Von heute an dürfte auch der "Mühlenhof" in Lollar seinen Biergarten wieder öffnen - da das Wetter nicht mitspielt, sieht Katharina Völpel jedoch davon ab. Bis sich das Wetter bessert oder die Innengastronomie öffnen darf, werden weiterhin nur Hotelgäste bewirtet.
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Von heute an dürfte auch der »Mühlenhof« in Lollar seinen Biergarten wieder öffnen - da das Wetter nicht mitspielt, sieht Katharina Völpel jedoch davon ab. Bis sich das Wetter bessert oder die Innengastronomie öffnen darf, werden weiterhin nur Hotelgäste bewirtet.

Lockerung der Corona-Regeln

Kreis Gießen: Wetter macht Gastronomen Strich durch die Rechnung – Einige Lokale weiter geschlossen

  • vonOliver Schepp
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Endlich wieder Biergarten: Am heutigen Samstag (22.05.2021) darf die Außengastronomie im Kreis Gießen wieder öffnen. Und doch bleiben die Lokale und Restaurants zum Teil geschlossen.

Kreis Gießen - Auf diesen Tag haben viele seit Monaten gewartet: Am heutigen Samstag darf die Außengastronomie im Kreis Gießen wieder öffnen. Doch wer gleich losziehen möchte, um das langersehnte Kaltgetränk im nächsten Biergarten zu genießen, sollte erst einen Blick auf die Homepage des Wirts seines Vertrauens werfen. »Die Stimmung bei den Gastronomen ist noch sehr verhalten«, sagt Katharina Völpel vom »Mühlenhof« in Lollar, die sich wie einige ihrer Kollegen entschieden hat, am Wochenende noch nicht zu öffnen. »Auch wenn wir natürlich Feuer und Flamme sind, so viel wie möglich zu öffnen.«

Kreis Gießen: Das Wetter vermasselt den Gastronomen in Lollar und Lich die Öffnung

Doch woran liegt das? »Wir haben uns riesig gefreut, dass wir zumindest außen wieder öffnen dürfen - aber dann haben wir den Wetterbericht gesehen«, erklärt Annika Grammozis von der »Alten Klostermühle« in Kloster Arnsburg. Daraufhin habe es einige Diskussionen gegeben. »Ich habe gesagt: Lasst uns bitte, bitte trotzdem öffnen, weil ich es so sehr will!«, erzählt sie. Aber ihr Mann habe ihr dann vorgerechnet, was es kosten würde, Strom, Gas und Wasser wieder hochzufahren, die Vorräte komplett neu einzukaufen und anzufangen zu produzieren - auf die Gefahr hin, dass die Testpflicht und schlechtes Wetter dazu führen, dass kaum jemand kommt. Oder dass die Leute lieber im benachbarten Wetteraukreis einkehren, wo auch die Innengastronomie wieder öffnen darf und im Außenbereich keine Testpflicht gilt.

Zu den Gästen zu sagen: Ja, es regnet, es gewittert, es hagelt - aber ich kann euch nicht reinlassen, das liegt nicht in unserer gastronomischen DNA.

Annika Grammozis, Alte Klostermühle in Lich

Zudem müssten die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt werden. »Man hat da den finanziellen Aspekt, aber ganz extrem auch den menschlichen«, sagt Grammozis. Schließlich wolle man ihnen »nicht die Hoffnung geben und gleich wieder nehmen«, wenn man sie nach zwei Stunden nach Hause schicken müsse, weil nichts los sei. »Und zu den Gästen zu sagen: Ja, es regnet, es gewittert, es hagelt - aber ich kann euch nicht reinlassen, das liegt nicht in unserer gastronomischen DNA«, fügt sie an. Sowohl in dem Licher Stadtteil als auch in Lollar heißt es daher weiter warten: Auf die nächste Lockerungsstufe - oder aber auf besseres Wetter.

Dünsberg-Raststätte: Vorbereitungen für Öffnung in der kommenden Woche laufen

Wie es auch kommen mag, sind jedoch die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes peinlich genau zu beachten, will der Wirt nicht Strafen von bis zu 25 000 Euro riskieren. Unter anderem müssen wie bisher schon Kontaktdaten erfasst werden, wobei viele Wirte nun als Alternative die Registrierung per App ermöglichen. Ohne freilich die klassische Variante mit Papier und Stift zu canceln. So hält es auch Thorsten Scherer, Wirt der Dünsberg-Raststätte, und verweist dazu auf zumindest einige ältere Gäste ohne Smartphone. Das buchstäbliche herausragende Ausflugslokal, knapp 500 Meter über Normalnull gelegen, wird erst am nächsten Samstag öffnen. Was gleich in zweifacher Hinsicht mit dem kühlen Nass zu tun hat: Zum ersten mit einer Regenwahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent über Pfingsten, zum zweiten mit dem fehlenden Anschluss ans öffentliche Leitungsnetz. Also muss Scherer zunächst die Wassertanks kontrollieren und befüllen lassen. Das braucht Zeit. »Nächsten Samstag aber ist alles bereit«, freut sich der Biebertaler.

