Aktuell wird eine weiteres Autohaus von Auto Häuser im Gewerbegebiet Watzenborn-Steinberg gebaut. Gerhold Häuser berichtete von nicht einfachen Zeiten im Autoverkauf bei der Hauptversammlung des Gewerbevereins Pohlheim. FOTO: RGE

Kurze Booms und große Sorgen

Wie sehr treffen die Folgen der Corona-Pandemie die heimische Wirtschaft? Diese Frage stand beim Treffen des Pohlheimer Gewerbevereins im Mittelpunkt. Der Bürgermeister rechnet derweil mit drei Millionen Euro weniger Einnahmen für seine Stadt.

Pohlheimer Handwerker wie beispielsweise Heizungsbauer Gernot Becker und Maler Thorsten Massow berichten von einer ausgezeichneten Auftragslage. Angesichts der Folgen der Pandemie stellt sich den meisten heimischen Unternehmen dennoch die Frage: Bleibt das so? Die Frage drängt sich auf und war bei der Hauptversammlung des Gewerbevereins Pohlheim im Gasthaus "Grüner Baum" in Watzenborn-Steinberg unter Leitung des Vorsitzenden Reimar Stenzel das wichtigste Thema.

Gerhold Häuser berichtete aus der Autobranche von nicht einfachen Zeiten. Der Markt im Neu- und Gebrauchtwagenbereich sei Anfangs eingebrochen und erhole sich erst langsam. Trotz allem baue das Autohaus aktuell ein neues Gebäude. Die Verträge seien bereits letztes Jahr abgeschlossen worden. Solche Phasen habe es auch in der Vergangenheit gegeben, erinnerte er an das Jahr der Finanzkrise 2008.

Kritik gab es von den Unternehmern in Richtung der zeitweisen Mehrwertsteuersenkung, die gerade in der Rechnungs- und Leistungserbringung nicht einfach sei. "Wer zahlt die drei Prozent, wenn der Autolieferant nicht bis Dezember liefern kann?" war eine der Fragen. Konfliktpotential sei vorprogrammiert. "Die 20 Milliarden Euro seien für direkte Unterstützung sinnvoller eingesetzt worden." meinte Reimar Stenzel zusammenfassend.

Dass nach einem kurzen Boom in der Nachfrage nach Bau- und Handwerkermaterial zu Beginn der Pandemie aufgrund vieler Renovierungen im Heimbereich die Nachfrage wieder abebbt, konnte Marion Hammer aus dem Baustoffhandel beobachten. "Privatleute überrannten uns förmlich in den ersten Wochen des Lockdowns." sagte sie.

Pohlheims Bürgermeister Udo Schöffmann hat ebenfalls finanzielle Bauschmerzen, wenn er die Entwicklung bei den Steuereinnahmen für seine Stadt beobachtet. Er rechnet mit drei Millionen weniger Gewerbesteuereinnahmen. Unternehmen hätten bereits beim Finanzamt die Gewerbesteuervorauszahlung um eine Million Euro gekürzt. Wie das Land die Einnahmeausfälle im Kindergartenbereich durch die Gebührenentlastung der Stadt für die Eltern kompensieren will, wisse er nicht.

Aus dieser Krise werde keine Kommune mit ausgeglichenem Haushalt herauskommen, betonte Schöfmann weiter.

Der Gewerbeverein schaut nun auf das kommende Jahr. Die 87 Mitglieder mit ihren Unternehmen wollen sich im Frühjahr in einer neuen Form der bekannten Gewerbeausstellung präsentieren. Ideen werden noch gesucht.

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