Klimaschutz im Fokus

  • Jonas Wissner
    VonJonas Wissner
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Energetische Sanierungen und Windkraft - das sind zwei von vielen Hebeln, um die Klimabilanz zu verbessern. Beides war nun Thema im Staufenberger Parlament. Auch zum maroden Lollarer Hallenbad-Dach gab es Neuigkeiten.

Klimawandel und Klimaschutz waren im jüngsten Wahlkampf als Schlagworte allgegenwärtig. Um die Erderwärmung drastisch zu reduzieren, sind auch Kommunen gefragt. Die Staufenberger Stadtverordneten haben sich am Dienstag auch mit zwei Projekten beschäftigt, die dazu - zumindest indirekt - einen Beitrag leisten können.

Zunächst ging es um eine »aufsuchende Energieberatung«, die die Landesenergieagentur (LEA) anbietet und die sich an Hauseigentümer richtet. Unter allen Energieverbräuchen machten in Hessen Privathaushalte den zweithöchsten Anteil aus, informierte Till Schuh, der als Projektmanager der Kampagne zu Gast war. »Da kann man mit Sanierung viel tun«, so Schuh. Das Land wolle die Quote der energetischen Sanierungen deutlich steigern. Nach einem Testlauf sei geplant, 2021 in einer »Rollout-Phase« bis zu 15 lokale Beratungskampagnen zu starten. Staufenberg wäre im Falle der Teilnahme ein Vorreiter in Mittelhessen.

Kern des Konzepts: Von der LEA zertifizierte Energieberater bieten in einem festgelegten Gebiet (Quartiere mit circa 400 Häusern) für Eigentümer kostenlose, etwa einstündige Beratungen vor Ort an, um Potenziale zu ermitteln. Im Fokus stehen laut Schuh »Ein- und Zweifamilienhäuser mit hohem Sanierungsbedarf«. Bei 100 Beratungen betrage der Kostenanteil der LEA etwa 10 000 Euro, jener der Stadt rund 1500 Euro. Die Vorteile lägen etwa darin, dass das Angebot »sehr individuell« und niederschwellig sei. Erfolge anschließend eine Sanierung, biete dies eine größere Unabhängigkeit von Strompreisen und sei auch ein Beitrag gegen den Klimawandel.

Manfred Hein (FW) gab zu bedenken, die Beratung sei eine »gute Sache« - doch es sei die Frage, wie viele Hausbesitzer sich eine Sanierung leisten könnten. Schuh: »Sanierungsmaßnahmen können teuer sein, das stimmt«, die Förderkulisse sei zurzeit aber günstig. Zudem könnten auch überschaubare Änderungen wie die Dämmung von Dachgeschossen einen erheblichen Effekt haben. Auf Nachfrage räumte der Referent ein, dass der Landesanteil bei etwa 10 000 Euro gedeckelt sei - lasse sich also mehr als ein Viertel der Hausbesitzer im Gebiet beraten, müsse die Stadt dies finanzieren.

Kommune kann Gebiet festlegen

Wie das Areal für die Beratung zugeschnitten werde, müsse die Kommune entscheiden. Eine Aufteilung auf mehrere Stadtteile sei möglich. Jedoch stelle sich regelmäßig ein »Nachbarschaftseffekt« ein, der das Interesse erhöhe, was für ein zusammenhängendes Beratungsgebiet spreche.

Der Magistrat hatte im Juni für die Kampagne votiert, das Parlament müsste für die Umsetzung aber noch Haushaltsmittel für 2022 bewilligen. Am Dienstag nahmen die Stadtverordneten den Vortrag interessiert zur Kenntnis, ein Beschluss erfolgte nicht.

Außerdem war der geplante »Windpark Lumdatal« mit drei Anlagen im Stadtwald Thema. Bürgermeister Peter Gefeller informierte, dass dafür ab Oktober Flächen gerodet würden, die Inbetriebnahme sei für kommenden Sommer geplant. Voraussichtlich ab Anfang 2022 könnten auch Bürger über die Energiegenossenschaft Sonnenland Anteile zeichnen. »Unser Ziel ist, sechs Prozent Rendite anbieten zu können«, so Gefeller. Er brachte zudem eine Vorlage ein, die über den Effekt der Windräder auf die Stromgewinnung durch erneuerbare Energien in der Stadt informiert. Allein durch die drei Anlagen könne der jährliche Stromverbrauch in Staufenberg (rund 25 000 Megawattstunden) um das 1,6-fache gedeckt werden - allerdings sei die Speicherung des Stroms technisch noch problematisch.

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