Kirmes in der Gastwirtschaft Germania 1918 in der Kehlbachstraße in Bieber. QUELLE: HEIMATVEREIN
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Kirmes in der Gastwirtschaft Germania 1918 in der Kehlbachstraße in Bieber. QUELLE: HEIMATVEREIN

Von der Kirchweih zur Kirmes

  • vonKlaus Waldschmidt
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Musik, Tanz und Frohsinn gehören zu jeder Kirmes. Doch woher kommt dieser Brauch des Feierns eigentlich? Die Kirmesgeschichte aus mehr als 100 Jahren steht im Mittelpunkt der 61. Sonderausstellung des Heimatvereins Rodheim-Bieber im Heimatmuseum. Am morgigen Sonntag wird sie eröffnet.

Der Heimatverein Rodheim-Bieber lädt für Sonntag, 7. Juni, von 15 bis 17 Uhr zur Eröffnung der Sonderausstellung "Die Kirmesgeschichte in Rodheim und Bieber" - unter Einhaltung der Hygienevorschriften - ins Rodheimer Heimatmuseum ein. Coronabedingt wird auf die Eröffnungsansprache und den Sektempfang verzichtet.

Die Präsentation von mehr als 300 Fotos gliedert sich in drei Zeitabschnitte: "Vor dem Zweiten Weltkrieg", "Die Saal-Kirmessen nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre" und "Die Zeltkirmes ab Mitte der 1960er/1970er Jahre".

Die Entstehung der "Kirchweihfeste" gründet sich auf folgende geschichtliche Tatsache: Im Jahre 335 ließ Helene, die Mutter des ersten christlichen Kaisers Konstantin des Großen, über dem Grab Jesu eine schöne Kirche bauen und verordnete deren feierliche Einweihung. Zur Erinnerung dieser Kirchenweihe befahl der Kaiser, dass jedes Jahr dieser Weihetag feierlich begangen werde solle. Das Beispiel Konstantins fand auch in der Christenheit Nachahmung. Seitdem wurden alle Kirchen feierlich eingeweiht und jedes Jahr an die Weihe gedacht. Dies hat sich bis zum heutigen Tag erhalten.

Da beim katholischen Gottesdienst die Messe als der vorzügliche Teil betrachtet wird, nannte man die Kirchweih auch Kirchmesse. Daraus entstand schließlich das Wort Kirmes.

Bieber war bis 1933 dreigeteilt, zwischen Rodheim, Fellingshausen und Königsberg. Erst 1954 bekam der Ort ein Gemeindehaus, in dem Gottesdienste gefeiert wurden. Eigentlich hätte Bieber also erst ab 1954 Kirmes feiern dürfen, aber wie aus Fellingshäuser Gemeindeakten hervorgeht, gab es schon 1856 nachweislich eine Kirmes, die jeweils einer der Wirte ausrichtete. Bekannt ist auch, dass - außer in Kriegszeiten - in Bieber jedes Jahr eine Kirmes gefeiert wurde.

Auch vor der Gründung der ersten Burschenschaft Immergrün Rodheim im Jahr 1907 wurde Ende August 1906 eine Kirmes veranstaltet. Früher fanden die Kirmessen in den Sälen der örtlichen Gastwirtschaften statt. 1966 wurde in Rodheim und ab 1975 in Bieber eine Zeltkirmes abgehalten. In Rodheim findet die Kirmes seit vielen Jahren am dritten Wochenende im Juli und in Bieber jeweils am Pfingstwochenende statt.

Mädchen wurden versteigert

Ein spannender Aspekt ist auch der Ursprung der Mädchenversteigerung vor der Kirmes. Sie fand statt, um ein finanzielles Standbein zu haben, damit die Kosten der Kirmes in den Wirtshäusern abgedeckt werden konnten. Und die Burschen hatten zunächst nur die Einnahmen vom Tanzgeld. Damit musste die Musikkapelle bezahlt werden. Mit dem Erlös aus der Versteigerung konnten dann später die Kosten für die Musik und die Organisation der Kirmes abgedeckt werden.

Die Ausstellung "Die Kirmesgeschichte in Rodheim und Bieber" ist bis 30. August jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

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