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Auch im Impfzentrum in Heuchelheim werden die Kapazitäten für Impftermine nun ausgeweitet. SYMBOLFOTO: DPA

Impfbeirat

Kreis Gießen weitet Kapazitäten aus - Lehrer-Impfungen ab Mittwoch

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Bei der zweiten Sitzung des Impfbeirats haben Kreis-Vertreter über den geplanten Ausbau der Impfkapazitäten berichtet und ein Zwischenfazit gezogen. Kommende Woche sind weitere Berufsgruppen an der Reihe.

Das Impfen gilt als zentraler Baustein, um in der Corona-Pandemie Schritte in Richtung Normalität zu eröffnen - und auch im Kreis Gießen werden die Kapazitäten nun ausgebaut. Darüber haben Vertreter des Kreises am Freitag in der zweiten Online-Sitzung des Impfbeirats informiert, einem Gremium, das beraten und für Transparenz sorgen soll.

Derzeit könnten im Heuchelheimer Impfzentrum täglich 1350 Impfungen in insgesamt sieben »Impfstraßen« angeboten werden, sagte der Leiter des Zentrums, Mario Binsch. Auf Anfrage des Landes weite man die Kapazitäten nun im Rahmen der nächsten Stufe aus: Künftig strebe der Kreis eine Tagesleistung von bis zu 1785 Impfungen an, dies sei aus mehreren Gründen möglich: Einerseits laufe der Impfprozess inzwischen etwas schneller ab - etwa, weil nun auch weniger zeitaufwändige Zweitimpfungen anstünden. Auch könne man die Öffnungszeit auf 24 Uhr ausdehnen, also zwei Stunden länger als bisher. Außerdem sollen die Kapazitäten für die ärtliche Beratung im Zentrum erweitert werden. Mehr Terminkapazitäten sind nicht zuletzt notwendig, weil nun auch die zweite Priorisierungsgruppe ein Vakzin erhalten kann, dazu gehören Menschen ab 70 Jahren und Angehörige bestimmter Berufsgruppen.

Letztere wolle der Landkreis ab kommender Woche mit Gruppenimpfungen erreichen, erläuterte Binsch. Demnach sind in einer getrennten Impfstraße ab Mittwoch täglich 200 Termine pro Tag möglich. Gerechnet werde mit je rund 1500 Lehrern und Kita-Angestellten sowie 500 Polizisten. Dafür vorgesehen sei der Impfstoff von Astra Zeneca, außerdem stehen aktuell die Vakzine von Pfizer/Biontech und Moderna zur Verfügung.

Wie viele Dosen jeweils geliefert werden, teile das Land wöchentlich mit - und der Kreis passe die Kapazitäten für Termine entsprechend an. Für die Vergabe von Terminen ist allerdings das Land zuständig. Geplant ist ferner, die derzeit sechs mobilen Impfteams aufzustocken - »insbesondere mit Blick auf ältere Menschen, die nicht mobil sind«. Noch unklar ist laut Binsch, wie mit Impflingen in der Justizvollzugsanstalt und in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen sowie Bewohnern von Gemeinschaftsunterkünften verfahren werden soll.

Corona-Impfungen im Kreis Gießen: Gut 42 000 Impfungen bislang

Von einer »Herdenimmunität« ist der Kreis Gießen mit knapp 260 000 Einwohnern freilich noch weit entfernt, doch die Impfkampagne hat aus Sicht der Verantwortlichen seit der ersten Sitzung des Beirats am 19. Februar deutliche Fortschritte gemacht: Stand Donnerstagabend wurden 42 821 Impfungen gezählt - knapp 13 000 mehr als vor zwei Wochen. »Mit Alten- und Pflegeheimen sind wir im Prinzip großflächig durch«, sagte Binsch, nun würden noch neue Bewohner und Mitarbeiter nachgeimpft.

Bei den Mitarbeitern ambulanter Pflegedienste sein man »ein gutes Stück weiter gekommen«. Ein Fokus liege auch auf dem Personal der insgesamt sechs Krankenhäuser im Kreis. Laut Binsch hat eine Abfrage ergeben, dass von deren rund 8500 impfberechtigten Mitarbeitern - etwa auch aus den Bereichen IT und Hauswirtschaft - rund 80 Prozent »impfwillig und impffähig« seien. Diese Quote sei »sehr ordentlich«, zumal nicht alle geimpft werden könnten, zum Beispiel im Fall einer erst kürzlich überstandenen Covid-Infektion. »Es geht auch darum, dass die kritische Infrastruktur Krankenhaus voll funktionsfähig ist«, sagte Binsch - gerade mit Blick auf eine mögliche »dritte Welle«.

Auch Hausärzte und deren Mitarbeiter werden zurzeit in größerem Umfang geimpft, dafür standen im Impfzentrum am vergangenen Wochenende »Praxistage« an, ebenso an diesem Wochenende. Pro Tag stehen dann 600 Termine zur Verfügung. Für Samstag seien diese schon ausgebucht, für Sonntag gebe es noch »etwas Luft«, so der Leiter des Impfzentrums.

Corona-Impfungen im Kreis Gießen: Diskussion über »Resteliste«

Ungenutzt verfallende Impfdosen sind laut Angaben des Landkreises in Summe zurzeit kein großes Problem - jedoch blieben die Angaben dazu vage. Je nach Impfstoff könnten pro Ampulle bis zu zehn Dosen genutzt werden - und sei eine Einheit einmal geöffnet, müsse das Vakzin dann auch verabreicht werden. »Wir schauen ab 21 Uhr, was noch da ist«, sagte Binsch. Rein rechnerisch blieben etwa zwölf Dosen pro Tag übrig, hieß es bei der Sitzung. Genaue Angaben über diese Dosen wurden auf Nachfrage aber nicht genannt.

Damit kein Impfstoff verfällt, wird über eine »Resteliste« geregelt, wer spontan kontaktiert werden kann und dann eine Impf-Injektion bekommt. Diskutiert wurde nun darüber, welche Gruppen künftig auf dieser Liste stehen sollen - neben Härtefällen etwa Abstrich-Teams, Mitarbeiter des Gesundheitsamt oder Voraushelfer. Die Idee ist, jeweils danach zu entscheiden, wer vor allem in Kontakt mit anderen Menschen kommt.

»Es ist sehr komplex«, äußerte sich Landrätin Anita Schneider zur aktuellen Situation, »aber ich denke, wir kriegen das ganz gut hin«.

Info: Härtefälle

Auch der Umgang mit »Härtefällen« war am Freitag Thema im Impfbeirat. Dabei geht es um Menschen mit schweren Erkrankungen, die bevorzugt geimpft werden. Laut Kreis lagen bis Donnerstag insgesamt 47 solcher Anträge vor, davon seien 27 positiv, 18 negativ beschieden worden. In zwei Fällen stehe eine Entscheidung noch aus. jwr

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