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Junglandwirt Daniel Seipp

Ernte 2019

Sitzen die Bauern schon wieder auf dem Trockenen?

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Der Sommer 2018 wird den Landwirten in schlechter Erinnerung bleiben: "Dürre" verhagelte ihnen die Ernte. Die spannende Frage lautet jetzt: Sitzen die Bauern schon wieder auf dem Trockenen?

Ackerbau ist das Metier von Daniel Seipp. Der 32-Jährige bewirtschaftet rund 100 Hektar, nicht nur in seinem Heimatort Muschenheim, auch in der Steinbacher Gemarkung. Seit gut einem Jahr ist er Sprecher der Junglandwirte im Kreisverband Gießen/Lahn-Dill. Von daher: Seipp kennt die Situation der Kollegen, kann Antworten geben auf die spannende Frage: Wie sieht es aus mit der Ernte 2019, nach dem "Dürrejahr" 2018?

Wie im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen rasch deutlich wird: Pauschale Aussagen zu den Ertragserwartungen lassen sich nicht treffen. Zu unterschiedlich sind die Ausgangbedingungen. Seipp: "Es kommt auf die örtlichen Gegebenheiten an."

Mähdrescher Gewehr bei Fuß

Während etwa in der Wetterau tiefgründige Böden mit hohem Anteil an Schluff eher die Regel sind, sieht es zum Vogelsberg hin ganz anders aus, steht oftmals schon in einem halben Meter unter der Krume Basalt an.

Sofern die nächsten Tage trocken und warm ausfallen, werden Mähdrescher wieder die Landschaft prägen. Zur Ernte steht der Weizen an, der auf Seipps Hof mit rund 70 Prozent den größten Anteil der Getreideanbaufläche ausmacht. Kaum eine Rolle spielen bei ihm der Roggen, keine der Hafer, der hierzulande sozusagen nur auf Bestellung von Pferdehaltern angepflanzt wird. Vorweg und schon mal gut: Überdurchschnittliche Erträge haben die Bauern bereits mit der Wintergerste erzielt, die längst gedroschen ist. Hier machten sich laut Seipp die guten Aussaatbedingungen im Herbst und der relativ milde Winter bemerkbar, was einen zügigen Vegetationsstart im Frühjahr ermöglicht habe.

Weniger Pflanzen auf den Quadratmeter

Jetzt zu erntender Winterweizen hat nach den Worten des Junglandwirtesprechers nicht solch gute Startbedingungen vorgefunden. Der trockene April und vor allem der heiße Juni, als die Pflanze dringend Wasser für den Nährstofftransport aus dem Boden für die "Kornfüllung" gebraucht hätte, machten diesem Getreide zu schaffen.

Das Ergebnis ist auf einem Acker Seipps zu beobachten: weniger Halme je Quadratmeter, schwächere Nebentriebe. Was die Situation grundsätzlich verschlimmert hat, sind die geringen Regenmengen im vergangenen Sommer und Winter, der mithin niedrige Grundwasserspiegel. Dabei kann Weizen immerhin rund zwei Meter tief wurzeln.

Womit wir wieder bei den Standortbedingungen wären, hier bei der Beschaffenheit des Bodens: Sofern von Schluff, also lockeren feinkörnigen Sedimenten, geprägt, ist er leichter zu durchwurzeln, erklärt Seipp. Die Pflanzen gelangten eher ans unabdingbare Nass. Eher als auf wasserundurchlässigem Ton ("da kommt keine Pflanze ran") oder bei extrem durchlässigem, wasserarmem Sand. Zum Glück für den 32-Jährigen findet sich in der Wetterau meist der gute Lehmboden mit seinem ausgeglichenem Verhältnis aus Ton, Schluff und Sand. Was eine gute "Kapilarität" gewährleistet, wie der Landwirt den Wasser- und Nährstofftransport nennt.

Dürresommer 2018: weniger Raps

Wie Daniel Seipp ( Foto) beim Lokaltermin und mit Blick auf die starken Ähren sagt, rechnet er mit einer Weizenernte etwas überm Schnitt. Hätte es im Juni ein paar kühlere Tage und mehr Regen gegeben, wäre das Ährenwachstum besser ausgefallen, wäre es eine sehr gute Ernte geworden. Im Großen und Ganzen aber ist er zufrieden. Dass in schlechteren Lagen Trockenheit und Hitze im Frühjahr Einbußen erwarten lassen, merkt er freilich an.

Ähnlich verhalte es sich bei der in Kürze ebenfalls einzuholenden Sommergerste, die meist für Brauereien Verwendung findet.

Was macht eine gute Getreideernte aus? "Im Schnitt liegt der Ertrag beim Weizen dann bei acht bis achteinhalb Tonnen je Hektar", weiß Seipp. Beim Raps seien es rund vier Tonnen. "Durchwachsen" - so seine treffende Beschreibung für die Bestände der ölhaltigen Frucht. "Trotz später Keimung konnten sie sich dank der langen Herbstvegetation zunächst gut entwickeln", um jedoch während der Blüte im April aufgrund der Trockenheit eins drauf zu kriegen. "Hinzu kommt in diesem Jahr der Käferbefall", fügt der Junglandwirt noch an. Ob der Rekordhitze im Sommer 2018 hätten ohnedies viele Kollegen auf die daher wenig erfolgversprechende Rapsaussaat verzichtet.

Daniel Seipp baut auch noch Zuckerrüben an. Die aber werden erst im Herbst geerntet, so dass sich der 32-Jährige wenigstens darüber noch "keinen Kopf" machen muss.

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