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»Klare Perspektive«

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Seit Längerem, spätestens seit der heißen Wahlkampfphase, schwelt die Diskussion um die Zukunft des Jugendgästehauses, betrieben vom Verein »TokoLive«. Erwähnt sei zunächst die Kritik der BfL, die von einem »Geldempfangsunternehmen« sprachen.

Aktuell aufs Tapet gebracht wurde das Thema von der SPD. Per Fraktionsantrag mochte man Bürgermeister Peter Klug auffordern, darauf hinzuwirken, dass das Gästehaus nicht auf 30 Jahre an »TokoLive« vermietet wird. Als Vorsitzender des Trägervereins Hessisches Wassersportzentrum, zugleich Vermieter, sei Klug die richtige Adresse. Für SPD-Chef Hartmut Roeschen wäre die Festlegung auf 30 Jahre nicht im Interesse der Stadt: »Was ist, wenn wir oder unsere Nachfolger dort eine Kita hinein verlegen wollen? Was, wenn ein Pflegedienst eine Seniorenresidenz einrichten möchte, zu besseren Ver-Mietbedingungen als jetzt?« Obwohl der Trägerverein einen Großteil der Pacht einnehme, so weiter Roeschen, zahle die Stadt hohe Summen für die Unterhaltung eines Hauses, von dem die Bürger »so gut wie nichts haben«.

Der SPD-Antrag stand am Montag auf der Tagesordnung des Notausschussses. Doch wurde er von der FW/CDU-Mehrheit abgesetzt, da erledigt: Klug ließ das »Ersatzparlament« wissen, Jochen Bantz als Geschäftsführer des Gästehauses habe den Antrag zurückgezogen. Das Thema dürfte somit auf die neue Legislatur vertagt sein.

Gemäß Erbbauvertrag, so Klug jüngst bei der Beratung einer Brandschutzmaßnahme, sei die Stadt zur Gebäudeunterhaltung verpflichtet. Und könne froh sein, mit TokoLive einen seriösen Pächter gefunden zu haben. »Alternative wären die Hells Angels oder ein Bordell gewesen.«

Pächter stellt Investitionen zurück

»Es geht um Planungssicherheit«, begründete auf Anfrage Bantz seinen Antrag, den unbefristeten, aber mit einer nur einjährigen Kündigungsfrist versehenen Vertrag zu ändern. Immerhin wolle man 150 000 Euro in die Hand nehmen, dafür die Zimmer neu gestalten, in eine Außengastronomie investieren, auf der Terrasse eine Markise installieren. All das wurde mangels klarer Perspektive fürs Erste storniert. Wie er dann unterstrich, sei das Gros der Unterhaltungsarbeiten gar nicht von der Stadt getragen worden. Die 300 000 Euro fürs neue Dach stammten so von Bund und Land (KIP-Mittel). Was aber ist mit den Ausgaben der Stadt für den Brandschutz, veranschlagt mit insgesamt 84 000 Euro? Bantz verwies hier auf das anfangs nicht regelkonforme, für viel zu wenige Betten (60 statt zunächst 120, jetzt 90) ausgelegte Konzept. Dass TokoLive in die neue Heizung und PV-Anlage investiert habe, fügte er hinzu.

Und von wegen Laubach »hat so gut wie nichts« davon: 2019 habe man mit rund 10 000 ein Fünftel der Gästeübernachtungen in Laubach generiert. In Sachen »Kita-Option« verweist Bantz am Ende darauf, dass das Land 2007 seinen 350 000-Euro-Zuschuss für die Sanierung daran gebunden habe, dass dass Hessische Wassersportzentrum mindestens 25 Jahre betrieben wird.

Zur Erinnerung: Vor 20 Jahren gingen in der Jugendherberge aus den 50ern die Lichter aus, übernahm die Stadt vom Kreis das Gebäude in Erbpacht. 2007 ward mit der Unterverpachtung an den Trägerverein des Wassersportzentrums eine langfristige Lösung gefunden. Zurvor war das Anwesen für rund 1,2 Millionen Euro - je ein Drittel steuerten Land, Kreis und Stadt bei - saniert worden. Der erste Betreiber wurde 2013 wegen Mietrückständen geschasst, seit 2015 ist TokoLive am Start. Ein Verein, der v. a. Freizeiten für Kinder mit AD(H)S, Asperger, Hochbegabung und deren Angehörige veranstaltet. tb/FOTO: TB

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