Corona-Krise

Kreis Gießen will Abläufe am Testcenter verbessern

  • vonred Redaktion
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Lange Wartezeiten, Kontakte von Personen in der Menschenschlange, Verkehrsbehinderungen rundum: Das Corona-Testcenter in Lich bietet Anlass zur Kritik. Der Kreis geht es jetzt an.

Kein Einzelfall in Zeiten der Corona-Krise: Am Testcenter in Lich - Anlaufstelle fürs gesamte Kreisgebiet - kommt es zu erheblichen Wartezeiten, gibt es Kontakte zwischen Personen in der Menschenschlange. Die GAZ berichtete überdies von Mängeln bei der Kennzeichnung der Proben (nur Namen, keine Kontaktdaten): Eine Mittfünfzigerin hatte neun Tage auf das (positive) Testergebnis warten müssen. Wie der Kreis auf Anfrage nun bestätigte, "hat es einige Fälle gegeben, in denen Tests durch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) unzureichend gekennzeichnet worden sind." Ziel sei es nun, in Absprache mit der KV den administrativen Dienst zu verstärken und damit zu gewährleisten, dass die Testergebnisse schneller und sicherer den Getesteten mitgeteilt werden. Aktuell verhandele der Kreis mit der KV - diese übernimmt die Tests über den Ärztlichen Bereitschaftsdienst in Lich -, um grundsätzlich die Abläufe zu verbessern.

Auch besserer Informationsfluss mit Gesundheitsamt das Ziel

In einer Pressemitteilung des Landkreises vom Sonntag heißt es dann, man habe der KV Unterstützung angeboten, "um einen geeigneteren Ort zu finden", den Informationsfluss mit dem Gesundheitsamt zu verbessern und insgesamt zu einem besseren Vorgehen zu kommen. "Dies", wird Landrätin Anita Schneider zitiert, "ist nicht nur im Interesse des Kreises und aller Kommunen, sondern auch ein dringender Wunsch der Ärzteschaft. Die KV hat nun signalisiert, dass sie bereit dazu ist, gemeinsam mit uns eine neue Aufstellung zu finden. Wir hoffen, dass Ergebnisse in der kommenden Woche vorliegen."

Über den aktuellen Stand informierte Schneider am Samstag auch die Bürgermeisterdienstversammlung. Tehma dabei auch: die Notbetreuung an den Kitas. Hier hätten alle begrüßt, dass das Land der Empfehlung vieler Kommunen gefolgt ist, jetzt ein Anrecht auf einen der Plätze auch dann bestehe, wenn nur ein Elternteil in einem der relevanten Berufe arbeitet (bisher zwei, außer Alleinerziehende). Schneider: "Es ist gut, dass das Land diese Notwendigkeit erkannt hat." Gerade der Kreis Gießen als Standort mehrerer Kliniken sei hier in einer Sonderrolle. "Wir müssen unbedingt vermeiden, dass Pflegepersonal nicht arbeitet, weil Kinder nicht betreut werden können. Denn im Zweifel wäre auch derjenige Elternteil daheim geblieben, der weniger verdient."

Wie weiter mitgeteilt, habe der Verwaltungsstab des Landkreises in den vergangenen Tagen Voraussetzungen getroffen, um so schnell wie in der derzeitigen Situation möglich das Gesundheitsamt personell zu verstärken. Allein das Ermitteln und Informieren der Kontaktpersonen von Infizierten - Ende vergangener Woche gut 200 - sei ein enormer zeitlicher Aufwand. In Abstimmung mit der Technischen Hochschule Mittelhessen habe man fachkundige Studierende für Krankenhaushygiene akquiriert, außerdem seien Ausschreibungen für Hygienefachkräfte erfolgt. Für geeignete Aufgaben sei auch vorgesehen, Personal aus anderen Bereichen der Verwaltung, die derzeit nur eingeschränkt arbeiten, umzuschichten. Viele Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitsdienst, aber auch aus anderen Bereichen arbeiteten bis an die Grenzen der Belastbarkeit. Andererseits gebe es aus weiteren Reihen des Verwaltungsteams große Bereitschaft, anzupacken, wo es dringend nötig ist. Schneider: "Das ist ein tolles Zeichen von Solidarität."

Die Kreisverwaltung selbst ermöglicht in vielen Fällen Homeoffice-Lösungen und hat Regelarbeitszeiten ausgeweitet, um das Infektionsrisiko zu minimieren und zugleich die Betreuung von Kindern und Angehörigen zu ermöglichen. Bei vielen Dienstleistungen aber gehe es um gesetzliche Aufgaben; einfach schließen oder Kurzarbeit anmelden sei daher nicht möglich.

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