Wegen sexuellen Missbrauchs hat das Amtsgericht einen 35-Jährigen verurteilt. Ihm droht auch ein Prozess vor dem Landgericht.
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Wegen sexuellen Missbrauchs hat das Amtsgericht einen 35-Jährigen verurteilt. Ihm droht auch ein Prozess vor dem Landgericht.

Amtsgericht

Mehrfacher Missbrauch: Ex-Lehrer zu drei Jahren Haft verurteilt

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Wegen sexuellen Übergriffen auf einen Jungen ist ein Ex-Aushilfslehrer nun zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Das Gericht verhängte noch eine weitere Strafe.

Gießen - "Das hat mir meine Jugend geraubt." Dieser Satz des Opfers in seiner Aussage vor Gericht fand in den Plädoyers mehrfach Erwähnung - zeigt er doch, wie sehr die Taten des Angeklagten das Leben des jungen Mannes belasten. Wegen sieben Fällen von sexuellem Missbrauch ist ein 35-Jähriger am Mittwoch vor dem Amtsgericht zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Außerdem darf er für fünf Jahre keine Lehrtätigkeit oder sonstige Beschäftigung ausüben, bei der er Kinder und Jugendliche betreut.

Der Mann aus dem Kreis Gießen hatte sich als Aushilfslehrer und Parkour-Trainer das Vertrauen des Schülers erschlichen und - so sahen es Staatsanwaltschaft, Nebenklage und das Gericht - seine Stellung missbraucht, um seine sexuellen Vorlieben an ihm auszuleben. Das Urteil in erster Instanz ist noch nichts rechtskräftig. Wegen einer möglichen Vergewaltigung eines anderen Jungen laufen Ermittlungen. Sollte sich der Verdacht erhärten, will die Staatsanwaltschaft erneut Anklage gegen den 35-Jährigen erheben.

Urteil gegen früheren Lehrer: Sieben Einzeltaten angeklagt

Die schweren Vorwürfe hatte der Angeklagte eingeräumt: Über eine von ihm angebotene Parkour-AG war er in Kontakt zum Opfer gekommen, hatte ihm Nachhilfe gegeben und auch privat trainiert. Schließlich verbrachten die beiden regelmäßig Wochenenden miteinander. In mindestens sechs Fällen gab der Mann dem damals 13-Jährigen Zungenküsse. Kurz nach dessen 14. Geburtstag verging er sich dann auf noch gravierendere Weise auf einer gemeinsamen Reise an ihm. Beim Prozessauftakt hatten mehrere junge Männer auch von perfiden Trinkspielen berichtet, die der heute 35-Jährige zu sexuellen Übergriffen genutzt habe. Diese Taten waren vor dem Amtsgericht allerdings nicht angeklagt.

Der Beschuldigte hatte vor Gericht ausgeführt, er habe sich in den Charakter des Jungen verliebt. Das habe die Beweisaufnahme widerlegt, sagte Staatsanwältin Jessica Schröder: "Ich frage mich, warum man sich sexuell vergreifen muss, wenn man geistigen Austausch will." Er habe sich mehrfach seine "Lieblinge" ausgesucht. "Der Gesetzgeber stellt sexuelle Handlungen an Kindern unter Strafe - per se", so Schröder weiter. 

Urteil gegen früheren Lehrer: "Obszön, perfide, abstoßend"

Das Opfer habe eine Identifikationsfigur gesucht, der Angeklagte habe dies "bewusst ausgenutzt" und sich zu einer Art Vaterfigur aufgeschwungen. Schröder sprach von einem "Unterordnungsverhältnis". Unterm Strich seien die Taten, die beim Nebenkläger zu einer posttraumatischen Belastungsstörung geführt haben, "obszön, perfide, abstoßend, einfach abscheulich". Der Verteidiger bat darum, das Geständnis des nicht vorbestraften 35-Jährigen zu berücksichtigen.

Vorsitzende Richterin Birgit Ruppel betonte, es sei "keine Beziehung auf gleicher Ebene, sondern ein Machtgefälle" gewesen. Erst nach einiger Zeit habe das Opfer sich anderen anvertrauen können. "Es ist seiner Stärke zu verdanken, dass er seinen Weg weitergehen kann." Trotzdem werde, wie auch dessen Therapeutin ausgesagt hatte, eine weitere psychologische Betreuung wohl nötig sein.

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