Erste Funktionen der Dorf-App sind schon programmiert, bald startet der Testbetrieb. FOTO: JWR
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Erste Funktionen der Dorf-App sind schon programmiert, bald startet der Testbetrieb. FOTO: JWR

Digitales Pilotprojekt

Kreis Gießen: Dorf-App startet im Herbst

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Nachbarschaftshilfe, schwarzes Brett, Chat-Funktionen - das und mehr soll die Dorf-App in zunächst fünf Modellorten bieten. Nun steht die Testphase an - und der Landkreis hofft auf möglichst viele Nutzer.

Häufig wird Digitalisierung mit Vernetzung über große Distanzen verbunden, die Anschluss an die weite Welt bietet. Das Modellprojekt "digitale Dörfer" zielt dagegen darauf ab, Zusammenhalt und Vernetzung innerhalb kleinerer Orte zu fördern, sie damit auch zukunftsfähiger und lebenswerter zu machen.

Am Mittwoch haben die beteiligten Akteure in Oppenrod das Herzstück des Projekts vorgestellt: die "Dorf-App". Sie soll in absehbarer Zeit etliche lokal nutzbare Anwendungen bieten - etwa als Plattform für Nahversorger oder als digitales "schwarzes Brett" für Veranstaltungen, Mitfahrgelegenheiten, Nachbarschaftshilfe und mehr. Auch Chat-Funktionen sind vorgesehen. Finanziert wird die App-Entwicklung im Rahmen des Pilotprojekts vom Landkreis. Etwa 65 Prozent der veranschlagten Kosten (ingsgesamt 254 000 Euro) übernimmt die EU über das "Leader-Programm" zur Stärkung des ländlichen Raums. Als Pilot-Dörfer wurden fünf Orte im Kreis ausgewählt, in denen es eine aktive Dorfgemeinschaft gibt, es aber teils an Infrastruktur mangelt: Königsberg, Harbach, Dornholzhausen, Treis - und eben Oppenrod. Laut Landrätin Anita Schneider soll das Angebot perspektivisch auf andere Orte ausgeweitet und je nach Bedarfen angepasst werden.

Dorf-App: Motto steht schon fest

Einige Funktionen sind bereits programmiert, auch das Motto der App ("Vernetzt, wo man verwurzelt ist") steht schon. Man wolle "einen Prozess, der sich von unten nach oben gestaltet", sagte Schneider. Doch die konsequente Bürgerbeteiligung mit Vorschlägen aus den Orten habe man in der ersten Entwicklungsphase wegen der Corona-Einschränkungen so nicht umsetzen können. Um während der zweijährigen Projektphase seit Anfang des Jahres keine Zeit zu verlieren, haben Kreis und Entwickler umgeplant: "Nun ist es umgekehrt: erst die App, dann der Inhalt", äußerte sich Mark Pralle von der Gießener "Fabrik 19". Das Unternehmen hat bei der Ausschreibung das Rennen gemacht und kann auf Erfahrungen zurückgreifen, etwa bei der Entwicklung von Smartapps für größere Städte.

Dass man vorerst ohne Bürgerbeteiligung habe starten müssen, sei vielleicht auch ein Vorteil, sagte Norman Best, Projektbeauftragter beim Landkreis: "Jetzt haben die Bürger schon eine App mit Grundfunktionen" - und es sei womöglich einfacher, Menschen so für die Anwendung zu gewinnen. Laut Pralle wird der Erfolg auch davon abhängen, ob die App genügend "kritische Masse an Funktionen bietet". Diese wolle man Stück für Stück auch nach den Wünschen der Dorfgemeinschaften ausbauen.

Doch es wird auch eine kritische Masse an Menschen brauchen, damit sich die Nutzung etabliert - und darunter sollen auch möglichst viele Senioren sein. "Es geht darum, dass wir alle im Dorf erreichen - nicht nur jene, die täglich mit Smartphones unterwegs sind", sagte die Landrätin.

Dorf-App: Noch viel Skepsis

Man müsse über die DorfApp umfangreich informieren, und gerade im Hinblick auf ältere Menschen brauche es auch Multiplikatoren, unterstrich der Vorsitzende des Kreis-Seniorenbeirats, Hans Ulrich Theiss. Es gebe auch viel Skepsis und es bedürfe noch reichlicher Überzeugungsarbeit, dass die App einen echten Mehrwert bietet, hieß es in der Runde in Oppenrod. Workshops in größerem Umfang sind laut Kreis für Ende des Jahres geplant.

Wer die Dorf-App nutzen will, braucht nicht zwingend ein Smartphone: Der Zugang soll auch über den PC möglich sein. Außerdem ist angedacht, dass in jedem Pilotort eine "digitale Stele" mit der Anwendung zur Verfügung steht. Eine sei im Zuge der Förderung schon finanziert, für die anderen sei dies noch unklar, so die Landrätin.

Nach einer Testphase (siehe Info) soll die Dorf-App "voraussichtlich Mitte September" für alle Menschen in den teilnehmenden Orten verfügbar sein. Dann wird es ernst. Langfristig soll die Anwendung zum Selbstläufer werden. Nach dem Anschub "muss sich dieses Projekt verstetigen, dafür müssen wir jetzt die Grundlage schaffen", sagte Schneider. Je mehr mitmachen, desto eher dürfte das gelingen.

Info: Testphase steht an

Laut Landkreis können in Kürze zehn Personen aus jedem Modell-Ort die Dorf-App testen und auf mögliche Probleme hinweisen. Danach werde man jedem Haushalt in den Dörfern Zugangsdaten zur kostenlosen Nutzung schicken. Weitere Infos und Anmeldung als Testperson: https://dorfleben.lkgi.de. jwr

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