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Tote Bäume hinter, Nachpflanzung vor sich: Waldarbeitereinsatz im Ruheforst.

Klimawandel als Preistreiber

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Laubach (tb). Erstmals seit 2016 erhöht die Stadt Laubach wieder die Entgelte für ihre beiden Bestattungswälder. Abgesehen von der allgemeinen Teuerung gleicht man damit den Mehraufwand für Pflege und Erhalt aus. Denn nicht anders als anderswo leidet auch der Laubacher Wald unter der immensen Trockenheit seit 2018.

Baumkletterer im Einsatz

Allein im Ruheforst Vogelsberg, mit dem die Ostkreiskommune vor 13 Jahren die Vorreiterschaft im Gießener Land übernahm, mussten zuletzt elf große Buchen gefällt werden. In einem Bestattungswald bedarf es da natürlich erhöhter Vorsicht: Um die »Ruhebiotope«, wie die Grabstellen hier heißen, nicht zu beschädigen, kappen Baumkletterer zunächst Äste und Stamm in den oberen Gefilden. Am Ende ist nurmehr ein drei Meter großer Reststamm zu fällen. Wie vertraglich zugesichert, werden hernach umgehend Ersatzpflanzungen ausgeführt. Was ebenso Mehrkosten verursacht: Totholz in den Kronen. Eine Gefahr für Trauergäste wie alle Waldbesucher, deren Zahl in einem Ruheforst erheblich höher liegt. Da ihr die Verkehrssicherungspflicht obliegt, muss die Stadt die abgestorbenen Äste beseitigen lassen.

Beim Ortstermin braucht Michael Köppen nicht lange zu suchen, um Beispiele für diese Misere zu finden. Zu erkennen sei diese an Auslichtungen der Kronen, sagt der Laubacher. Als Prokurist der städtischen Service-GmbH trägt er Verantwortung für die Bestattungswälder. Und muss hinnehmen, dass dieses Schadensbild immer häufiger auftritt. Zum Glück beschränkt es sich bisher auf den 2008 eröffneten und längst ausgebuchten Ruheforst Vogelsberg. Wegen der Kuppenlage steht hier bereits in zwei Metern Basalt an, die Wurzeln können daher nicht in tiefere wasserführende Schichten gelangen.

Im Buchwald sieht es besser aus. Wegen der hohen Nachfrage war der 2014 hinzugekommen - und musste schon einmal erweitert werden. Das steht jetzt aufs Neue an, ist doch schon wieder ein großer Teil der Ruhebiotope verkauft. Ist denn überhaupt noch Platz? Köppen kann da beruhigen: »Wir hatten uns darauf eingestellt. Zur Verfügung stehen hier 30 Hektar, bewirtschaftet sind gerade mal sieben.«

Die Entscheidung Mitte der Nullerjahre, diese alternative Bestattungsform anzubieten, war offensichtlich richtig. Bis dato fanden insgesamt schon über 3000 Beisetzungen statt, allein im letzten Jahr waren es rund 300. Nach Abzug des 25- Prozent-Anteils an den Vermarkter Ruheforst GmbH und 12,5 Prozent an die Stadtwaldstiftung als Eignerin der Flächen macht die Kommune rund 100 000 Euro gut - jährlich.

Jedes Ruhebiotop besteht aus zwölf Grabstellen, platziert rund um den Baum. »Wie auf einem Ziffernblatt«, sagt Köppen. Der Kunde kann sich aussuchen, ob die Urne im Norden auf 12 Uhr oder doch lieber im Osten auf 3 Uhr in die Erde kommt. Die Preise richten sich danach, ob es sich um ein »exklusives« Familien- und Freundschafts- oder ein Gemeinschaftsbiotop handelt, das für andere offen ist. Eine Rolle spielt ferner die Wertigkeit der Beisetzungsortes: Eine mächtige alte Buche kommt teurer als ein Nachwuchsbaum, was zugleich dem entgangenen Verkaufserlös entspricht.

Gemäß der jüngst vom Stadtparlament beschlossenen neuen Entgeltordnung verteuert sich etwa die Einzelgrabstelle der Wertungsstufe 1 im Gemeinschaftsbiotop von 620 auf 650 bzw. von 1150 auf 1200 Euro in der Stufe 3. Ein Familienbiotop kostet statt 3250 nun 3500 Euro in der Stufe 1, statt 5700 nun 6000 Euro in der Stufe 3. Eine Beisetzung im Reihenbiotop - hier trifft die Verwaltung die Auswahl - verteuert sich um 21 auf 520. Schließlich: Die Gebühr fürs Öffnen und Schließen der Grabstelle steigt um 30 auf 260 Euro.

Unberührt bis 2143

Die Bestattungswälder werden 99 Jahre nicht bewirtschaftet; die 30 Jahre Ruhefrist noch hinzugerechnet, bleibt also der Buchwald bis zum Jahr 2143 unberührt - sofern denn nicht Kalamitäten wie Trocknis, Borkenkäfer oder Sturm dazwischenkommen.

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