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14 Mitarbeiter sind normalerweise in dem Werksgebäude von Xonox in Hüttenberg tätig. Derzeit nimmt dort lediglich ein Student Pakete an. 

Hoher wirtschaftlicher Schaden

Wie das Coronavirus eine Firma in Hüttenberg lahmlegt

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Seit Freitag steht der Betrieb des Unternehmens Xonox in Hüttenberg still. Ein Mitarbeiter hat sich mit dem Coronavirus angesteckt, alle Kollegen stehen unter Quarantäne - ein hoher wirtschaftlicher Schaden.

Stille herrscht in der Kirchstraße in Hüttenberg. Kein Geräusch dringt aus dem Gebäude der Xonox Technology GmbH in Rechtenbach, nicht eine Menschenseele ist zu sehen. Die Produktion der Firma, die High-End-Messgeräte für Unternehmen wie Jenoptik und Zeiss herstellt, steht still, zwei Wochen lang. Wegen des Coronavirus.

Der Produktionsleiter der Hüttenberger Firma hat sich im Urlaub auf einem Seminar in der Lombardei mit dem Virus angesteckt. Als er am Montag vergangener Woche nach Rechtenbach zurückkehrte und gleichzeitig die Berichte um das in Norditalien grassierende Coronavirus hochkochten, schickte der Geschäftsführer Peter Flug den 31-Jährigen kurzerhand nach Hause und bat ihn, sich beim Gesundheitsamt zu melden. Flug handelte gedankenschnell. "Symptome waren nicht erkennbar." Doch er habe den Kollegen vorsorglich von der Arbeit freigestellt. "Es geht auch darum, dass sich alle Mitarbeiter sicher fühlen." 

Am Donnerstagabend kurz vor Mitternacht erfuhr Flug: Der Produktionsleiter war soeben positiv auf Corona getestet worden und auf einer Isolierstation in Wetzlar untergebracht. Es war hessenweit der erste bestätigte Fall. "Wir haben daraufhin die Firma am Freitag geschlossen und Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufgenommen." Die 14 Mitarbeiter wurden alle unter Quarantäne gestellt.

Coronavirus: Mitarbeiter fühle sich gut

Dem Mitarbeiter, der in einem Wetzlarer Krankenhaus liegt, gehe es "ausgezeichnet", berichtete Flug am gestrigen Dienstag. Er fühle sich wohl, habe weder Husten noch Fieber und zeige keinerlei Symptome. "Er hat nur erzählt, dass er sich etwas schlapp fühlt. Dass er merkt, dass sein Körper gegen das Virus kämpft." 

Dass der Betrieb der Rechtenbacher Firma Xonox unterdessen still steht, hat ernsthafte wirtschaftliche Konsequenzen. "Für einen reinen Produktionsbetrieb wäre eine solcher Ausfall über 14 Tage nicht zu verkraften", sagt der Geschäftsführer. Man habe allerdings Zulieferer. Außerdem entwickle man in Rechtenbach Geräte und Messinstrumente und entwerfe dafür Zeichnungen. Dies wie auch Planung und Vertrieb können weiterlaufen – allerdings nicht im Werksgebäude in der Kirchstraße. 

Die Mitarbeiter sind für 14 Tage von der Außenwelt abgeschnitten und arbeiten von zu Hause aus. Dennoch geht Flug aufgrund von Produktionsausfällen von einem Schaden in Höhe von 70 000 bis 80 000 Euro aus. Flug setzt Hoffnung in staatliche Hilfen. So könnte das Infektionsschutzgesetz greifen, sodass die öffentliche Hand die Gehälter der Mitarbeiter für die 14 Tage übernimmt. Ansonsten warte man ab, welche staatlichen Förderprogramme greifen oder vor dem Hintergrund des sich weiter ausbreitenden Coronavirus noch neu aufgelegt werden könnten. 

Die Epidemie könnte viele weitere Betriebe auch in der Region treffen. Der Bundesfinanzminister hat ein Hilfsprogramm in Aussicht gestellt.

Coronavirus: Student nimmt Pakete an

Völlig verlassen ist das Werksgebäude in der Kantstraße in Rechtenbach indes nicht. Ein Student ist vor Ort und nimmt zumindest Pakete an. Alle anderen Mitarbeiter sitzen aber jeweils zu Hause. arbeiten im Homeoffice, unterhalten sich über Videokonferenzen und Kurznachrichten auf dem Smartphone. Das Team wachse durch die Situation enger zusammen, berichtet Flug. 

Alle Mitarbeiter hätten sich am vergangenen Freitag freiwillig in häusliche Quarantäne begeben, noch bevor dies vom Gesundheitsamt angeordnet worden sei. Alle ließen sich mit ihren Partnern und den ermittelten Kontaktpersonen auf das Virus testen. 

Seit Montagnachmittag steht fest, dass sich kein weiterer Kollege angesteckt hat. "Tag für Tag haben Mitarbeiter per Whats-App Nachrichten verschickt, dass ihr Test auf Corona negativ war. Die Freude ist natürlich groß, jeder verschickt dann Glückwünsche." 

Trotz der Testergebnisse werden die Mitarbeiter vorsorglich insgesamt 14 Tage unter Quarantäne bleiben und erst danach wieder die Arbeit aufnehmen. Bis dahin verlässt keiner seine Wohnung. "Wir erleben viel Solidarität untereinander", sagt Flug. Freunde und Bekannte kaufen für die Mitarbeiter ein und stellen die Tüten vor den Türen ab. "Wir sind ja Rechtenbacher. Auf dem Dorf funktioniert das, da hält man zusammen." Dass man zu Hause bleiben muss, sei für 14 Tage zu verkraften.

Flug hat die Situation für sein Unternehmen am Montag auch auf Facebook dargelegt. Die Nachricht endet mit einem Gruß an den erkrankten Kollegen: "Wir hoffen, dass er frei von Symptomen bleibt und bald wieder gesund ist."

Im Vogelsbergkreis gibt es nun den ersten Fall einer Coronavirus-Infektion. In Gießen gibt es bereits zwei bestätigte Coronavirus-Fälle. Unter anderem eine Studentin hat sich mit SARS-CoV-2 infiziert. In der Wetterau gibt es bislang keine bestätigten Fälle. Allerdings befinden sich Wetterauer in häuslicher Quarantäne. Die Hausärzte in der Wetterau kämpfen am Limit, um eine Infektion zu verhindern. Auch die Gießener Hausärzte schlagen Alarm.

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