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Wasser wird knapp: Gemeinde im Kreis Gießen appelliert für mehr Sparsamkeit

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Von: Christina Jung

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Den Rasen wässern? In Fernwald ist das derzeit untersagt und auch andernorts wird zum Wassersparen aufgerufen. Meist bleibt es aber beim Appell an die Eigenverantwortung. © DPA Deutsche Presseagentur

Die anhaltende Hitze und Trockenheit führt zu einem Problem, denn das Wasser kann knapp werden. Die erste Gemeinde im Kreis Gießen appelliert an Einwohner.

Gießen – Der Sommer hat gerade erst richtig an Fahrt aufgenommen, da steht die Wasserampel in der Gemeinde Fernwald bereits auf Rot. Wie sieht es im Rest des Landkreises aus? Nachgefragt bei Kommunen und Versorgern.

Es ist so selbstverständlich wie das Anschalten von Beleuchtung, Heizung oder Haushaltsgeräten: Wenn wir den Hahn aufdrehen, läuft das Wasser. Wir nutzen es täglich und in rauen Mengen – zum Trinken, Händwaschen, Duschen oder Kochen, für die Toilettenspülung oder Gartenbewässerung. Darüber, dass es sich beim Wasser um eine unserer kostbarsten Ressourcen handelt und wir vielleicht sparsamer, auf alle Fälle aber bewusster, damit umgehen sollten, denken wohl die wenigsten nach. In Fernwald hat sich das vergangene Woche schlagartig geändert. Denn der aktuelle Trinkwasserverbrauch liegt hier „erheblich über dem Durchschnitt und erreicht Höchstwerte“, wie es auf der Internetseite der Gemeinde heißt. Die Wasserampel steht auf Rot.

Appell an alle Einwohnenden im Kreis Gießen: Unnötige Nutzung von Wasser untersagt

Die Kommune hat die Garten- und Rasenbewässerung, das Be- oder Nachfüllen von Zisternen, Pools, Fässern, Tanks und Teichen sowie das Reinigen von Gebäuden, Flächen und Fahrzeugen mit Trinkwasser untersagt. Allerdings handelt es sich dabei um einen dringenden Appell und noch nicht um ein Verbot auf Grundlage des hessischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (HSOG), wie Bürgermeister Manuel Rosenke auf GAZ-Anfrage erklärt. Es gehe vielmehr um ein öffentliches Sensibilisieren, ein „frühzeitiges Gegensteuern“, um den Trinkwassernotstand – und damit die letzte Stufe der Ampel zu vermeiden.

Fernwald war die erste Kommune im Landkreis, die so offensiv agierte. Laubach zog gerade nach, weil der Trinkwasserverbrauch dort um die Hälfte gestiegen ist. Bürgermeister Matthias Meyer mahnte öffentlich zu einem sparsameren Umgang, ansonsten müssten Verbote ausgesprochen werden.

Trockenheit in Deutschland: Wasserampel zeigt im Kreis Gießen die Lage an

Angesichts andauernder Trockenheit und den nach wie vor spürbaren Folgen der Hitzejahre 2018, 2019 und 2020 ist die Thematik aber auch andernorts im Fokus. Der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) etwa, der die Kommunen Wettenberg, Heuchelheim, Pohlheim und Linden als Weiterverteiler vollversorgt, Langgöns, Buseck und Gießen teil- und den Biebertaler Ortsteil Krumbach endversorgt, hatte bereits in der Woche zuvor zum Wassersparen aufgerufen, die im Ostkreis tätige Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (OVAG) schon Anfang 2021 eine Wasserampel eingeführt.

„Um den Bedarf in den Hitzejahren zu decken, mussten wir das Grundwasservorkommen stark nutzen. Eine Erholung hat aufgrund der mäßigen Niederschläge bisher nicht stattgefunden“, sagt auf Anfrage Franz Poltrum, Abteilungsleiter Wasser bei der OVAG, die das Kreisgebiet Hungen, einen Teil der Großgemeinde Lich und den Laubacher Stadtteil Lauter mit Wasser beliefert. Zur langfristigen Sicherstellung der Versorgung habe man den tatsächlichen Verbrauch der Kommunen mit dem verfügbaren Grundwasservorkommen abgeglichen und die Lieferung in den Sommermonaten leicht reduziert. Die Wasserampel steht seit ihrer Einführung im vergangenen Jahr auf Gelb.

