Feuerwehren

Im Kreis Gießen droht nirgends eine unfreiwillige Feuerwehr

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Im Landkreis Gießen droht derzeit nirgends die Einführung einer Pflichtfeuerwehr. Trotzdem suchen die Feuerwehren weiterhin Freiwillige. Zudem werden Wehrführer gebraucht.

In den vergangenen Monaten machte der Begriff "Pflichtfeuerwehr" Schlagzeilen. Unter anderem wurde in Grömitz in Schleswig-Holstein eine Pflichtfeuerwehr eingeführt, da die Zahl der Freiwilligen zu niedrig war. Auch in Hessen macht es das Gesetz möglich, Bürger zum Feuerwehrdienst zwangszuverpflichten. Kreisbrandinspektor Mario Binsch sieht derzeit dafür aber keine Notwendigkeit: "Zur Zeit geht es hier im Landkreis Gießen nirgendwo um eine Pflichtfeuerwehr." Zudem sei es nicht nur fraglich, ob ein unfreiwilliger Feuerwehrmann wirklich eine Verstärkung darstelle, sondern auch, wie man Leute dazu zwingen wolle: "Ich halte es auch für rechtlich äußerst schwierig."

Dass es im Landkreis Gießen keine Pflichtfeuerwehren braucht, bedeutet jedoch nicht, dass die Feuerwehren keine neuen Mitglieder suchen würden. Im Gegenteil: Gerade tagsüber ist in vielen Orten die Personaldecke sehr eng. Viele Ehrenamtliche, die mit Leib und Seele bei der Feuerwehr sind und kaum eine Übung versäumen, müssen für ihren Arbeitsplatz weit pendeln. Im Einsatzfall macht es für sie keinen Sinn, von Frankfurt aus nach Allendorf zu fahren, um dort einer bei einem Verkehrsunfall eingeklemmten Person zu helfen. Dieses Problem wurde allerdings beim Landkreis berücksichtigt. Deswegen werden tagsüber meistens gleich mehrere Feuerwehren alarmiert. "Dann kommt die Nachbarfeuerwehr dazu", sagt Binsch.

Feuerwehr hat Zeitvorgaben

Das Hessiche Brand- und Katastrophenschutzgesetz gibt vor, dass beispielsweise bei einem Küchenbrand innerhalb von zehn Minuten nach Alarmierung mindestens sechs Feuerwehrleute mit verschiedenen Funktionen, nach 20 Minuten mindestens 21 Feuerwehrleute sowie Spezialfahrzeuge wie eine Drehleiter am Einsatzort sein müssen.

Das bedeutet, dass wenn beispielsweise in einem Ort die Freiwillige Feuerwehr mangels Mitgliedern geschlossen werden muss, die Feuerwehr im Nachbarort dieses Einsatzgebiet übernehmen kann, wenn sie die Zeitvorgabe einhält. Dies ist beispielsweise in Allendorf nach dem Aus der Feuerwehr Climbach so geschehen.

In anderen Orten, etwa in Fernwald-Annerod, gibt es Tagesalarmkräfte. Diese sind in ihrem Wohnort bereits in der Feuerwehr aktiv. Ihr Arbeitgeber stellt sie für Einsätze frei, sodass sie auch die Feuerwehr an ihrem Arbeitsort unterstützen können. Die Arbeitgeber haben hiervon den Vorteil, dass sie sicher sein können, dass genügend Feuerwehrleute zur Stelle sind, wenn in ihrem Betrieb einmal etwas passiert.

Wer will Wehrführer werden?

Generell sieht Kreisbrandinspektor Binsch jedoch ein anderes Problem: Es fehlt an geeigneten Führungskräften. Es werde immer schwerer, jemanden zu finden, der das Amt des Wehrführers übernimmt. Und ohne Führung kann eine Feuerwehr nicht existieren. Um mehr Führungskräfte ausbilden zu können, hat das Land Hessen kräftig in die Landesfeuerwehrschule investiert, die Zahl der Plätze erhöht. Aber es braucht auch Kandidaten, die sich als Gruppen- oder Zugführer ausbilden lassen wollen.

Falls aus privaten oder beruflichen Gründen kein einziges Mitglied der Einsatzabteilung das Amt als Wehrführer übernehmen kann, gibt es jedoch eine Notlösung: den Schutzbereich. Dabei schließen sich zwei oder mehrere Ortsteilwehren zusammen. An der Spitze steht ein Wehrführer und sein Stellvertreter, die Übungen finden gemeinsam statt. Im Einsatzfall rücken die Feuerwehrleute von ihrem örtlichen Feuerwehrhaus aus und treffen sich dann am Einsatzort. Dieses Modell findet man beispielsweise in der Rabenau bei den Feuerwehren von Geilshausen und Odenhausen/Lumda, die sich zu einem Schutzbereich zusammengeschlossen haben. Die Feuerwehren im jeweiligen Ort bleiben so erhalten. Dies ist meist nicht nur für den Brandschutz, sondern auch das kulturelle Leben im Ort eine gute Nachricht. Denn meist ist der angeschlossene Feuerwehrverein ein Aktivposten im Veranstaltungskalender.

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