Die Kassenschlager stießen auch in Alten-Buseck, Beuern und Großen-Buseck auf ein dankbares Kinopublikum. FOTOS: SIW
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Die Kassenschlager stießen auch in Alten-Buseck, Beuern und Großen-Buseck auf ein dankbares Kinopublikum. FOTOS: SIW

Kinogeschichte(n) aus Buseck

  • vonSiglinde Wagner
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"Vorhang auf - Film ab": Das erste deutsche Kino wurde bereits 1896 in Berlin Unter den Linden eröffnet. In der Provinz begann der Siegeszug des Films erst später. Aber nach dem Ersten Weltkrieg schossen Kinos auch in Oberhessen wie Pilze aus dem Boden. Zur Historie der Kinos in Buseck gibt es jetzt ein 60 Seiten starkes bebildertes Heft.

Kino in Buseck ist - salopp gesagt - seit 1964 Geschichte. Neu hingegen ist das 19. Heft der Schriftenreihe des Heimatkundlichen Arbeitskreises mit dem Titel "Kinogeschichte(n) aus Buseck". Den Anstoß dazu gab 2019 die Vorbereitung einer Ausstellung durch die Kommunalarchive des Landkreises Gießen und des Stadtarchivs unter der Leitung des Kreisarchivs.

"Kino war eigentlich nicht mein Interessensgebiet", gibt Autorin Elke Noppes im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung zu. Doch die Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises Buseck stöberte in diversen Archiven, unterhielt sich mit etlichen Zeitzeugen - und siehe da: Das Thema gab im Laufe der Recherchen weit mehr her, als ursprünglich gedacht. Schnell wurde klar, dass das zusammengetragene Material zu umfangreich für eine Plakatausstellung des Gesamtkreises wird. "Viel zu schade war es aber, die Fülle an Material einfach unter den Tisch fallen zu lassen", erklärt Noppes. Herausgekommen ist nun ein 60 Seiten starkes bebildertes Heft mit höchst interessantem Inhalt.

Auf den letzten Seiten sind in Großen-Buseck und in Beuern vorgeführte Filme aufgelistet. Den Start in die 17 Jahre andauernde Kinogeschichte in Großen-Buseck markierte der mit sieben Oscars prämierte US-amerikanische Spielfilm "Der Weg zum Glück". Es war der erste von 13 Filmen, die ab Ende Oktober 1947 in der Mehrzweckhalle gezeigt wurden. Mit jedem Jahr stieg die Anzahl der Filme, 1960 gab es über 100 Vorführungen. Kino war bei dem seinerzeit spärlichen Freizeitangebot eine willkommene Abwechslung. Deshalb strömten auch viele Besucher aus den benachbarten Orten in die ehemalige TV-Halle, die mit Holzklappstühlen möbliert wurde.

Da es mit der Mobilität damals noch nicht so weit her war, richtete Heinrich Sommerlad einen Shuttle-Service (von den Beuernern liebevoll "Hinkelhaus" genannt) auf seinem aus dem Krieg mitgebrachten MAN-Lkw ein. Die ersten bekannten Lichtspielvorführungen in Beuern (Saalbau Lentz) und in Alten-Buseck (Hessischer Hof, der Saal wurde später zur Glastanzdiele umgebaut) fanden 1949 statt.

Während in Alten-Buseck die Filme durch einen Wanderkinobetrieb aus dem Raum Marburg gezeigt wurden, hieß es von Beuern aus: "Erobert die Welt - oder zumindest die Umgegend." Neben dem Kino im Saalbau der Gaststätte Lentz gab es noch regelmäßige Filmvorführungen im Umland.

Der Erfolg scheint den Elektriker Ernst Lenk und den Ingenieur Karl Lentz (beide aus Beuern) im August 1953 zur Gründung einer eigenen Firma zum Zwecke der Lichtbildvorführungen angeregt zu haben. Nachdem sich Karl Lentz zurückzog, nahm Ehefrau Erna seinen Platz ein. Gemeinsam mit Lenk betrieb sie vom 1. Januar 1955 bis zur Geschäftsaufgabe am 1. Mai 1963 die Germania-Lichtspiele.

Dem Erlangen einer Vorführberechtigung ging eine umfangreiche Prüfung voraus. Es gab noch keinen unbrennbaren Sicherheitsfilm, das Umspulen war daher brandgefährlich. Diese Erfahrung hat Ernst Lenk machen müssen. Mit einem Sprung aus dem Fenster im ersten Stock seines Wohnhauses brachte er sich in Sicherheit - jedoch nicht, ohne zuvor noch die Filmspulen aus dem Fenster zu werfen.

Wer wissen möchte, warum Regierungsrat Dr. Willy Schneider (wohnhaft in Kassel-Wilhelmshöhe) ausgerechnet in Großen-Buseck das Gewerbe eines Lichtspieltheaters angemeldet hat, und wer hier das "Gesicht" des Kinos als verantwortliche Filmvorführerin war, der kann dies - ebenso wie die Gründe, die zur Abmeldung des Gewerbes am 30. September 1964 führten - in dem frischen Nachschlagewerk über die "Kinogeschichte(n) aus Buseck" nachlesen.

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