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Klaus-Peter Wolf liest an diesem Sonntag in Laubach.

Ostfriesenkrimi

Krimi-Autor Klaus-Peter Wolf: "Ostfriesland auf Platz eins in allen Bestsellerlisten, das gefällt vielen"

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Der Krimi-Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf ist derzeit auf der Buchmesse in Frankfurt - und erneut zu Gast beim Gießener Krimifestival.

Gießen - "Zum Morden nach Norden", sagt Klaus-Peter Wolf über seinen privaten wie beruflichen Weg von Gelsenkirchen über den Westerwald bis nach Ostfriesland. Dort lässt der Autor Ann Kathrin Klaasen und ihre Kollegen ermitteln. Wolf ist in diesem Tagen in Frankfurt auf der Buchmesse - und liest am Sonntag in Laubach im Rahmen des Gießener Krimifestivals aus seinem aktuellen Dr.-Sommerfeldt-Krimi "Todesspiel im Hafen".

Herr Wolf, Sie waren vergangene Woche erst wieder auf Langeoog. Urlaub oder Recherche?

Klaus-Peter Wolf:Moin, das ist bei mir immer beides. Ich liebe die Insel sehr. Deshalb spielen dort einige meiner Romanhandlungen. Ich sauge ja Wirklichkeit in mich auf. Das ist dann der Steinbruch, aus dem ich meine Literatur hole. Manchmal muss ich die Sätze regelrecht herausbrechen, dann wieder fallen sie mir zu.

Aus Ihren Geschichten spricht eine tiefe Liebe zu Ostfriesland und seinen Menschen. Wie wird das von den Menschen dort aufgenommen, wie Sie sie und ihr Land literarisch porträtieren?

Wolf:Die meisten Menschen hier freuen sich. Sie wissen, dass ich meine literarischen Verbrechen nur an den schönsten Orten der Welt begehe. Ostfriesland auf Platz eins in allen Bestsellerlisten, das gefällt vielen Ostfriesen. Aufmerksamkeit fällt auf Land und Leute. Ich erzähle ja auch von wirklichen Menschen in einer real existierenden Umgebung. Manchen ist das auch unheimlich.

Wie das?

Wolf:Gerade war ich Brötchen holen. Da sprach mich in der Warteschlange eine Frau an und sagte: "Ich habe all ihre Romane gelesen, Herr Wolf. Heute Nacht bin ich mit dem neuen fertig geworden. Wie kann ein so netter Mensch nur so gruselige Sachen schreiben? Was geht in ihrem Kopf vor, da kriegt man ja Angst vor ihnen." Ich habe sie beruhigt. Die meisten Kriminalschriftsteller, die ich kenne, sind sehr freundliche, friedliche Menschen. Sie leben ihre Abgründe ja literarisch aus und sind dann im Alltag geradezu befreit. Der Humor in meinen Büchern gleicht dazu vieles aus.

Klaus-Peter Wolf: In Norden gibt es nach Ostfriesland-Krimis sogar Schauplatz-Stadtführungen

Tee und Kluntjes und das aus dem richtigen Porzellan - ist das nicht auch ein Stück weit ein Spiel mit Klischees?

Wolf:Es ist erzählte Wirklichkeit. Ich beschreibe, was ich sehe, schmecke, rieche, fühle. Ostfriesentee aus einem Plastikbecher, das geht gar nicht. Die Frage ist: Trinkt man Bünting oder Thiele-Tee? Wir haben hier sogar ein Teemuseum. Da hängen keine alten Teebeutel an der Wand. Das ist gelebte Geschichte. Nirgendwo wird mehr Tee getrunken als in Ostfriesland. Ubbo Heide, der Kripochef, tut ein frisches Pfefferminzblatt in den Tee. Keine Sahne, keine Kluntjes. Dann schmeckt das Marzipan besser, dass er gern dazu isst. Ich will, dass alles stimmt, bis ins kleinste Detail. Ich nenne das Authentizität.

Mit Amusement verfolge ich den steten Kampf der Kommissare mit dem Kaffee-Automaten in der Polizeidirektion in Norden - Gemüsebrühe statt Kaffee schwarz. Haben Sie sich da vom österreichischen Ermittler Kottan inspirieren lassen?

