Bauer Reinhard Schmidt und Tochter Dörthe versorgen zwei ihrer Tiere, die in der kalten Jahreszeit im Stall untergebracht sind. FOTOS: BF
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Bauer Reinhard Schmidt und Tochter Dörthe versorgen zwei ihrer Tiere, die in der kalten Jahreszeit im Stall untergebracht sind. FOTOS: BF

Landwirte fürchten um ihren Hof

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Laubach(tb). Knapp 10 000 Quadratmeter groß ist das Grundstück auf den "Röden". Etwas versteckt gelegen, grast eine Gänseschar die letzten Grashalme ab. Für das Federvieh gewissermaßen eine Henkersmahlzeit: "An Weihnachten sind sie alle weg", sagt ihr Besitzer Reinhard Schmidt. Der Laubacher bewirtschaftet den Bauernhof unterhalb davon, hat die 4000 Quadratmeter seit Jahrzehnten von der Stadt gepachtet. Jetzt aber droht das Ende der landwirtschaftlichen Nutzung.

Wie von dieser Zeitung berichtet, möchte die Stadt die Fläche für ein Baugebiet erschließen. Zehn Einfamilienhäuser in zwei Baureihen nur, in der Mitte eine Straße, am Ende ein Wendehammer. Hintergrund: Bis 2024 sind Laubach gewissermaßen die Hände gebunden, denn so lange läuft die vom Land mit einer Million Euro geförderte Stadterneuerung (IKEK), hat die Innenentwicklung Vorrang, sind Neubaugebiete im Außenbereich nicht genehmigungsfähig. Für Schmidt und vor allem seine Kinder sind diese Argumente zwar nachvollziehbar. "Doch nicht an dieser Stelle", fürchten sie doch um die Zukunft ihres Hofes. "Die enge Nachbarschaft ist das Problem", erklärt der 68-Jährige. Und sieht Konflikte voraus, die in solchen Fällen des Öfteren bereits für Schlagzeilen gesorgt haben. Klagen über Geruchsbelästigung der neuen Nachbarn sind da nur ein Beispiel. Überdies: Auch wenn der alteingesessene Betrieb - bei seiner Gründung vor über 60 Jahren am Ortsrand gelegen - Bestandsschutz habe, für eine Erweiterung des Stallgebäudes sieht er dann keine Chance mehr.

Einer der letzten Höfe in Laubach

Was der Verlust des Pachtlandes auch mit sich bringen würde: Die Weide für die 16 Mutterkühe direkt hinter dem Stall wäre perdu. Gerade im Frühjahr, wenn die Rinder erstmals wieder rausdürfen und ihrem Bewegungsdrang freien Lauf lassen, ist dies von Vorteil. So aber müssten die Tiere sogleich auf die Flächen vor den Toren der Stadt. Des Weiteren benötige er die Wiese für die Hühnerhaltung und als Holzlager. "Ich werde bald 70, für mich wäre das nicht so schlimm, aber die Kinder wollen den Betrieb erhalten", unterstreicht er am Ende. Dass mit dem Baugebiet einer der letzten Höfe in Laubach über kurz oder lang verschwinden würde, fügt er an.

Nicht anders sieht das Tochter Dörthe Schmidt. Die 30-Jährige hat sich gerade beruflich umorientiert, möchte mithilfe der Geschwister die Landwirtschaft weiterbetreiben. Wie das konkret aussehen soll, steht noch nicht fest. Dafür aber dies: "Hier geht es auch wieder nur ums Geld. Jeder findet Bauernhöfe schön, tatsächlich aber werden sie nach und nach verdrängt."

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