„Seit 2003 geht die Grundwasserneubildung zurück“: Wasser wird in Deutschland weniger

Von zu wenig Niederschlägen und einem damit einhergehenden leichten Rückgang des Grundwasserstandes in den vergangenen Jahren berichten auf Anfrage auch mehrere Bürgermeister im Kreisgebiet, andere Verwaltungschefs von „natürlichen Schwankungen“ oder „unterschiedlichen Entwicklungen“. In Laubach beispielsweise hat sich am Hirtenbach-Brunnen der Grundwasserspiegel seit der Inbetriebnahme 1970 um elf Meter abgesenkt, an anderen Stellen sind die Pegel dagegen gleichgeblieben.

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Seitens der zuständigen Landesbehörde, dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), heißt es: „Seit 2003 geht die Grundwasserneubildung zurück“, so HLNUG-Pressesprecherin Franziska Vogt. Insbesondere das Defizit aus den drei Hitzejahren sei noch nicht wieder ausgeglichen. Noch aber sei genug Grund-, Roh- und Trinkwasser vorhanden, die Versorgung gewährleistet.

Wasserbedarf im Kreis Gießen kann gedeckt werden: „Das heißt aber nicht: Macht was ihr wollt“

Dieses Signal kommt auch aus den meisten Kreiskommunen, und seitens der Stadtwerke Gießen heißt es ebenfalls: „Es gibt momentan keine Probleme. Wir können den Bedarf decken“, berichtet Ulli Boos, Leiter Marketing und Kommunikation. „Das heißt aber nicht: Macht was ihr wollt“, so der Unternehmenssprecher, der dazu aufruft, „generell sorgsam mit der Ressource Wasser umzugehen“.

Aber genau das scheint vielfach das Problem. Insbesondere dort, wo viele Kubikmeter Wasser in Privatpools gefüllt werden oder auf saftig grünen Rasenanlagen versickern. Wenn auch mancherorts, wie in Wettenberg, der Trinkwasserbrauch in den ersten sechs Monaten des Jahres unter dem der drei Vorjahre (gleicher Zeitraum) liegt, erleben Fernwald oder Laubach Spitzenverbräuche. „Meine Erfahrung ist, dass der Wasserspargedanke den Bürger noch nicht erreicht hat“, sagt Franz Poltrum (OVAG). Und ZMW-Geschäftsführer Thomas Brunner meint: „Das grundsätzliche Verbrauchsverhalten muss überdacht werden.“

Apell an Eigenverantwortung im Kreis Gießen: Stadt geht mit gutem Beispiel voran

Die Mehrheit der Kommunen, denen die Sicherstellung der öffentlichen Wasserversorgung als Aufgabe der Daseinsvorsorge zufällt, appellieren diesbezüglich allerdings vornehmlich an die Eigenverantwortung der Bürger, wie etwa Grünberg oder Reiskirchen. Wohl auch, weil für Kontrollen das Personal fehlt. Immerhin: Wettenberg beispielsweise geht selbst mit gutem Vorbild voran, hat in den gemeindeeigenen Einrichtungen die Maßgabe herausgegeben, nach den jeweiligen Möglichkeiten Wasser einzusparen. Die beiden Sportplätze etwa dürfen nur soviel bewässert werden, dass der Rasen nicht auf Dauer Schaden nimmt.

In Fernwald haben die für die Bewässerung der Plätze zuständigen Sportvereine die Anweisung erhalten, diese ganz einzustellen. „Wir können ja niemandem begreiflich machen, dass Wasser gespart werden muss“, sagt Bürgermeister Rosenke, „wenn wir es selbst nicht tun.“ (Christina Jung)

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