dies die A45 und A485 - sowie 50 Meter von öffentlichen Verkehrswegen wie Kreis- und Landesstraßen eingehalten werden, um eine Sichtbehinderung des Verkehrs durch Rauch zu vermeiden.

Übrigens: Falls durch starken Wind dennoch dichter Rauch auf Straßen zieht, ist das Feuer umgehend zu löschen. Verbrannt werden darf nur montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, samstags von 8 bis 12 Uhr.

Warum sollte man ein Nutzfeuer bei der Gemeinde oder Stadt anmelden? Zum einen wird man dabei auf die geltenden Vorschriften hingewiesen, sagt Reusch. "Alle Verstöße, auch die mangelnde Anzeige, ziehen ein Ordnungsgeld nach sich. Die Regelbuße liegt bei 200 Euro." Jedoch kann es schnell deutlich teurer werden: "Sollte die Feuerwehr alarmiert werden, ist auch der Einsatz zu bezahlen", sagt Reusch. Als Beispiel: In Langgöns werden dafür circa 500 Euro fällig. "Falls die Feuerwehr jedoch das Feuer löschen oder weitere Sicherungsmaßnahmen treffen muss, erhöht sich die Gebühr."

Viel Geld, was man sich sparen kann, ohne dafür etwas ausgeben zu müssen: Die Anmeldung eines Nutzfeuers ist kostenlos. Beispielsweise in Langgöns schickt man dafür spätestens zwei Werktage vor der Verbrennung eine formlose Anmeldung an p.mueller@ langgoens.de oder ruft unter 0 64 03/90 20-46 auf dem Rathaus an. Die Anmeldung muss die genaue Grundstücksbezeichnung mit Flur- und Flurnummer, Größe und Benennung von zwei Aufsichtspersonen enthalten.

Nun kann es jedoch vorkommen, dass man trotz ordentlicher Anmeldung und Einhaltung aller Vorschriften Besuch von der Feuerwehr kommt. "Für die zentrale Leitstelle in Gießen, bei der die Notrufe eingehen und welche die Feuerwehr alarmiert, ist nicht ersichtlich ob es sich um genau jenes Nutzfeuer handelt, insbesondere wenn die Angaben des Anrufers wage sind", erklärt Reusch. "Außerdem könnte das Feuer außer Kontrolle geraten sein. Daher muss die Feuerwehr alarmiert werden und rückt auch aus."

Gute Nachricht: Sowohl für den, der in guten Glauben das vermeindliche Schadfeuer gemeldet hat, als auch den, der verbrennt, ist der Einsatz kostenlos. Jedoch gilt dies nur, wenn alle Vorgaben eingehalten wurden, etwa die Uhrzeiten.

Zudem darf solch ein Nutzfeuer nicht als Sperrmüllentsorgung missbraucht werden. "Alles was nicht selbst von einem Baum oder einer Hecke abgeschnitten wurde, beziehungsweise von der Ernte übrig ist", darf nicht verbrannt werden, erklärt Reusch. "Vor allem aber keine Möbel, Türen, Palletten, Leisten, Spanplatten." Bekanntlich wachsen diese schließlich nicht auf Bäumen.

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