Wegen des Mindestabstands darf er nur jede zweite Bank besetzen, sind es jetzt nur 60 bis 65 Plätze. Dass sich der Betrieb dennoch lohnt, liegt an einer Regelung, die sich Scherer nach dem ersten Shutdown hat einfallen lassen: Gäste müssen seither ein »Zeitfenster« von jeweils zweieinhalb Stunden reservieren. »So können wir bei vier Schichten am Tag rund 260 Leute bewirten.« Früher, fügt der Wirt noch an, habe er zur Mittagszeit die Hälfte der bis zu 150 Gäste abweisen müssen, das sei nun passé. Und: »Die einen blieben vier, fünf Stunden sitzen, andere kamen nur für eine schnelle Bratwurst. Das war manchmal schon schwierig.« Beim Personal aber bleibt alles beim Alten. Die drei festen und fünf Aushilfskräfte sind dem bei Radfahrern, Spaziergängern und Wandern beliebten Lokal treu geblieben. Wohl auch, weil sich ihr Chef kümmert, die Angestellten während der Schließung aus eigener Tasche unterstützt hat. Neu freilich ist auch für diese Gaststätte die Kontrolle des »Negativnachweises«. Selbsttests unter Aufsicht lehnt Scherer ab. Und erst recht Schnelltests durchs Personal, da hierfür der Aufwand noch größer wäre. Neben der Schulung der Mitarbeiter müsste er dafür sorgen, dass die seine Gäste mit Schutzkleidung empfangen.

Gastronomie im Kreis Gießen: „Merlin“ in Grünberg öffnet bereits heute

Nicht mehr länger warten mag dagegen Detlev Scheiber, Wirt des Grünberger Lokals »Merlin«. Er wird bereits heute erstmals wieder Gäste begrüßen. Ziemlich viel Stress sei damit verbunden gewesen, berichtet er im GAZ-Gespräch, um sich danach gleich wieder letzten Vorbereitungen zu widmen. »Keiner hat schließlich gewusst, dass es so schnell geht«, antwortet er auf die Frage nach Stressfaktoren. In wenigen Tagen habe er, ob der Fragezeichen hinter den Inzidenzen, auf eigenes Risiko Waren einkaufen und das Personal zurückholen müssen. Doch das war »in Teilen gar nicht mehr existent«. Wie er das meint? »Zwei haben ihr Studium beendet, zwei andere haben Jobs im Test- und Impfzentrum angenommen. Die bekommen da mehr und haben geregelte Arbeitszeiten« Und so ist das Personaltableau auf Kante genäht: »Es darf keiner krank werden.«

Um vor Wetterunbilden gewappnet zu sein, hat der Grünberger neue größere Schirme angeschafft, einige gar mit besagten Regenrinnen. Zum Glück gibt es für den »Merlin«-Chef kein Platzproblem, lohnt sich der Betrieb trotz der eingeschränkten Sitz- und mithin Gästezahl. Anders als viele Kollegen wird Scheiber den Gästen auch Selbsttests anbieten. Natürlich unter Aufsicht, was einen weiteren Mehraufwand bedeutet. Die Tests gibt’s nicht für lau, doch immerhin zum Einkaufspreis von 5 Euro. Und auch für die elektronische Gästeregistrierung per Smartphone ist hier gesorgt.

Am Ende kommt der Wirt noch auf eine Szene im Testzentrum zu sprechen, als er Stammgästen von der Eröffnung des Biergartens erzählte: »Da gab es Jubelschreie. Die Leute hecheln danach, wieder ausgehen zu können.«

Neue Regeln im Landkreis Gießen: Diese Vorgaben gelten für die Gastronomie

Am Donnerstag (20.05.2021) lag die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Gießen am fünften Werktag in Folge unter 100. Damit greifen ab dem heutigen Samstag (22.05.2021) gemäß Bundesnotbremse in einigen Lebensbereichen Lockerungen der Corona Regeln.

Diese Regeln gelten laut DEHOGA HESSEN für die Gastronomie:

  • Im Kreis Gießen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz »stabil« unter 100, gemäß der Verordnung des Landes Hessen zur Lockerung der Corona-Maßnahmen (»Stufe 1«) darf daher von heute an die Außengastronomie wieder öffnen; für Innenräume bedarf es einer Inzidenz von unter 50.
  • Für eine Bewirtung im Außenbereich haben die Wirte einige Vorschriften zu beachten: Gäste dürfen nur mit einem Negativnachweis (vollständige Impfung, Genesung, aktueller Test) eingelassen und an Sitzplätzen bedient werden.
  • Sind keine Trennvorrichtungen vorhanden, ist für die Tische ein Mindestabstand von 1,5 Meter einzuhalten. An einem Tisch dürfen nur Personen sitzen, denen der gemeinsame Aufenthalt im öffentlichen Raum gestattet ist.
  • Kontaktdaten der Gäste zur Ermöglichung der Nachverfolgung von Infektionen sind »möglichst« elektronisch zu erfassen und vier Wochen vorzuhalten. Gäste sind verpflichtet, die Angaben vollständig und wahrheitsgemäß zu machen und auf Verlangen ein amtliches Ausweispapier zur Überprüfung ihrer Angaben vorzulegen.
  • Auch weiterhin sind geeignete Hygienemaßnahmen zu treffen und zu überwachen.
  • Pflicht sind ebenso Aushänge zu den erforderlichen Abstands- und Hygienemaßnahmen.

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