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Rodheim von Westen her gesehen, quasi am Fuße des Vetzbergs. Das Dorf wird geprägt von der Gießener Straße.

Kleinode links und rechts der Straße

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Rodheim ist die größere Hälfte des Doppeldorfes Rodheim-Bieber. Und zugleich der zentrale Ort der Großgemeinde Biebertal. Seine Schönheiten erschließen sich manchmal erst auf den zweiten Blick, links und rechts der Straße. Und Blutegel tragen seinen Namen hinaus in die Welt.

Ganz gleich, ob man sich Rodheim von Gießen oder von Fellingshausen her nähert und durch das Dorf fährt: Dominant ist die Straße, die den Ort durchzieht. Die eine Achse ist die Gießener Straße, die dann zur Fellingshäuser Straße wird, die andere Achse ist die Vetzberger Straße. Das alte Rodheim gruppiert sich um die Kirche - aber Rodheim hat etwa keinen alten Marktplatz. Das prägt das Dorfbild. Es war einst ein Segen, an der Chaussee zu liegen. Heute bereitet der Verkehr eher Kummer. Ein Straßendorf eben. Mit der Bebauung des sogenannten Schindwasens an der Gießener Straße wurde vor rund einer Generation der Versuch unternommen, dort ein Ortszentrum zu schaffen. Das hat dem Dorf, so zeigt es die Entwicklung, letztlich gutgetan. Doch ein Straßendorf ist es geblieben.

Einst im Altkreis Wetzlar gelegen

Die schönen Ecken, und davon hat Rodheim etliche zu bieten, liegen links und rechts davon, erschließen sich manchmal erst auf den zweiten Blick. Doch dazu später mehr. Das Dorf ist das Herzstück der im Zuge der Gebietsreform vor mehr als 40 Jahren zusammengefügten Großgemeinde Biebertal, übernimmt in vielfältiger Weise eine Zentralfunktion. Da ist der Sitz der Gemeindeverwaltung. Da gibt es eine Tankstelle (bis vor einigen Monaten waren es noch zwei). Rodheim war bis vor rund zehn Jahren Standort einer Gesamtschule, die dann mit der Wettenbergschule nahe Launsbach zur Gesamtschule Gleiberger Land fusionierte. Geblieben sind Grundschule und Georg-Kerschensteiner-Schule, eine Einrichtung für Lernhilfe. Und eben das große Gebäude. Das dient in den kommenden Jahren in Teilen der Kreisberufsschule als Ausweichquartier, wenn die Liegenschaften der Willy-Brandt-Schule in Gießen modernisiert werden.

Dass die Gesamtschule Biebertal nicht mehr existiert, das ist letztlich auch der Lage geschuldet: Man wohnt zwar auf dem Dorf, aber Gießen ist nah. Und so war die Sogwirkung der Gießener Schulen stets stark. Letztlich zu stark.

Rodheim ist zudem ein "Doppeldorf", bildet eine Gemeinschaft mit Bieber. Man teilt sich einen Ortsbeirat; das Schwimmbad liegt in der Mitte. Doch daneben achten Rodheimer wie Bieberer darauf, ihre lokale Identität im Vereinsleben, in den Kirchengemeinden etc. zu bewahren.

In Rodheim gibt es nach wie vor funktionierenden Einzelhandel. So gibt es gleich zwei Supermärkte, Rewe liegt am Ortseingang von Heuchelheim her kommend. Seit wenigen Wochen gibt es zudem einen neuen Edeka am andere Ende des Dorfs, Richtung Fellingshausen. Neubauten der vergangenen Jahre zulasten der lebendigen innerörtlichen Geschäftswelt, geschuldet dem noch immer wachsenden automobilen Individualverkehr. Dennoch ist manches mitten im Dorf geblieben. Neben vielem anderen Bäckereien, Friseur, Optiker, Apotheken, eine Blutegelzucht, Volksbank Heuchelheim und Sparkasse Wetzlar.

Wetzlar? Klar doch: Rodheim gehörte einst zum Altkreis Wetzlar; die Menschen lasen die Wetzlarer Neue Zeitung, arbeiteten bei Hensold, Leitz und Röchling. Diese alten Verbindungen haben sich nach der Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre abschwächt. Seit knapp zwei Generationen gehört das Dorf wie die Großgemeinde Biebertal zum Kreis Gießen. Aber so ganz vergessen sind diese Strukturen noch nicht.

Und die angesprochenen schönen Ecken? Da ist etwa das Hofgut Schmitte, das über viele Jahre in einer Art Dornröschenschlaf dahindämmerte. Jetzt haben Investoren Pläne aufgelegt, dort Hotel und Gastronomie einzurichten.

Auch der Gail’sche Park samt Villa ist ein solches Schmuckstück. Die Gemeinde griff damals zu, als die Eigentümerfamilie verkaufen wollte und gab das wunderschöne Areal vor ein paar Jahren an einen Unternehmer weiter, der dort heute wohnt. Sichergestellt ist aber, dass der herrliche Landschaftsgarten aus dem 19. Jahrhundert auch künftig der Öffentlichkeit zugänglich bleibt.

Nicht zu vergessen solche Kleinode wie das Heimatmuseum, das von einem Verein mit wechselnden Ausstellungen und Veranstaltungen mit Leben gefüllt wird. Oder die alte Schule, die sich zu einem Haus der Begegnung entwickelt hat. Tagespflege, die Kindertagesstätte Sternschnuppe und etliche andere mehr fühlen sich dort heimisch und bereichern das Dorfleben. Zudem gibt es als prägendes Element eine starke, engagierte evangelische Kirchengemeinde, die sich vielfältig einbringt.

Eine Besonderheit im Dorf: die Blutegelzucht. Die Tierchen gehen von dort, von einer ehemaligen Gärtnerei aus, zu medizinischen Zwecken in alle Welt - und dürfen nach getaner therapeutischer Arbeit auch wieder zurückkommen und in einem Rentnerbecken ihren Ruhestand genießen. Wo auf der Welt gibt es so etwas sonst noch?

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