Bei den Ferienspielen lassen die Kinder Zettel mit Wünschen in den Himmel steigen. Ein häufig notierter Wunsch: "dass Corona endlich weggeht." FOTO: PM
+
Bei den Ferienspielen lassen die Kinder Zettel mit Wünschen in den Himmel steigen. Ein häufig notierter Wunsch: "dass Corona endlich weggeht." FOTO: PM

"Kinder dürsten nach Kontakt"

  • vonLena Karber
    schließen

Reiskirchen(lkl). Als Ersatz für den Tagesausflug in die Lochmühle wurde auf dem Sportplatz in Saasen ein kleiner Jahrmarkt aufgebaut. Statt des alljährlichen Freibadbesuchs standen Wasserspiele auf dem Programm. Und bei der abendlichen Disco wurden Hula-Hoop-Reifen verteilt, mit denen die Kinder tanzen konnten. Möglichst nah am ursprünglichen Programm bleiben, die Aktivitäten nur coronakonform abändern - das ist das Credo der Ferienspiele 2020 in Reiskirchen. In den ersten beiden Ferienwochen genossen 64 Kinder und deren Familien trotz Corona ein Rundum-Sorglos-Paket mit Transfer und ganztägiger Bespaßung.

Entlastung für Familien

"Freundlich ausgedrückt gab es eine extrem große Skepsis", berichtet der Reiskirchener Jugendpfleger Sebastian Stumpf, der seit Februar als Elternzeitvertretung für die Gemeinde tätig ist, über die Reaktionen aus anderen Kommunen, die sich zum Teil für einen deutlich vorsichtigeren Weg entschieden. Doch das Programm abzusagen oder seinen Umfang stark zu reduzieren, sei für ihn keine Option gewesen. "Wir wussten, es muss eine Möglichkeit geben."

Extrem erleichtert habe die Situation dann die Zehn-Personen-Regel. Die Teilnehmer des zweiwöchigen "Survival Camps", das heute Nachmittag seinen Abschluss findet, waren in acht festen Gruppen mit je acht Kindern, zwei Betreuern und einem eigenen Zelt aufgeteilt worden. Zudem hat man versucht, die Durchmischung möglichst gering zu halten.

Für Stumpf war dies rückblickend der richtige Weg. Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und langer Zeit geschlossener Schulen hält er das Angebot für sehr wichtig. Manche Eltern hätten am Telefon "mit Panik in der Stimme" nach verfügbaren Plätzen gefragt, weil sie keine freien Tage mehr hatten, um die Kinder zu betreuen. Oder weil der Urlaub in diesem Jahr ausfallen muss. Dass die Kinder um 9.30 Uhr mit dem Bus in den Ortsteilen abgeholt wurden und um 16.30 Uhr zurückkamen sowie die Option einer Frühbetreuung ab 8 Uhr, sieht er als wichtige Entlastung für die Familien. Doch auch für die Kinder haben Ferienspiele in diesem Jahr eine besonders große Bedeutung, da ist sich Stumpf sicher. "Normalerweise macht man einen Vorschlag und acht Kinder sind dagegen", sagt er und lacht. "Jetzt sind es plötzlich nur noch vier." Die Kinder seien weniger anspruchsvoll und würden sich mit großer Geduld vorbildlich an die Regeln halten, weil sie über die Möglichkeit, mit Freunden zu spielen, total froh seien. "Man merkt den Kindern an, dass Corona nicht spurlos an ihnen vorbeigangen ist. Sie dürsten nach Kontakt."

Das wurde auch auf dem kleinen Jahrmarkt deutlich. Bei einer "Wunschsammlerin" konnten die Kinder ihre Wünsche auf Zettel schreiben, die dann später mit Ballons gen Himmel geschickt wurden. Stumpf verrät: "Ganz oft stand darauf: dass Corona endlich weggeht."

Mit dem zweiwöchigen "Survival Camp" endet heute die erste Phase der Ferienspiele in Reiskirchen. In der dritten, vierten und sechsten Ferienwoche finden neun Einzelangebote statt. In der fünften Woche gibt es einen Jugendaustausch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare