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Kinderbonus in vielen Kommunen

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Von: Patrick Dehnhardt

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Bauplätze sind knapp und teuer. Damit auch junge Familien eine Chance auf eigene vier Wände haben, bevorzugen sie viele Kommunen bei der Vergabe - jedoch nicht alle, wie eine Umfrage im Landkreis zeigt. Biebertal und Pohlheim sind Schlusslichter, während Grünberg in Sachen Familienfreundlichkeit Maßstäbe setzt.

Junge Familien stehen heute oft vor der Frage, ob sie sich ein Haus oder eine Wohnung leisten können. Die Immobilienpreise sind derart hoch und selbst für zwei Verdiener mit einem normalen Einkommen kaum zu stemmen.

Will eine Kommune für junge Familien attraktiv sein, dann muss sie Sorge dafür tragen, dass diese dort überhaupt leben können. Auf den Immobilienmarkt haben Städte und Gemeinden in der Regel kaum Einfluss - aber auf die Vergabe von Bauplätzen, wenn sie das Gebiet selbst entwickeln. Kommen nur die Schnellsten und Meistbietenden zum Zug oder haben auch die eine Chance auf ein Stückchen Land, die zwar nicht reich sind, aber Kinder großziehen und sich ehrenamtlich engagieren?

Viele Kommunen im Landkreis haben sich dazu Gedanken gemacht. In Hungen gibt es beispielsweise eine Vergabematrix. »Die Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder wird bei der Bewertung von Bewerbern berücksichtigt«, sagt Bürgermeister Rainer Wengorsch. Auch in Wettenberg, Linden und Staufenberg sind für Familien mit Kindern Bonuspunkte vorgesehen, die Gemeinde Reiskirchen vergibt ebenfalls einen Kinderbonus. Laubachs Bürgermeister Matthias Meyer kündigt an, dass bei neuen Baugebieten Familien bevorzugt behandelt werden sollen.

Die bevorzugte Vergabe von Bauplätzen ist eine Familienförderung, die sich auch kleine Kommunen mit schmalem Haushalt leisten können. Allendorf (Lumda) vergibt an Familien Bonuspunkte, in der Rabenau wurden diese beim letzten Neubaugebiet ebenfalls bevorzugt. »Bei der Erschließung von weiteren Baugebieten achtet die Gemeinde Rabenau darauf, diese zu familienfreundlichen Preisen zu vermarkten«, erklärt Bürgermeister Florian Langecker. Er bringt damit einen wichtigen Aspekt ins Spiel: Eine bevorzugte Vergabe an Familien ergibt nur dann Sinn, wenn für diese die aufgerufenen Preise erträglich sind.

Grünberg setzt sogar noch einen drauf: Seit April 2018 erhalten Familien und Alleinerziehende ein Baukindergeld von 1000 Euro je minderjährigem im Haushalt lebenden Kind. Dies wird nicht nur bei neuen Bauplätzen gewährt, sondern auch, wenn Familien für eigene Wohnzwecke ein vor 45 Jahren in den Stadtteilen oder 60 Jahren in der Kernstadt errichtetes Haus kaufen.

In Langgöns wurde bei der Vergabe der Bauplätze in Espa erstmals die neue Richtlinie angewendet. Nach dieser bekommen Bewerber je nach Alter der Kinder Pluspunkte - ein 17-Jähriger wird schließlich nicht mehr lange in dem neuen Haus wohnen -, zudem gibt es Punkte für langjähriges ehrenamtliches Engagement. In Lich gab es ebenfalls einen Testlauf: »Künftig liegt die Entscheidung bei der Politik, ob diese Vergaberichtlinie bei weiteren Vergaben zum Einsatz kommen soll«, sagt Bürgermeister Julien Neubert.

Wie wichtig solch ein Instrument ist, zeigt sich am Beispiel Heuchelheim: »Bei der Vergabe des letzten Neubaugebietes kamen für die kommunalen Grundstücke Familien mit kleinen Kindern als Erste zum Zug«, sagt Bürgermeister Lars Burkhard Steinz. Denn »die Nachfrage war sechsmal höher als die zur Verfügung stehenden Bauplätze.«

Das System leuchtet ein. Dennoch ist es noch nicht überall Standard. Aus Buseck hieß es zum Zeitpunkt der Anfrage: »Es gibt hier keine grundsätzliche Beschlusslage.« Beim Baugebiet Berliner Straße in Alten-Buseck etwa wurden soziale Kriterien herangezogen, beim Baugebiet Rudolf-Harbig-Straße hingegen nicht. Nun ist die Politik an dem Thema dran, ebenso in Lollar und Fernwald.

Dass dies kein Selbstläufer ist, zeigt das Beispiel der sonst familienfreundlichen Gemeinde Biebertal. Dort wurde im vergangenen Jahr ein Kriterienkatalog abgelehnt. »In den Gremien fiel die Entscheidung für eine Vergabe nach der Reihenfolge der Warteliste«, sagt Bürgermeisterin Patricia Ortmann. Auch in Pohlheim gibt es keinen Familienbonus, das Thema ist jedoch in der politischen Diskussion.

Eine Vergaberichtlinie kann helfen. Jedoch bringt sie nur wenig, wenn die Baugebiete von Investoren erschlossen werden und diese die Parzellen an die Meistbietenden verkaufen. Denn auch dann bleibt die Durchschnittsfamilie aus der Region auf der Strecke. Damit es auch hier famillienfreundlich zugeht, müssen Kommunen das rechtzeitig vertraglich festlegen.

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