Die Dorf-App soll für mehr Vernetzung sorgen, zunächst ab morgen in fünf Dörfern im Landkreis.
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Die Dorf-App soll für mehr Vernetzung sorgen, zunächst ab morgen in fünf Dörfern im Landkreis.

Pilotprojekt

Kreis Gießen: »Dorf-App« ab Mittwoch in fünf Orten verfügbar

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Sich austauschen, Hilfe suchen und bieten: Das und mehr ermöglicht die »Dorf-App«. Jetzt ist sie in fünf Orten im Kreis Gießen verfügbar. Wie lief die Probephase, was sagen die Tester?

Kreis Gießen – Vernetzt, wo man verwurzelt ist - unter diesem Motto geht die »Dorf-App« am Mittwoch (14.10.2020) an den Start. Mit dem Modellprojekt sollen Austausch und Miteinander in den teilnehmenden Orten auf digitalem Weg gestärkt werden. Die kostenlose App zielt auch auf die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raums ab. Im ersten Schritt steht sie nun für fünf Orte im Kreis Gießen und deren rund 6000 Bewohner zur Verfügung: Harbach, Dornholzhausen, Königsberg, Oppenrod und Treis.

Ursprünglich sollten in den Orten Ideen gesammelt werden, die die IT-Entwickler der Gießener »Fabrik 19« dann in konkrete App-Funktionen gießen. Doch wegen der Corona-Situation wurde umgeplant: Einige Grundfunktionen wurden programmiert und dann in den Orten von Freiwilligen getestet. So lief es auch in Harbach. Ortsvorsteher Oliver Schäfer hat die »Steuerungsgruppe« dort geleitet und die Vereine angeschrieben, um Nutzer für die Testphase zu gewinnen. 13 Freiwillige seien so zusammengekommen.

Kreis Gießen: Die App als digitaler Treffpunkt

Damit die App als digitaler Treffpunkt ein Erfolg wird, müssen nun möglichst viele mitziehen. »Es gibt auch schon Anfragen von Älteren: Wann dürfen wir endlich auch?«, berichtet Schäfer. Doch um gerade auch viele Senioren einzubinden, die digitalen Wegen teils mit Skepsis begegnen, brauche es wohl noch Zeit. »Die Klientel abzuholen - da ist noch ein bisschen Arbeit.«

Allgemein mangle es im Dorf aber nicht an Interesse an der Dorf-App, sagt Schäfer. Die Testphase ist aus seiner Sicht gut gelaufen. Dass es anfangs noch eine paar technische »Pferdefüße« gegeben habe - etwa Probleme bei der Anmeldung - sei bei einer App »ganz normal«. Der Kreis hat aufgrund der Rückmeldungen teils nachbessern lassen.

Kreis Gießen: »Dorf-App« startet: Hilfreiche Funktionen

Schon jetzt sei der praktische Nutzen greifbar, so Schäfer: Infos über Termine der Müllabfuhr, Notruf-Nummern, Apotheken-Notdienste oder lokale Wettermeldungen - diese Funktionen seien hilfreich.

Laut Auskunft des Projektbeauftragten beim Landkreis, Norman Best, sind auch der »Dorffunk« (Chat-Funktion) und ein »Marktplatz« für lokale Gesuche und Angebote bereits eingepflegt. »Die App ist nun als Basis verfügbar.« Im ersten Schritt gebe es noch keine »dorfabhängigen Individualisierungen, diese werden voraussichtlich im Frühjahr durch den Input über Bürgerbeteiligungsveranstaltungen mit den Einwohnerinnen und Einwohnern zusammen entwickelt, sofern Corona dies zulässt«, so Best weiter.

Schäfer hofft, dass Vereine aus Harbach oder er als Ortsvorsteher bald auch Einladungen zu Veranstaltungen in die App einpflegen können. »Jetzt muss ich Flyer ausdrucken und austragen, wenn ich die Leute informieren will« - da wäre ein papierloser Digitalkanal sinnvoll, zumindest als Ergänzung.

