Kinos ziehen durchwachsene Bilanz

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Für die beiden Kinos im Landkreis Gießen war 2019 ein durchwachsenes Jahr. In Grünberg blieben die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurück, das Licher Traumstern fühlt sich von der Verleihpolitik von Disney bedroht.

Edith Weber sitzt im Kassenhäuschen des Grünberger Kinos. Sie wickelt zwei Tickets von einer Rolle ab, stempelt sie und schiebt sie über den Tresen. Das ältere Ehepaar geht weiter zum Kiosk, um sich mit Getränken und Popcorn für die Vorstellung einzudecken.

Die Älteren und Familien sind das Zielpublikum der Kinos "Turm" und "Apollo", erklärt Weber. "Die kommen, wenn der für sie passende Film läuft. Die 17- bis 23-Jährigen sind weg. Die sehe ich hier ganz selten." Die Streamingdienste, die über das Internet Filme anbieten, sind gerade bei den jungen Menschen eine harte Konkurrenz. Aber auch zur Karnevalszeit oder während des Gallusmarkts blieben viele Plätze leer. Und dann steht noch der Sommer mit der Fußballeuropameisterschaft vor der Tür...

Das vergangene Jahr sei wenigstens im Vergleich zum Vorjahr von den Besucherzahlen etwas besser gewesen. Filme wie "Der König der Löwen" oder "Das perfekte Geheimnis" lockten in die beiden Grünberger Kinosäle, sagt Weber.

Waren es 2018 nur 21 818 Besucher, stieg die Zahl 2019 leicht auf 23 162 Besucher an - noch immer kein wirklich gutes Jahr. Noch vor zehn Jahren waren es über 30 000. "28 000 wären schön. Aber ob wir das hier in Zeiten von Netflix noch mal erreichen?"

Kinofrau Weber bleibt dennoch optimistisch. "Ich habe das Glück, dass ich beim Start großer Filme mitspielen kann." Sie setzt auf Filme wie den neuen James Bond, aber auch Veranstaltungen wie etwa das Seniorenkino. "Dass ist für viele ein etabliertes Highlight." Zudem gibt es auch immer wieder Gruppen und Vereine, die den Vorteil des kleinen Kinos zu nutzen wissen: Kürzlich etwa wünschte sich eine Gruppe aus Mücke "Das geheime Leben der Bäume". Weber erfüllte diesen Filmwunsch - und durfte sich an einem Sonntagmorgen über 200 Besucher freuen.

Rund 20 Kilometer entfernt in Lich steht Edgar Langer hinter dem Thresen des Kinos Traumstern. Neben Programmkino setzen die Licher Kinomacher auf besondere Veranstaltungen: Die Lesung mit Marlene Bierwirth, die Konzerte der "Swingin’ Buddies" oder die Sommermusikwelten lockten Besucher ins Traumstern, sagt Langer. "Solche Veranstaltungen - dafür machen wird das."

Die Besucherzahlen für 2019 kenne er noch nicht, sagt Langer. Diese seien aber auch Nebensache. Denn Hauptziel des Traumsterns sei es, eine möglichst breite Vielfalt präsentieren zu können. "Wir zeigen im Jahr 200 Filme in einem Ein-Leinwand-Kino."

Er macht sich wenig Sorgen, dass wegen der Fußball-Europameisterschaft weniger Besucher ins Traumstern kommen könnten. 2020 sei ein anderes Problem gravierender: Die Übernahme der "20th Century Fox" durch Disney. Denn dadurch hätten sich die Verleihbedingungen verschärft: "Disney will die Landkinos nicht beliefern, außer man spielt vier Vorstellungen desselben Films am Tag. Dann kann ich aber kein Kinoprogramm mehr machen", skizziert der Licher das Problem. "Das ist die Vernichtung der Programmkinos." Er hofft, dass es hier zu einer bundesweiten Lösung kommt. Sonst drohen langfristig herbe Einschnitte in der Programmvielfalt des Kinos.

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