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Faible für Melodien anderer Völker: "Mala Isbuschka" sind (v. l.) Markus Wach, Moritz Weissinger, Lena Heinrich und Daria Khoroshilova-Wach. FOTO: PM

Der Klang ferner Länder

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Diese Reise um die Welt dauert 70 Minuten und ist allein dank der instrumentalen Vielfalt besonders intensiv: Mit "Orient - Occident" legt das junge Weltmusik-Ensemble "Mala Isbuschka" seinen zweiten Tonträger vor. Das Release-Konzert findet am Donnerstag, 19. März, in Lich, dem Geburtsort des Quartetts statt. Überraschungen inklusive.

Sie haben sich längst eine aufmerksame Fangemeinde erspielt: Vom zarten Pflänzchen in der regionalen Musikszene sind die vier Multiinstrumentalisten von "Mala Isbuschka" mit ihrem Faible für Melodien fremder Völker zu Brückenbauern zwischen östlichen und westlichen Kulturen geworden, auf die man sich als Reisebegleiter gern einlässt. Und auch die neue CD "Orient - Occident" von Bandgründer Markus Wach, Daria Khoroshilova-Wach (Lich), Moritz Weissinger (Wettenberg) und Lena Heinrich (Gießen) lässt viel Spielraum fürs "Kopfkino".

Von den Klängen dieser Musik umgeben, kann man die Augen schließen und von fernen Welten träumen. Mal erscheinen Bilder eines orientalischen Basars: Marktstände in einer fremden Stadt, bunte Kleider, Gerüche exotischer Gewürze in der Luft. Beim nächsten Lied klingen die Töne wie aus den unbekannten Tiefen der Fjorde, die Melodien malen Bilder von rauen Bergen und dunklen Wäldern des Nordens.

"Orient - Occident" entführt die Zuhörer u. a. nach Afghanistan, Kasachstan, Russland, Armenien, Ungarn und in die Ukraine, aber auch nach Japan, Island und Finnland. Auf die CD-Präsentation am 19. März im Traumstern freut sich das Quartett schon sehr. "In Lich zu spielen ist schön. Da haben wir die Gruppe gegründet", sagt Markus Wach.

Die Bandmitglieder im Alter von 31 bis 37 Jahren - musikalische Profis mit fundierter Ausbildung - haben ein Faible für hierzulande weitgehend unbekannte Melodien. Das ist die Summe vieler Expeditionen, ist man geneigt anzunehmen - doch weit gefehlt. Markus Wach lacht: "Wir reisen in der Tat wenig". Dagegen könne er schon mal die Zeit vergessen, wenn er im Internet auf die Suche nach Musik geht, die er dann zusammen mit Daria raushört.

Traditionelle Musik und Eigenkompositionen halten sich bei "Mala Isbuschka" die Waage. "Wir mischen auch ganz frech - und machen das ganz bewusst, denn wir wollen Brücken schlagen", sagt Weissinger. Vier Musiker, mehr als 15 Musikinstrumente und Lieder aus 20 verschiedenen Ländern in einem Konzert? Klingt beeindruckend und genauso wirkt es auf das Publikum. Allein Markus Wach wechselt zwischen mehr als acht Zupf- und Streichinstrumenten am Abend. Meist sind das alte exotische und traditionelle Instrumente, teilweise antik und selbst restauriert, deren Namen viele noch nie gehört haben. Einige davon klingen so außergewöhnlich, dass man den Zuhörern das Staunen am Gesicht ablesen kann: zum Beispiel, wenn der Musiker die afghanische Laute Rubab mit 20 Saiten nimmt und ein bewegendes Intro darauf improvisiert. Wach: "Die meisten Instrumente bekomme ich in Deutschland angeboten. Kurioserweise liegt so manches auf Dachböden…". Geigerin Daria Khoroshilova spielt manche Stücke auf dem orientalischen Geigenvorfahren Rebec, dessen besonderer Klang den Melodien einen authentischen Charakter verleiht. Lena Heinrich bereichert die Musik gefühlvoll auf dem Akkordeon oder mit den Borduntönen der indischen Shrutibox. Auf unterschiedlichsten Perkussioninstrumenten legt Moritz Weissinger ein rhythmisches Fundament, mal ganz fein auf der Doumbek, mal ziemlich vordergründig auf der iranischen Trommel Daf. Perlende Melodien und fesselnde Rhythmen gleiten von einem Instrument zum anderen, verflechten sich mit Improvisationen und erschaffen ein wunderbares Hörerlebnis.

Die Stücke sind ausschließlich instrumental. "Gesang ist etwas ganz Besonderes - er ist aber auch besonders ablenkend. Wenn man sich auf die Melodie konzentrieren kann, dann kann man sich auch mal wegträumen", sind sich die Musiker einig.

"Es ist schön, dass es für diese Musik ein Publikum und die geeigneten Spielstätten gibt", betonen Wach und Weissinger. Besonders gern tritt das Quartett dort auf, wo die Akustik für ihre konzertanten Programme stimmt - in Kirchen beispielsweise. Oder im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge in Lich: dort haben "Mala Isbuschka" die komplette CD eingespielt. Mit von der Partie waren drei Gastmusiker, die auch beim Release-Konzert mitwirken. Mustafa Kakour spielt Oud, die arabische Laute. Den Syrer hatte Markus Wach in einer Flüchtlingsunterkunft in Lich kennengelernt; mittlerweile spielen die beiden Musiker in zwei weiteren Ensembles gemeinsam. Die Griechin Eleanna Pitsikaki (Mannheim) wirkt mit dem Kanun, einer Kastenzither mit, und der Türke Hakan Tugrul (Frankfurt) ist mit einem persischen Instrument, der Santoor, zu erleben. Im Konzert erfährt man nicht nur etwas über Musik, sondern auch über Geschichte, es wird über Länder und ihre traditionellen Instrumente erzählt.

Info- Das CD-Release-Konzert findet im Rahmen der Licher Kulturtage am Donnerstag, 19. März, 20 Uhr, im Traumstern statt. Der Eintritt kostet 15 Euro (Reservierungen: Tel. 0 64 04/38 10, www. kuenstlich-ev.de). Die CD "Orient - Occident" kostet 15 Euro.

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