Die Ernte hat begonnen: Mit den Halloween-Kürbissen sind die ersten Früchte reif und werden von Karl-Martin Schadeck geschnitten. Dann warten sie auf den Abtransport. FOTO: TI
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Die Ernte hat begonnen: Mit den Halloween-Kürbissen sind die ersten Früchte reif und werden von Karl-Martin Schadeck geschnitten. Dann warten sie auf den Abtransport. FOTO: TI

Kürbisse mit Konzept

  • vonChristina Jung
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Lange Schlangen an der Essensausgabe, gleich daneben massenhaft Menschen auf voll besetzten Bierzeltgarnituren. Das Kürbisfest auf dem Langsdorfer Johanneshof ist seit Jahren ein Besuchermagnet. Corona stellt die Veranstalter diesmal allerdings vor neue Herausforderungen.

Schnitzwerkstatt, Streichelzoo und Strohhüpfburg für die Kleinen. Dekorationen, Obst, Gemüse und andere Leckereien vom Land für die Großen. Das alles im Spätsommer auf dem Langsdorfer Johanneshof, garniert mit einem umfangreichen Speisen- und Getränkeangebot, lockte in den vergangenen 17 Jahren an drei Veranstaltungstagen jeweils Hunderte Besucher an. Das Kürbisfest der Familie Schadeck ist weit über die Grenzen Lichs bekannt. In diesem Jahr allerdings wird vieles anders sein als sonst.

Als das Erdbeerfest im Juni abgesagt und stattdessen nur "Kuchen to go" angeboten wurde, stand für Annegret Schadeck fest, dass auch ihr Kürbisevent nicht wie geplant über die Bühne gehen würde. "Prognostisch haben wir damals auf der Internetseite aus dem Fest schon mal einen Markt gemacht", berichtet sie. "Die Termine stehen ja bereits ein Jahr im Voraus."

Doch wie könnte ein solcher Kürbismarkt in Zeiten von Corona aussehen? Knapp 400 hungrige Mäuler dicht an dicht im ehemaligen Kuhstall, dazu 60 Sitzplätze im Außenbereich und weitere 60 in der Maschinenhalle? Wild durcheinander tollende Kinder auf der Strohhüpfburg im alten Silo? Außerdem ein Direktvermarkter-Stand am anderen? All das mit Blick auf das Virus undenkbar.

Der Familienrat tagte. Viele Gespräche wurden geführt. "Wir haben uns informiert und gemeinsam überlegt, was für uns in Bezug auf Abstands- und Hygieneregeln leistbar ist, und wie wir das alles umorganisieren können", sagt die Landwirtin. Weil die Schadecks pro Veranstaltungstag mehr als 250 Gäste erwarten, galt es, einen elfseitigen Fragenkatalog des Landkreises zu beantworten, außerdem ein Hygienekonzept für das Gesundheitsamt auszuarbeiten. Darüber hinaus brauchte es ein Konzept für Einlass und Auslass sowie eines für Verpflegung. Listen von Teilnehmern und Personal mussten zusammengestellt, ein Lageplan gemacht werden, erzählt die Langsdorferin.

Die pro Person geforderten drei Quadratmeter machten den Landwirten in der Vorbereitung die geringsten Probleme, allein im Außenbereich stehen knapp 1200 Quadratmeter zur Verfügung. Dazu kommt noch mal so viel im Inneren. "Das kann ich überall gewährleisten", so Schadeck.

Allerdings mussten Örtlichkeiten getauscht werden, eine Umstellung für die zahlreichen Stammgäste.

Die Ausstellung der rund 100 Kürbissorten inklusive Verkauf muss von einem der Silos in den viel größeren ehemaligen Kuhstall umziehen, wo bisher der Verzehr von Speisen und Getränken sowie deren Ausgabe untergebracht war. Das Nahrungsangebot, diesmal in und vor der Maschinenhalle abseits des Laufgeschehens zu finden, wird es nur in ganz abgespecktem Umfang geben. Mit Bratwurst, Pizza sowie Kürbis- und Kartoffelsticks erwarten die Besucher nur drei verschiedene Snacks anstatt der gewohnten 15 Gerichte. Getränke finden sich gar nicht auf der Karte. Ebenso fehlen Tische und Bänke.

"Wer essen will, muss stehen", sagt Karl-Martin Schadeck, der den Hof irgendwann von seinen Eltern übernehmen wird. Denn wer Sitzplätze anbietet, muss auch Datenerfassung betreiben und Abstand halten. "Das wäre für uns nicht leistbar", berichtet er. Natürlich wissen er und seine Eltern, dass dann möglicherweise die ältere Kundschaft fernbleiben wird, aber "nur so kann es gehen, oder eben gar nicht".

Auch für die kleinen Gäste gibt es Einschränkungen: Keine Strohhüpfburg, keine Spielgeräte und der Streichelzoo wird auf mehrere Standorte an die frische Luft verlegt. Immerhin: Kürbisse schnitzen bieten die Schadecks auch im Corona-Jahr an. Unter Berücksichtigung des Mindestabstands natürlich und mit separater Ausgabe des Werkzeuges, das für jeden Gast desinfiziert werden muss.

Und noch mehr ist in diesem Jahr neu: Die zwischen fünf und neun Meter hohen Hallen werden beidseitig geöffnet sein, um ständigen Frischluftdurchzug zu gewährleisten. Darüber hinaus gibt es eine Wegeführung über das Gelände, auf dem sich die Direktvermarkter großflächiger verteilen als früher. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist verpflichtend, außerdem das Desinfizieren der Hände, das Einhalten des Mindestabstands und der Niesetikette.

Damit das alles möglichst reibungslos funktioniert, erhält jeder Besucher vor Betreten des Hofes einen Handzettel, der über das angemessene Verhalten während des Marktes informiert. Dazu einen Lageplan zur besseren Orientierung, so Annegret Schadeck.

Für die Umsetzung benötigt die 61-Jährige aufgrund der fehlenden Massenverköstigung viel weniger Personal als sonst, im Verhältnis allerdings mehr, sagt sie. Denn das 20- statt 50-köpfige Helferteam muss regelmäßig sanitäre Anlagen säubern, Flächen und Gegenstände desinfizieren, Gäste auf Einhaltung der Regeln kontrollieren.

Schadeck hofft, dass alles glatt laufen und sich der Aufwand lohnen wird. Denn die Kürbisfelder wurden bereits Anfang Mai mit den üblichen Mengen an Saatgut bestellt. Wie gewohnt warten also rund 100 verschiedene Sorten der beliebten Herbstfrucht auf die Kunden. Schadeck: "Wir rechnen damit, dass wir in diesem Jahr weniger umsetzen, aber wir hoffen, dass das neue Konzept trotzdem gut angenommen wird."

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