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"Mädchen-Power": Zum Abschluss der Aktionstage ziehen die 80 Teilnehmerinnen durch Lollar.

Was können Mädchen? "Alles"

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Die Herbstferien neigen sich dem Ende zu. Das bedeutet, dass auch die 22. Mädchenaktionstage vorbei sind. Diesmal fanden sie in der CBES in Lollar statt. Die Girls Parade gestern hat gezeigt, was Mädchen bewegt.

Die Zeilen, die Jugendbildungsreferentin Julia Erb vorlas, waren deutlich: "Mädchen können alles schaffen. Mädchen können die Welt verändern." Jener Text war nur einer von etlichen Wünschen, die die Teilnehmerinnen der Mädchenaktionstage auf Karten geschrieben und an Luftballons befestigt hatten. Auf dem Schulhof der Clemens-Bretano-Europaschule in Lollar ließen sie die bunten Ballons gestern steigen.

Ihre Wünschen sollen Mutmacher für andere Mädchen sein. "Mädchen-Power" riefen sie und demonstrierten anschließend durch Lollar. 80 Mädchen, die meisten zwischen elf und 15 Jahren. Sie hielten selbst gebastelte Plakate hoch. Im Grunde ging es um Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. Dass sie dabei zu Popmusik tanzten, schmälerte den ernsten Gedanken dahinter nicht.

Die sogenannte Girls Parade war der Abschluss der dreitägigen Mädchenaktionstage, organisiert vom Facharbeitskreis für Mädchenarbeit des Landkreises Gießen. Mädchen ab elf Jahren konnten sich dabei in verschiedenen Workshops ausprobieren, zudem übernachteten sie gemeinsam in der Schule. Besonders förderlich für das offene und harmonische Klima war, dass die Mädchen unter sich waren, sagt Nicole Roth, Sprecherin des Arbeitskreises und Fachkraft an der Gallusschule in Grünberg. "Sie können sich in dieser Umgebung wesentlich freier entfalten und sie selbst sein", sagt Roth. Wie das genau aussieht, zeigte sich bei einem Ortsbesuch am Donnerstag.

Blumiger Geruch steigt beim Betreten der Schule in die Nase, auch eine Note von Kokosnuss liegt in der Luft. Der Naturkosmetik-Workshop setzt sozusagen eine Duftmarke. Die Mädchen stellen mit natürlichen Zutaten wohlriechende Seifen, Peelings und andere Kosmetik her. Drei Teilnehmerinnen sind gerade dabei, einen eigenen Lippenbalsam anzurühren. "Wir lernen hier so viel Neues dazu", sagt Emma Sohn (12) aus Gonterskirchen. Ihr gefalle, wie viel sie aus dem Workshop mitnehme.

In einem anderen Gebäudeabschnitt riecht es nach Holz und Lack, eine Kreissäge sorgt für ordentlich Lärm. In der Kreativwerkstatt "Stühle App" gestalten die Mädchen alte Stühle nach ihren Vorstellungen neu. Jana Krüger ist gerade dabei rote Farbe auf ihren Stuhl aufzutragen. Danach möchte sie einen schwarzen Löwen auf die Rückseite brennen. Die Vierzehnjährige ist bereits zum zweiten Mal bei den Mädchenaktionstagen dabei. "Am liebsten hätte ich bei allen Angeboten mitgemacht", sagt sie.

Bei der vielfältigen Auswahl ist das nicht verwunderlich. Zwischen 15 Workshops konnten sich die Mädchen in diesem Jahr entscheiden. Neben kreativen Angeboten, wie Nähen, Basteln oder dem Drehen einer eigenen "Mockumentary", also einer Dokumentation, die eine erfundene Geschichte erzählt, können sich die Mädchen auch beim Sport ausprobieren, Klettern Fußballspielen oder auch Tanzen stehen auf dem Programm.

Überhaupt ist ausprobieren ein wichtiges Stichwort, wenn es um die Mädchenaktionstage geht. Ein Ziel des Angebots ist es, den Mädchen zu ermöglichen, ihren Horizont zu erweitern und sich an Sachen heranzutrauen, die für gewöhnlich eher mit Jungs in Verbindung gebracht werden. Expertin Roth sieht darin auch die Möglichkeit, dass die Teilnehmerinnen sich so für die spätere Berufswahl mehr öffnen. Irgendwann einen handwerklichen Beruf zu erlernen erscheine vielen gar nicht mehr so abwegig, nachdem sie sich in den Workshops ausprobiert haben. "Wir wollen die Mädchen hier generell in einem geschützten Umfeld stärken", sagt Roth.

Das neu gewonnene Selbstvertrauen zeigte sich auch am Freitag auf der Girls-Parade. Einer der Schlachtrufe, mit denen die Mädchen durch Lollar zogen, lautete: "Was können Mädchen? Alles!"

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