Die laut Planer maßstabsgetreue Animation zeigt, wie die Windkraftanlagen im Licher Westen zu sehen sein werden. Nach den Anlagen auf dem Höhlerberg sollen zwei weitere Windräder auf Fernwalder Gemarkung dazukommen. ANIMATION: BIOPLAN
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Die laut Planer maßstabsgetreue Animation zeigt, wie die Windkraftanlagen im Licher Westen zu sehen sein werden. Nach den Anlagen auf dem Höhlerberg sollen zwei weitere Windräder auf Fernwalder Gemarkung dazukommen. ANIMATION: BIOPLAN

Konstruktive Debatten

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Auf dem Höhlerberg zwischen Lich und Fernwald sollen zwei Windkraftanlagen gebaut werden. Bei den Bürgergesprächen in Lich stand der Investor dazu Rede und Antwort.

Konstruktive Debatten statt wilder Diskussionen: Die Licher Bürgergespräche zum Thema Windpark Höhlerberg wurden sowohl von Gegnern als auch Befürwortern im Nachgang gelobt. "Das Format ist gut. Es hatten auch Nischenfragen eine Chance, die sonst von dominanteren Themen überdeckt werden", sagte Bürgermeister Julien Neubert.

Konkret ging es um den geplanten Windpark auf dem Höhlerberg zwischen Lich, Fernwald und Pohlheim. Zwei Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von 163 Metern und einer Flügellänge von 81,50 Metern will ein Investor dort errichten, eine davon auf Licher Gemarkung. Eigentlich sieht der Gesetzgeber bei zwei Anlagen keine öffentliche Beteiligung vor, sagte Neubert. Er freute sich, dass Projektleiter Dr. Martin Demmeler von Green City Renewables dennoch Rede und Antwort stand.

Große CO2-Einsparung

Demmeler berichtete, dass bereits seit 2011 die Planung für einen Windpark in Lich laufe. 2015 sei der Pachtvertrag für das Areal auf dem Höhlerberg geschlossen worden. Zwei akkreditierte unabhängige Büros hatten 15 Monate lang den Wind gemessen. Nun laufe das Genehmigungsverfahren. Beide Anlagen sollen zusammen 5,7 Megawatt Strom produzieren. Demmeler glaubt nicht, dass sich vor 2023 ein Windrad drehen wird.

Für den Aufbau der Anlagen würden 2,5 Hektar Wald gerodet. Bei der Wahl der Aufstellflächen habe man darauf geachtet, dass ein wertvoller Eichenbestand unangetastet bleibe. Zudem seien ökologische Ausgleichsmaßnahmen geplant.

"Windenergie hat die höchste Flächeneffizienz beim Klimaschutz", warb Demmeler für die Technik. Eine Anlage würde das 620-fache an Kohlendioxid (CO2) von dem einsparen, was die für den Bau gerodeten Bäume gebunden hätten. Zudem seien bei der Windkraft die Kosten des Rückbaus und der Entsorgung geklärt. "Das ist bei der Atomkraft nicht gewährleistet." Für die Atommülllagerung müssten künftige Generationen weiter bezahlen, ohne je davon profitiert zu haben.

Der Projektleiter hielt fest, dass man die Anlagen sehen werde. "Jedoch nicht in der Altstadt, da ist die Bebauung zu dicht." Im Westen Lichs seien die Anlagen jedoch sichtbar.

Neubert erinnerte daran, dass Lich keinen finanziellen Vorteil durch die Windkraftanlage habe, da diese auf privatem Boden stehen wird. Die Stadt könne auch keine Genehmigung erteilen oder verhindern, sondern nur eine Stellungnahme abgeben.

Generell stehe man der Technik positiv gegenüber, da sie einen großen Beitrag zum Klimaschutz leiste, sagte Neubert. Die beiden geplanten Anlagen auf dem Höhlerberg würden ausreichen, um 16 000 Einwohner mit Strom zu versorgen - also mehr, als Lich hat. Damit ließe sich das Ziel der Kommune erreichen, den Kohlendioxidausstoß der Stadt von 52 150 Tonnen im Jahr 1990 auf 2600 Tonnen pro Jahr in 2050 zu reduzieren.

Einvernehmen mit dem Investor bestünde aber noch nicht, betonte der Bürgermeister. Unter anderem sieht er Probleme bei der Beachtung zukünftiger Siedlungsflächen sowie des vorhandenen Lärms durch die Autobahn.

Die Bürgergespräche waren eine Notlösung. Aufgrund von Covid-19 schied eine klassische Bürgerversammlung mit mehreren Hundert Besuchern aus. Für die Gespräche konnten sich hingegen interessierte Bürger anmelden, jeweils eine halbe Stunde lang das Projekt vorstellen lassen und anschließend ihre Fragen stellen. Rund 30 Bürger hatten sich dafür angemeldet - eine doch recht überschaubare Resonanz.

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