Andrea Hupke de Palacio in ihrem Atelier. Rechts: Der Gießener Wochenmarkt ist Motiv eines ihrer Bilder. FOTOS: PM/PAD
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Andrea Hupke de Palacio in ihrem Atelier. Rechts: Der Gießener Wochenmarkt ist Motiv eines ihrer Bilder. FOTOS: PM/PAD

Kunst im Trafohäuschen

  • vonPatrick Dehnhardt
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Ihre Bilder zeigen das Leben in der Gießener Innenstadt. Dazu kuriose Vögel, die sich in direkter Nachbarschaft zu Porträt-Collagen und ungewöhnlichen Tierbegegnungen präsentieren. In Heuchelheim hat Andrea Hupke de Palacio ihre neue Ausstellung eröffnet. Das Gute in diesen Zeiten: Der Besuch ist hygieneregelkonform möglich.

Das dreieckige gelbe Schild warnt in schwarzen Buchstaben: "Hochspannung, Achtung Lebensgefahr." Doch nicht etwa wegen des Stroms, sondern wegen der Kunst, die sich hinter den Türen des ehemaligen Transformatorenhäuschens befindet, sind die Besucher gespannt. In dem einstigen Stromhäuschen im Gleiberger Weg 4 in Heuchelheim liegt das Atelier von Andrea Hupke de Palacio.

Zunächst geht es zwischen Staffeleien hindurch, auf denen gerade die nächsten Werke entstehen. Dann öffnet sich der große Atelierraum. Die Wände sind voll mit Bildern in den verschiedensten Größen, "die Produktion eines Jahres".

Besonders die Motive aus Gießen fallen ins Auge: Menschen, die über den Wochenmarkt schlendern, Frauen beim Eisessen oder ein Pärchen, das am Brunnen auf dem Seltersweg dem Kind gerade die nasse Hose wechselt.

Es sind Alltagsszenen aus der Vor-Corona-Zeit, die Hupke de Palacio eingefangen hat. Der Vorteil der gemalten Kunst gegenüber der Fotografie ist dabei, dass die Personen selbst anonym bleiben, die als Vorlage dienten - die Szene rückt in den Vordergrund. "Das Wichtigste sieht man, die Identität bleibt geheim", sagt Hupke de Palacio. Bei einem Fotospaziergang im vergangenen Sommer hatte sich die Heuchelheimerin inspirieren lassen. "Dieses Jahr hätten sie sonst alle eine Maske auf."

Die Künstlerin wechselt zwischen verschiedenen Techniken und Materialien, arbeitet mal mit Öl-, mal mit Aquarellfarben, nutzt dabei auch Pastelltöne. Besonders Vögel haben es ihr angetan. In den vergangenen Jahren hat sie diese viel mit dem Fernglas beobachtet. "Für mich haben sie auch menschliche Züge."

Zuletzt sind Porträts ins Zentrum ihres Schaffens gerückt. "Die Grundlage bildet dabei immer eine Collage." Da aufgrund der Hygieneregeln die Abgebildeten nicht stundenlang im Atelier Model sitzen können, dienen Fotos als Vorlage.

Hupke de Palacio hatte einst Textildesign studiert, dann aber in Büros gearbeitet, unter anderem in Paris. Doch irgendwann siegte der Wunsch, sich der Kunst zu widmen. In der französischen Hauptstadt war es jedoch kaum möglich, einen bezahlbaren Ort zu finden, um kreativ arbeiten zu können. "Da war alles so eng. Hier kann man sich richtig ausbreiten", erklärt sie, warum sie nach Deutschland zurückgekehrt ist.

Hier - das ist das alte Trafohäuschen. Die Stromgesellschaft wollte es eigentlich abreißen lassen, doch Hupke de Palacio hatte eine bessere Idee. Sie erwarb das Bauwerk, verwandelte die Räume in ein zweigeschossiges Atelier. Der einzige Wehmutstropfen: Einen Wasseranschluss hat das Stromhäuschen nicht.

Die Schalt- und Sicherungsschränke der Stromversorgung sind bereits vor Jahren verschwunden, das eingangs erwähnte Warnschild am Eingang nur noch ein Relikt aus dieser Zeit. Das größte Risiko ist derzeit sowieso Corona. Damit die Künstlerin dennoch Besuchern ihre Werke zeigen kann, hat sie ein Besuchs- und Hygienekonzept entwickelt:

Wer die Bilder ansehen möchte, muss sich vorher unter Telefon 01 76/47 64 70 67 oder per E-Mail an cestandrea@gmail.com anmelden, am besten mit einem Wunsch für ein Zeitfenster.

Besuche sind noch bis 31. Dezember montags bis samstags von 14 bis 18 Uhr möglich. Maximal zwei Personen können gleichzeitig die Kunstausstellung besichtigen, selbstverständlich gilt Maskenpflicht.

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