"Baum fällt!" - Zur Sicherheit der Autofahrer werden im Weitershainer Wald zahlreiche Bäume gefällt. Gerade den Buchen, in deren Kronen sich durch die Trockenheit oft abgestorbene Äste befinden, geht es zum Schutz der Arbeiter meist mit Seilzugtechnik an den Kragen. FOTO: TB
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"Baum fällt!" - Zur Sicherheit der Autofahrer werden im Weitershainer Wald zahlreiche Bäume gefällt. Gerade den Buchen, in deren Kronen sich durch die Trockenheit oft abgestorbene Äste befinden, geht es zum Schutz der Arbeiter meist mit Seilzugtechnik an den Kragen. FOTO: TB

Konzert der Kettensägen

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Grünberg/Mücke(tb). Gemeinsam für mehr Verkehrssicherheit: Seit Wochenbeginn werden unter Regie der Staatlichen Forstämter Wettenberg und Schotten entlang der Landesstraße zwischen dem Lumdaer Kreuz und Weitershain Bäume gefällt. Der Abschnitt der L 3125 - sie bildet zugleich die Grenze zwischen den Forstrevieren Grünberg und Mücke - ist daher gesperrt, Auto- und Busfahrer müssen eine Umleitung über Bernsfeld in Kauf nehmen. Bis zum 18. Januar - voraussichtlich, sofern denn die Waldarbeiter wie geplant ihr Soll abarbeiten können, nicht etwa witterungsbedingte Zwangspausen einen Strich durch die Rechnung machen sollten.

An diesem neblig-windstillen Morgen ist davon keine Rede. Rege Betriebsamkeit bestimmt das Bild, das Konzert der Kettensägen erfüllt den Wald. Der Polder aus Buchenstämmen wächst zusehends, der Rückeschlepper bekommt kontinuierlich neue Ladung, denn Baum auf Baum wird gefällt, folgt mit lautem Krachen den Gesetzen der Schwerkraft oder wird - bei weniger mächtigen Stämmen - vom Harvester in die Waagerechte befördert.

Auf Grünberger Seite sind es vor allem Buchen, an die die Forstwirte Hand anlegen. Aus Gründen des Arbeitsschutzes, erklärt ein erfahrener Kollege, komme mehr und mehr Seilzugtechnik zum Einsatz. Wie zu sehen, wird dafür eine Stahltrosse in rund drei Metern Höhe um den Stamm gewunden, mit der Säge Fallkerbe und Fällschnitt gesetzt, dann ein kurzes Anziehen des Schleppers - "Baum fällt!".

In der Krone lauert die Gefahr

Wie der Waldarbeiter anfügt, verwende man vermehrt auch hydraulische Keile. Über Funk gesteuert, bringen die den Baum zum Fallen. Die klassische Methode, bei der per Hand der Keil eingeschlagen wird, ist heutzutage oft zu gefährlich. Was zumindest mittelbar auch eine Folge des Klimawandels, der zuletzt gar extremen Trockenheit ist: Bedingt durch den Wassermangel, bestätigt der Mücker Revierleiter Christoph Feußner, dauere es bei Buchen nur ein halbes bis ein Dreivierteljahr, bis die ersten Äste in der Krone abstürben. Durch die Erschütterung beim Einschlagen des Keils drohen diese herunterzufallen - werden zur Gefahr für Leib und Leben der Arbeiter. Wie Feußner gegenüber der GAZ ergänzt, seien die Buchen an der Straße nach Weitershain nicht sämtlich durch Trockenheit, Sonnenbrand und/oder Schädlingsbefall "abgängig", teilweise fälle man auch prophylaktisch. Der Aufwand für solcherart Maßnahmen zum Schutz der Autofahrer - etwa die Abstimmung mit Busbetreibern und Verkehrsbehörden - sei schließlich immens. Speziell auf Mücker Seite geht es einer anderen Baumart, der Esche, an den Kragen: Das von einem Pilz verursachte Triebsterben ist auch hier an den Kronen erkennbar, die als Folge von Nahrungs- und Wassermangel "verlichten", wie es der Förster nennt.

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