Kreis Gießen: Positives Fazit auch in Oppenrod

Auch in Oppenrod fällt das Fazit der Testphase recht positiv aus: »Von der Idee und Aufmachung ist es top«, sagt der frühere Ortsvorsteher Roland Scheld. Schon vor Jahren sei im Ort die Idee gereift, »Einkaufs-Patenschaften« zu installieren und so gerade ältere Menschen zu entlasten. Damals sei die Nachfrage aber eher gering gewesen. Die Dorf-App, so hofft Scheld, könnte solchen Initiativen frischen Wind einhauchen.

Auch er unterstreicht, dass es nun auf das Interesse der Menschen an dem Pilotprojekt ankomme, »das muss erst wachsen«. Wenn es gut laufe, könne die Dorf-App vielleicht sogar einem ganz großen Player in Oppenrod den Rang ablaufen: Zurzeit werden laut Scheld Neuigkeiten von vielen in einer Facebook-Gruppe geteilt, »wenn zum Beispiel jemandem Hühner weggelaufen sind«. Je mehr Oppenröder nun die App nutzten, desto mehr würden vielleicht von Facebook umsteigen, vermutet er. Im Chat zu zweit hat Scheld schon mal einen Anfang gemacht: »Dem Nachbarn habe ich mal über die App geschrieben, vielleicht antwortet er noch.«

»Dorf-App« startet: Vorab mehr als 60 Test-User

Wie groß müsste das Teilnehmerfeld sein, damit eine »kritische Masse« entsteht, die Dorf-App zum wirklich beliebten Treffpunkt wird? Auch für den Landkreis ist das schwer einzuschätzen. Bisher hätten sich über 60 Test-User beteiligt und damit mehr als erwartet, äußert sich Best. Über den Umfang einer »kritischen Masse« könne man aber »mangels bisheriger Erfahrung mit Projekten dieser Art keine weitreichenderen Auskünfte geben«.

Das Projekt »digitale Dörfer« und damit auch die App als Herzstück wird über das Leader-Programm gefördert. Laut Kreis deckt die EU damit 65 Prozent der Gesamtkosten (rund 254 000 Euro) ab. Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Je nach Nachfrage könnte die Dorf-App auch auf andere Orte im Kreis ausgeweitet werden.

Multiplikatoren gesucht

Zunächst aber soll die Innovation in den Modellorten bekannter gemacht werden. Um sie gerade auch Älteren schmackhaft zu machen, wird es auch auf Multiplikatoren aus den Dörfern ankommen. Laut Best sind in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule (KVHS) Seminare geplant, um vor allem ehrenamtlich Aktive zu schulen.

Außerdem plane die KVHS eigene Kurse in den Dörfern, die Senioren an digitale Endgeräte heranführen sollen. »Der Grundgedanke der App ist super«, lobt Ortsvorsteher Schäfer, »das kann der Knaller werden«. Dafür braucht es nun Schwung, um möglichst viele einzubinden. Der Anfang ist schon mal gemacht.

Zusatzinfo: Entwickler vor Ort

Ab Mittwoch steht die Dorf-App in den App-Stores für iOS und Android zur Verfügung. Bewohner der Modellorte können sich nach der Installation registrieren und einen QR-Code anfordern, der dann per Post kommt und für die Registrierung nötig ist. Andere Interessierte können die App laden, aber nur eingeschränkt nutzen.

Entwickler der »Fabrik 19« bieten in allen fünf Orten Info-Termine an, bei denen auch die Freischaltung möglich ist.

Die Termine: Donnerstag, 15. Oktober: Treis (14 bis 17 Uhr, Festplatz vor der Sporthalle); Freitag, 16. Oktober: Harbach (10 bis 13 Uhr, am DGH) sowie Oppenrod (14 bis 17 Uhr, am Bürgerhaus); Samstag, 17. Oktober: Dornholzhausen (10 bis 13 Uhr, am Bürgerhaus); Mittwoch, 21. Oktober: Königsberg (16 bis 19 Uhr, am Bürgerhaus).

Weitere Informationen unter dorfleben.lkgi.de. jwr

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