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Von Klangmassage bis 3-D-Druck

  • vonLena Karber
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Pünktlich zum Start des Herbstprogramms ist der Umbau der Volkshochschule in Lich abgeschlossen. Das Gebäude bietet beste Bedingungen zum Lernen - nicht nur in Corona-Zeiten. Etwa 400 Angebote, einige auch digital, wurden auf die Beine gestellt.

Wenn man sich das neue Gebäude der Kreisvolkshochschule (KVHS) des Landkreises anschaut, könnte man meinen, die Verantwortlichen hätten bei der Planung bereits von Corona gewusst: Eine leistungsstarke Lüftungsanlage soll durch die Zufuhr von Außenluft für einen "hygienisch gesunden" Luftwechsel sorgen, jeder Raum ist einzeln über eine Terrasse zugänglich, und auf dem Gelände befinden sich zahlreiche Lernorte im Freien. "Man könnte sagen, es wurde genau zum richtigen Zeitpunkt saniert", sagte Landrätin Anita Schneider bei der Vorstellung des neuen Kursprogramms: "Die Eröffnung spielt uns in die Karten."

Für 5,65 Millionen Euro ist das Gebäude der Volkshochschule in Lich seit Oktober 2018 energetisch saniert und umgebaut worden. 3,15 Millionen Euro stammten aus dem Kommunalen Investitionsprogramm des Bundes, die restlichen 2,5 Millionen Euro zahlte der Landkreis. Nachdem der Verwaltungstrakt im März fertiggestellt worden war, folgte trotz coronabedingter Verzögerungen im Juni auch der Seminartrakt. Pünktlich zum Start des neuen Semesters ist das Gebäude der Kreisvolkshochschule also einsatzbereit.

"In den vergangenen Monaten wurden verschiedene Formate ausprobiert, und es konnte sogar ein neuer Kundenkreis gewonnen werden", berichtete Schneider über die Situation der KVHS während des Lockdowns. Gerade junge Leute seien durch die zahlreichen Online-Angebote angesprochen worden. Andererseits, das betonten die Programmbereichleiterinnen Gesundheit sowie Sprachen und Integration, Martina Kuhn und Dr. Iris Korte-Klimach, sei es keinesfalls so, dass ältere Menschen per se nicht mit Online-Angeboten klarkämen. "Viele haben sich richtig reingefuchst", berichtete Kuhn. Menschen jenseits der 70 beim virtuellen Yoga und ein 90-Jähriger im Online-Schwedischkurs. Korte-Klimmbach und Kuhn jedenfalls sind sich einig: Corona hat nicht nur bei den Dozenten, sondern auch bei den Teilnehmern die digitalen Kompetenzen geschult.

Sprachreisen vom Computer aus

Andererseits gibt es nach wie vor auch ein großes Verlangen nach Präsenzveranstaltungen. "Volkshochschule ist mehr als stures Lernen", sagte Schneider. Es gehe auch um Bildungsaustausch, das Zusammenkommen und die Beschäftigung mit gesellschaftlichen Themen. Deswegen ist das Herbstprogramm der KVHS ein Mix aus digitalen Formaten und Präsenzveranstaltungen.

Insgesamt haben die Verantwortlichen unter dem Motto "krisenfest werden, neugierig bleiben…" knapp 400 Bildungsangebote auf die Beine gestellt. Von einem Livestream zum Thema globale Infektionskrankheiten über einen "sagenhaften Spaziergang", die Beschäftigung mit politischen Songtexten, intuitives Bogenschießen, einen Einführungsabend in die Welt der Klangmassagen, Sporteinheiten oder Meditations- und Entspannungsübungen bis hin zu Finanzbuchführung, 3-D-Druck und Weiterbildungen für Ehrenamtliche ist alles dabei.

Zudem gibt es spezielle Angebote für Menschen mit Einschränkungen - etwa einen Kochkurs für Gehörlose. Prinzipiell soll jedoch jedem die Teilnahme an allen Kursen ermöglicht werden, betonte Eric Mootz, der sich um die Themen Inklusion und Barrierefreiheit kümmert. Für Letztere wurde auch im Rahmen des Umbaus gesorgt: Das gesamte Gebäude ist nun barrierefrei zugänglich.

Im Herbst können an der KVHS 16 verschiedene Sprachen erlernt werden. Dabei umfasst das Angebot neben klassischen Sprachkursen auch ungewöhnliche Varianten - etwa virtuelle Sprachreisen nach Havanna oder nach Schweden, bei denen die Teilnehmer mit Musik, kurzen Filmen und interaktiven Aufgaben auch abseits der Sprache eine Menge lernen dürften. Oder einen Kurs, in dem Krimi-Fans auf Spanisch einen Mordfall lösen können.

Laut KVHS-Leiter Torsten Denker findet das Programm Anklang: Bei mindestens 20 bis 30 Anmeldungen täglich könne es allerdings vorkommen, dass der Wunsch-Kurs bereits ausgebucht ist, sagt er. Die KVHS versuche dann, einen weiteren Kurs anzubieten, aber das funktioniere nicht immer. Denn neben einer Maskenpflicht innerhalb des Gebäudes (außer, wenn die Teilnehmer auf ihrem Platz sitzen) hat sich die KVHS dazu entschieden - anders als an Schulen - einen Mindestabstand von 1,5 Metern zu wahren. Daher liegt die maximale Teilnehmerzahl in einem normalen Seminarraum nur noch bei sieben statt bei 13 oder 14 Personen.

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