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Der Licher Apotheker Olaf Herde hat eine erste Lieferung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer erhalten. Noch am selbenTag wird er sie an die Hausärzte ausliefern. Bis dahin kommt das Vakzin in den Kühlschrank.

Apotheke in Lich

Kreis Gießen: Lieferung von Corona-Impfstoff folgt ausgeklügeltem Zeitplan

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Seit dieser Woche dürfen alle Hausärzte gegen Corona impfen. Den Impfstoff können sie bei ihrer Apotheke bestellen und die wiederum ordert beim Großhändler. Die Auslieferung folgt einem ausgeklügelten Zeitplan. Ein Besuch beim Licher Apotheker Olaf Herde.

Gießen/Lich – Lieferungen des Großhandels gehören für das Team der Apotheke Am Stadtturm in Lich zum Arbeitsalltag. Doch an diesem Dienstag, dem 6. April, wird der kleine Transporter mit der Aufschrift Noweda mit besonderer Spannung erwartet. Drei graue Styropor-Boxen, die Apotheker Olaf Herde um 15.08 Uhr in Empfang nimmt, enthalten ein Produkt, auf das viele Menschen sehnlichst warten: den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Noch am selben Tag wird Herde insgesamt 180 Impfdosen an vier Hausarztpraxen in Lich und Gießen ausliefern. Bis zum Wochenende haben die Mediziner Zeit, sie ihren Patienten zu verabreichen. Dabei ist die Priorisierung laut Corona-Impfverordnung zu beachten. Herde freut sich, dass die Hausärzte loslegen können. »Jetzt kommt der Impfstoff an der Basis an«, sagt er. »Das ist eine gute Ergänzung zu den Impfzentren.«

Landkreis Gießen: Impfbereitschaft laut Apotheker hoch

Ausgewählte Praxen konnten bereits in der vergangenen Woche gegen Corona impfen. Mit Ende der Osterfeiertage können nun alle Hausärzte diese Leistung anbieten, wenn sie es denn wollen. Für den Anfang stehen dafür bundesweit pro Woche knapp eine Million Impfdosen zur Verfügung, ausschließlich vom Hersteller Biontech/Pfizer. Bis Ende April soll sich die Menge verdreifachen.

Die Versorgung der Praxen funktioniert wie bei jedem anderen Impfstoff auch: Die Ärzte bestellen beim Apotheker ihres Vertrauens und der ordert beim Großhandel die gewünschte Menge. Olaf Herde war Ende März von Noweda informiert worden, dass es nun bald losgehen werde. Bis zum 30. März, Punkt 15 Uhr, hatte er Zeit, die gewünschte Impfstoffmenge anzumelden. Der Licher war für diesen Fall vorbereitet. Er hatte schon im Vorfeld Kontakt zu den Praxen aufgenommen. »Die Bereitschaft der Patienten, sich impfen zu lassen, ist groß«, sagt er. »Und alle Ärzte, mit denen ich spreche, sind hochmotiviert.« Sie alle könnten ein Stück dazu beitragen, die Pandemie endlich zu stoppen.

Landkreis Gießen: Apotheker aus Lich erklärt Impfstoff-Lieferungen

Herde hat nicht nur Impfstoff erhalten, sondern auch das notwendige Zubehör. Bis er Spritzen und Kanülen passend für die Auslieferung sortiert hat, kommt der Impfstoff in den Kühlschrank im Keller. Das Vakzin von Biontech/Pfizer brauche eine Lagertemperatur von minus 70 Grad, erläutert der Apotheker. Sei es einmal aufgetaut, müsse es binnen 120 Stunden verimpft werden. Solange könne es bei normaler Kühlschrank-Temperatur gelagert werden.

Auch während des Transports ist Vorsicht geboten. »Der mRNA-Impfstoff ist in Lipide eingebettet«, weiß der Licher Apotheker. Er vertrage keine Erschütterungen. Deshalb stecken die etwa drei Zentimeter kleinen Glasröhrchen, Vials genannt, in einer dicken Lage Styropor. Außerdem sind sie von Kühlkissen und Kühlakkus ummantelt.

Der Auftauprozess hat mit der Auslieferung an den Großhandel begonnen. Der genaue Zeitpunkt ist auf einem Dokument festgehalten, das den drei Styroporboxen beigefügt ist: »6.4., 5.30 Uhr«, liest Herde laut vor. Bis allerspätestens Sonntagmorgen um 5.30 Uhr muss das Vakzin also den Weg in die Oberarme der Impfwilligen gefunden haben. »Es ist die Herausforderung der Arztpraxen, die Patienten in den kommenden Tagen einzubestellen«, sagt Herde.

Landkreis Gießen: Lieferung von Apotheker aus Lich bringt Impfschutz für 180 Menschen

Er hatte seinen Kunden empfohlen, die maximale Menge zu bestellen, die momentan auf 50 Dosen pro Praxis und Woche begrenzt ist. Dass es etwas weniger werden würde, weiß der Licher Pharmazeut seit vergangenem Mittwoch. Die drei grauen Styropor-Boxen enthielten 30 Vials mit Impfstoff-Konzentrat, das in den Praxen verdünnt und auf Spritzen aufgezogen werden muss. Ein Röhrchen reicht für sechs Impfdosen. Die Lieferung des Apothekers aus Lich verhilft also 180 Menschen zum Schutz vor einer potenziell lebensbedrohlichen Krankheit. Die Bestellung für die kommende Woche hat er gestern bereits auf den Weg gebracht. Alle Praxen hätten gerne wieder das Maximum, berichtet er.

Seit das Corona-Virus seinen Siegeszug um die Welt antrat, hat Herde einiges erlebt. Vor einem Jahr produzierte er im Keller seiner Apotheke das damals händeringend gesuchte Desinfektionsmittel. Im Winter waren medizinischen Masken das beherrschende Thema. »Jetzt sind es die Schnelltests und der Impfstoff.« Erfahrungen, auf die der Licher gerne verzichtet hätte. »Ich wünschte, diese Pandemie wäre uns erspart geblieben.«

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