Heute stehen die zwei jungen Heuchelheimer, die für das verheerende Feuer in der Kita "Rappelkiste" in Heuchelheim an Pfingsten 2019 verantwortlich sein sollen, vor dem Amtsgericht.
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Heute stehen die zwei jungen Heuchelheimer, die für das verheerende Feuer in der Kita »Rappelkiste« in Heuchelheim an Pfingsten 2019 verantwortlich sein sollen, vor dem Amtsgericht.

Kita-Brand

Millionenschaden: Nach Feuer an Kita „Rappelkiste" in Heuchelheim steht Duo vor Gericht

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Heute stehen zwei junge Männer vor dem Gießener Amtsgericht. Der Vorwurf: Fahrlässige Brandstiftung. Sie müssen sich wegen des Feuers in der Heuchelheimer Kindertagesstätte »Rappelkiste« an Pfingsten 2019 verantworten. Der Schaden war immens: Rund vier Millionen Euro.

Heuchelheim - Als die Feuerwehr am Pfingstsonntag des vergangenen Jahres an der »Rappelkiste« in Heuchelheim eintraf, da waren weite Teile der Kindertagesstätte schon nicht mehr zu retten. Flammen fraßen sich bereits bis unters Dach. Einigermaßen unversehrt blieb nur der älteste Teil des Gebäudes. Menschen kamen bei dem Großbrand gottlob nicht zu Schaden.

Von heute an erfolgt die juristische Aufarbeitung vor dem Amtsgericht Gießen. Vorgeladen sind zwei Heranwachsende aus Heuchelheim. Die Anklage lautet auf fahrlässige Brandstiftung. Seitens der Ermittler und der Staatsanwaltschaft geht man davon aus, dass auf dem Kita-Gelände gezündelt worden ist. Zuerst soll eine Bank in Brand geraten sein. Von dort griff das Feuer wohl auf den Fallschutz aus Holzspänen über, der um das Gebäude ausgebracht ist, und fraß sich von da aus durch die Verkleidung der Wände bis unters Dach. Wenig später stand das Gebäude in voller Ausdehnung in Flammen. Löschversuche der Jungs sollen nichts gefruchtet haben.

Für den Prozess sind zwei Verhandlungstage anberaumt. Ob der zweite Tag benötigt wird, das wird sich zeigen, nachdem die Angeklagten vor Jugendrichterin Maddalena Fouladfar standen. Sie waren laut Staatsanwaltschaft im vergangenen Herbst ermittelt worden und weitgehend geständig, hieß es damals aus der Behörde.

Bereits wenige Tage nach dem verheerenden Brand waren alle »Rappelkiste«-Kinder schon wieder in der Betreuung: Sie wurden in mehrere Einrichtungen und Gruppen in der Gemeinde aufgeteilt. Einige nutzten freie Plätze in der neuen Kinzenbacher Kita, andere zogen in die leer stehende ehemalige Kita Kinzenbach an der Wiesenstraße ein. Für eine weitere Gruppe stellte die evangelische Gemeinschaft Räume bereit.

Seit diesem Frühling ist die »Rappelkiste« derweil wieder unter einem Dach vereint: So konnte die Gemeinde Heuchelheim das seit Monaten leer stehende Produktions- und Verkaufsgebäude des Matratzenherstellers dormiente längerfristig anmieten. Das Erdgeschoss ist auf 1200 Quadratmetern nahezu komplett für die »Rappelkiste« umgebaut und hergerichtet worden. Im Mai konnten die ersten Kinder dort einziehen. Dem Betreuungsteam war und ist es wichtig, die pädagogische Arbeit zum Wohl der Kinder gemeinsam an einem Standort fortzuführen. Um die Interimslösung zu schaffen, war nach dem Brand ein organisatorischer und finanzieller Kraftakt zu bewältigen. Rund 850 000 Euro kostet allein der Umbau des Möbelhauses einschließlich Miete für zwei Jahre.

Großartig war derweil die Welle der Hilfsbereitschaft: Etliche Tausend Euro sind über zahlreichen Spendenaktionen zusammengekommen, teils an die Gemeinde als Träger der Kita, teils über den Förderverein der Kindertagesstätten.

Ob und wie es mit der abgebrannten Kita »Rappelkiste« weitergeht, das ist in den kommenden Monaten von den kommunalen Gremien zu planen und zu entscheiden. Im Raum steht als eine Möglichkeit der Wiederaufbau an vertrauter Stelle - dort, wo seit bald 60 Jahren Kinderbetreuung in Heuchelheim stattfindet. Das wird einen Millionenbetrag kosten. Je nach Anzahl der Gruppen und der zu betreuenden Kinder kann ein Neubau schnell bei vier Millionen Euro oder mehr liegen, hat Bürgermeister Lars Burkhard Steinz in den letzten Monaten immer wieder vorgerechnet.

Einen Teil begleicht die Brandschutzversicherung, einen Zuschuss wird das Land Hessen geben, doch eine finanzielle Lücke bleibt.

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