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Auf dem Weg nach Athen (v. l.): Theaterprobe mit Patrouillenführer (Patrick Dörrhöfer), Teiresias (Florian Fay), Ödipus (Maximilian Weiß) und Antigone (Kristina Weiß).

Ein Klassiker wird entstaubt

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Von wegen alt und verstaubt: Dass die griechische Tragödie "Antigone" von Sophokles alles andere als ein antiker Schinken ist, zeigt das Theater Traumstern nach zweijähriger Pause nun mit seiner neuesten Produktion. Am 20. September feiert die Gruppe Premiere im Hungener Schlosshof.

Darsteller und Regisseur wünschen sich vor allem viele junge Zuschauer. Denn ihre Version von "Antigone" ist keineswegs langweilig oder altmodisch - auch wenn Sophokles seine Tragödie bereits 442 vor Christus in Athen erstmals aufführen ließ. Die Theater-Traumstern-Truppe um dessen Gründer Daniel Komma und Sebastian Hartings verleiht ihr ein neues Gewand und stützt sich dabei hauptsächlich auf die Version des Klavierkabarettisten Bodo Wartke, der das Stück mit Rap-Einlagen und cleverem Wortwitz auf die Bühne bringt.

In den insgesamt 19 Szenen schlüpfen die drei Hauptdarsteller Kristina und Maximilian Weiß sowie Florian Fay in 20 Rollen. Sie schreien und flirten, kämpfen und singen. "Das besondere ist, dass die Lieder eingängig sind und schnell ins Ohr gehen", sagt Patrick Dörrhöfer, der ebenfalls in einige Rollen schlüpft, aber sich hauptsächlich am Piano um die Musik kümmert. Seine Begeisterung und Erfahrung im Klavierkabarett brachte auch alle anderen dazu, Wartke zu mögen. So spielten sie bereits 2016 dessen "König Ödipus(sy)". Als Theater-Traum-stern-Regisseur Komma Wartke dann im März live in Fulda sah und am Ausgang dessen "Antigone"-Manuskript lag, nahm er es sofort mit. Anfang April begannen schon die Proben. Nun hoffen die Darsteller, dass sie auch andere für den Stoff begeistern können.

Dabei stecken sie beispielsweise bei Ausstattung und Bühnenbild bewusst zurück. "Weniger ist oft mehr", sagt Regisseur Komma. "Fünf Hocker, nicht mal 20 Requisiten - das reicht." Denn schließlich lebe das Stück von der Geschwindigkeit, mit der sie die tragische Geschichte von Antigone, der Tochter des Ödipus, erzählen: Deren Brüder Polyneikes und Eteokles haben sich im Kampf um den Thron der Stadt Theben gegenseitig getötet. Ihr Onkel, König Kreon, verbietet per Gesetz die Bestattung von Polyneikes, der für den Angriff auf Theben verantwortlich war. Doch Antigone sieht sich dazu verpflichtet, ihren Bruder ehrwürdig zu begraben. Antigone widersetzt sich Kreon und wird von ihm zum Tode verurteilt...

Bezug zu Spider-Man und Star Wars

"Im zweiten Teil versuchen wir, der Tragödie gerecht zu werden", verrät Komma. Hingegen sei der erste Teil schon sehr komödiantisch. Und es wird beileibe nicht holprig. Denn sprachlich betrachtet hat die Version nur noch wenig mit den Originalzitaten von Sophokles zu tun. Wartke hat die Reime so modernisiert, dass sie für jedermann verständlich sind. Dabei bezieht er sich auch ohne Scheu auf Spider-Man und Schiller, lässt Filmzitate und Elvis-Songtexte genauso wie Star-Wars-Zitate und das Vaterunser in die Zeilen einfließen und garniert es mit politischen Bezügen.

"Also warum machen wir sowas vermeintlich Altes und Verstaubtes?", fragt Komma und gibt die Antwort gleich selbst: "Wir bringen das Stück ›Antigone‹ auch auf die Bühne, um es zu entstauben und an ein junges Publikum heranzubringen. Und wir wollen zeigen, dass das, was sich Sophokles vor über 2400 Jahren ausgedacht hat, immer noch eine Rolle spielt." Darsteller Maximilian Weiß ergänzt: "Es ist einer der einflussreichsten Klassiker der Antike, der heute noch zeigen kann, wie wichtig Demokratie und die Würde des Menschen sind."

So können die Zuschauer gewiss sein, dass es aktuelle Bezüge bei "Antigone" zu finden gibt - gerade dann, wenn es um Autorität und die Freiheit des Einzelnen geht. Am meisten würden sich die Darsteller deshalb freuen, wenn es wieder ähnliche Reaktion gibt, wie damals 2007 bei der zweiten Produktion des Theater Traumstern: Bei Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" hatte ein Zuschauer am Ende der Vorstellung gesagt, dass er in der Schule nichts mit dem Stück anfangen konnte - das Theater aber habe ihm einen ganz neuen Zugang eröffnet.

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