Auf dem Altenberg steht heute ein Aussichtsturm. An die Burganlage erinnern dort nur noch Wall und Graben im Wald. FOTO: SO
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Auf dem Altenberg steht heute ein Aussichtsturm. An die Burganlage erinnern dort nur noch Wall und Graben im Wald. FOTO: SO

Kontrollpunkt Altenberg

  • Rüdiger Soßdorf
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Burgsolms, Kraftsolms, Hohensolms - alles bekannte Orte. Ebenso etwa Laubach und Lich als Residenzen der Solmser heute. Aber Altensolms? Von der Burg ist heute kaum mehr etwas zu erkennen.

Sie waren schon richtige Cleverle, die Herren zu Solms. Als ihnen Kaiser Karl IV. um 1350 untersagte, die in Kämpfen zerstörte Burg auf dem Altenberg nahe Königsberg wieder aufzubauen, da errichteten sie eine neue Burg auf dem Ramsberg nur etwa zwei Kilometer weiter. Somit bewahrten sie sich die Möglichkeit, von dort, von der bis heute bekannten Burg Hohensolms aus, die nahe gelegenen Handelsstraßen zu überwachen. Die Ruine auf dem Altenberg verfiel derweil.

Rund 800 Burgen, Ruinen und ehemalige Standorte hat Rudolf Knappe in Hessen gezählt. Der profunde Kenner der einstigen Herrschersitze widmet Altensolms in seinem Standardwerk "Mittelalterliche Burgen in Hessen" nur dürre 17 Zeilen. Dabei ist die Burgstätte unweit von Königsberg in der Gemarkung von Hohenahr eines der frühen Zeugnisse der Solmser Herrschaft in der Region.

Die im 13. Jahrhundert in Burgsolms und dem heutigen Braunfels ansässigen Adligen hatten den Standort auf dem Altenberg mit Bedacht gewählt. Burg Altensolms, oder Alt-Hohensolms, wie die Anlage auch genannt wird, ist im 13. oder 14. Jahrhundert angelegt worden. In der Fachliteratur finden sich unterschiedliche Angaben: Da heißt es entweder "nach 1257" oder "um das Jahr 1321". Belegt ist jedoch die urkundliche Ersterwähnung im Jahr 1323.

"Die Burg diente der Sicherung der Interessen der Grafen von Solms-Burgsolms und Solms-Braunfels im nördlichen Teil ihrer Grafschaft gegen den Landgrafen von Hessen sowie die mit diesem verbündete Linie Solms-Königsberg", heißt es ganz nüchtern auf Wikipedia. Auch nicht viel mehr Info als bei Herrn Knappe.

Kontrolle der Handelsstraßen

Aber von der Burg aus konnten die Solmser beziehungweise deren Burgmannen den Handelsverkehr nördlich von Wetzlar kontrollieren. Denn dort trafen mehrere Ost-West- und Nord-Süd-Verbindungen zusammen, die Straße nach Herborn und die sogenannte Leipziger Straße. Wohl durchaus lukrativ: Die Geschichtsbücher berichten von Überfällen auf Kaufleute. Gerade aus der Freien Reichsstadt Wetzlar gab es mehrfach Klagen darüber. Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Folgezeit wurde die Burg 1328 erstmals erstürmt und 1349 endgültig zerstört. Damit war der Burg nur eine kurze Lebensdauer von einer, maximal zwei oder drei Generationen beschieden. Was folgte, war der Neubau der heutigen Burg Hohensolms auf dem Ramsberg.

Heute steht auf dem Altenberg noch ein mächtiger Aussichtsturm, der erst im 19. Jahrhundert entstanden ist. Kein mittelalterliches Relikt also, aber womöglich zu Teilen aus Steinen der ehemaligen Burganlage errichtet. Prinz Ferdinand von Solms-Hohensolms-Lich, so die Überlieferung, trug Sorge für den Turmbau an historischer Stelle.

Ob der Turm auf älteren Fundamenten steht, ist nicht abschließend geklärt. Wie gut befestigt Alt-Hohensolms aber war, das lässt sich auch heute noch erahnen, wenn man den Burgberg hinaufsteigt und den mächtigen Wall und den Graben überquert.

Heute gewährt der Turm auf der rund 442 Meter hohen Kuppe eine grandiose Rundumsicht: Zum Dünsberg ebenso wie nach Hohensolms. Bei klarem Wetter grüßen in der Ferne Taunus und Westerwald. Der Blick in den Vogelsberg wird freilich vom Dünsberg verstellt. Wobei selbst der Dünsberg nicht mehr so gut zu erkennen ist. Der Wald wächst in die Höhe. Die Natur holt sich selbst die schöne Aussicht zurück.

Gleichwohl lohnt sich ein Besuch des Altenbergs - etwa bei einer Wanderung: Ein wunderschöner Weg ist die sogenannte Zwei-Burgen-Tour, die die heutige Burg Hohensolms und den Altenberg verbindet. Start ist entweder in Hohensolms oder ebenfalls sehr bequem in Großaltenstädten am Schwimmbad.

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