Wolf:Die Idee kommt aus der Wirklichkeit. Ich habe junge Autoren in Dialogführung und Dramaturgie unterrichtet. Da gab es im Goetheinstitut einen Kaffeeautomaten. Alle bekamen, was sie wollten. Bloß ich nicht. Es war, als hätte das Ding etwas gegen mich. Aus meinen verschiedenen Niederlagen im Kampf mit der Maschine wurde schließlich Literatur. So war es oft in meinem Leben, nicht nur mit diesem schrecklichen Kaffeeautomaten.

Auch wenn Ihre Kripo-Beamten fiktiv sind - die Schauplätze sind real. Gibt es bereits Führungen auf den Spuren von Ann Kathrin Klaasen oder Rupert durch Ostfriesland - so wie auf den Spuren von Brunetti durch Venedig? Wird das touristisch vermarktet?

Wolf:Oh ja! Viele Leserinnen und Leser kommen ja nach Ostfriesland und besuchen die Schauplätze meiner Romane. In Norden gibt es Stadtführungen und Bustouren zu den Tatorten. Die sind immer schnell ausverkauft. Da muss man sich lange vorher anmelden. Neulich sagte eine Schweizerin, die alle meine Ostfriesenkrimis gelesen hatte und jetzt zum ersten mal - durch die Bücher angelockt - nach Ostfriesland kam: "Ich habe das Gefühl, mich in einer literarischen Kulisse zu bewegen. Jeder Quadratmeter hier in der Norder Innenstadt ist literarischer Boden." Natürlich ist das alles keine Kulisse. Es war ja immer schon da. Ich habe es nur beschrieben. Durch die ZDF-Verfilmungen wird das alles noch heftiger.

Klaus-Peter Wolf: So schreibt er seine Ostfriesland-Krimis rund um Ann Kathrin Klaasen oder Rupert

Stimmt es, dass Sie am liebsten im Zug oder in Hotelzimmern schreiben?

Wolf:Am liebsten schreibe ich im Strandkorb und trinke dabei Tee oder Kaffee. Aber ich bin ja viel zu Lesungen unterwegs. 150 Auftritte im Jahr sind ganz normal für mich und meine Frau. Bettina Göschl begleitet mich meist und singt ihre Krimilieder. Da ich - wenn ich nicht schreibe - zu einem schrecklichen, unausstehlichen Menschen werde, brauche ich jeden Tag meine Schreibzeit. Bei Reisen oft in Zügen. Das läuft sehr gut. Ich schreibe auch oft nachts in Hotelzimmern mit Blümchentapete.

Was ist dran an der Legende vom Füller? Arbeitet es sich nicht effektiver am PC?

Wolf:Effektiver schon, aber nicht besser. Ich schreibe Literatur nur mit dem Füller. In meiner Kladde ploppt nicht plötzlich eine Nachricht auf. Da kommt keine E-Mail an. Ich kann so viel konzentrierter schreiben. Nur was in mir ist, kommt auch raus. Das schnelle Nachgucken bei Wikipedia oder sonst wo im Netz gibt es bei mir nicht. Das macht literarische Texte junger Kollegen oft so fahrig. Plötzlich gleitet die Erzählung ins essayistische ab. Dann weiß ich, da hat mal wieder einer am Computer geschrieben. Technik kann keine Kreativität ersetzen, täuscht das aber manchmal vor. Ich brauche meine Erinnerungen, meine Fantasie und die aus dem Füller fließende Tinte.

Klaus-Peter Wolf, Jahrgang 1954, lebt und arbeitet in Norden (Ostfriesland). Seine Bücher wurden in 24 Sprachen übersetzt und über 9 Millionen mal verkauft. Mit seinen Ostfriesen-Krimis stürmt er seit Jahren die Bestseller-Listen.

Für die Matinee-Lesung beim Krimifestival in Laubach am 20. Oktober um 11 Uhr im Rathaussaal gibt es noch Karten zu 15 Euro an der Tageskasse.

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