Der Königsberger Kindergarten. FOTO: ARCHIV
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Der Königsberger Kindergarten. FOTO: ARCHIV

Wie die Kinder von Bullerbü

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Biebertal(lun). Die Welt noch mehr mit Kinderaugen sehen. Das hat sich Königsberg auf die Fahnen geschrieben. Sascha Lepper, der engagierte Vorsitzende des Fördervereins der lokalen Kindertagesstätte begrüßte am Dienstag erneut die Jury für den Deutschen Kita-Preis in seinem Dorf. Bereits zum zweiten Mal nimmt Königsberg am Wettbewerb um den Kita-Preis teil. Und hat es erneut unter die Finalisten geschafft. Am Dienstag besuchte ein Experten-Team aus Berlin die Tagesstätte, um sich einen Eindruck von der Arbeit dort zu verschaffen.

Um den Deutschen Kita-Preis haben sich rund 1000 Bündnisse und Einrichtungen aus ganz Deutschland beworben. "Dass Königsberg jetzt zum zweiten Mal im Finale steht, zeigt die hohe Qualität der Arbeit", erklärt Experte Stefan Clotz. Er und seine Kollegin Anna von Kölln waren aus Berlin angereist, um die Königsberger Kita auf Herz und Nieren zu prüfen. Dazu gibt es ganz unterschiedliche Methoden. Die Tagesstätte selbst hat sich mit einem eigens produzierten Film beworben. Jetzt soll neben verschiedenen Interviews auch der Praxisbetrieb unter die Lupe genommen werden. Am Nachmittag fanden darum Workshops statt, deren Inhalte die Veranstalter vorab allerdings nicht preisgaben. Letztes Jahr war zum Beispiel eine Aufgabe, aufzumalen, wie man sich die Kita in zehn Jahren vorstellt. Das zeigt der Jury, wie nachhaltig der Betrieb arbeitet.

In Königsberg ist man motiviert und zuversichtlich. Nachdem der Preis im letzten Jahr zum Greifen nah war, viel die Entscheidung für einen zweiten Versuch nicht schwer. "Wir waren uns auf der Rückfahrt von Berlin schon darüber einig", sagt Lepper.

Damit es dieses Mal klappt, haben sich die Eltern bemüht, noch mehr auf die Kleinen einzugehen und sie aktiver in den Kita-Betrieb miteinzubeziehen. "Das machen die Erzieherinnen ja sowieso schon viel intensiver als wir Eltern", sagt Lepper. Selbstverständlich stehen zurzeit auch im Kita-Betrieb die Themen Klimawandel, Digitalisierung und Integration ganz oben auf der Agenda. "Im kleinen Raum funktioniert das ganz gut" findet Lepper. Für den Bewerbungsfilm haben sich die Beteiligten mehrere Projekte vorgenommen: Die Kinder besuchten umliegende Bauernhöfe, arbeiteten mit der Feuerwehr zusammen oder lernten gemeinsam mit Senioren das Tanzen.

Unterstützung von allen Seiten

Besonders für die Erzieherinnen bedeutet die Bewerbung um den Kita-Preis viel anstrengende Arbeit. Aber Unterstützung erhalten sie von allen Seiten. Bürgermeisterin Patricia Ortmann erinnert sich: "Beim letzten Mal hat der ganze Ort mitgefiebert." Das ländliche Leben scheint der kindlichen Entwicklung einiges zu geben. "Die Dichte derer, die sich einbringen, ist hier sehr hoch", erklärt Lepper. Da wirkt das ganze Dorf zusammen. Und sie alle hätten Alternativen. Aber: Sie bringen sich ehrenamtlich in der Kita ein. "Hört sich fast an wie die Kinder aus Bullerbü" ergänzt die Bürgermeisterin lachend.

Für die Experten aus Berlin ist gerade der Faktor Ehrenamt ein besonderer. "Was alle verbindet, das ist das Engagement", sagt Clotz. In so gespaltenen Zeiten wie heute sei das sehr ermutigend.

Er und von Kölln werden der Berliner Jury von ihren Eindrücken berichten. Die setzt sich aus Eltern, Wissenschaftlern und Mitarbeitern des Familienministeriums zusammen.

Wie die Kindertagesstätte Königsberg diesmal abschneidet, das entscheidet sich bis zum 7. Mai in Berlin. Dann nämlich werden die Platzierungen bekannt gegeben. Dem ersten Platz in der Kategorie "Lokales Bündnis für die frühe Bildung des Jahres" winkt ein Preisgeld von 25 000 Euro, den Zweitplatzierten 10 000 Euro. Das könnte man in Biebertal gut gebrauchen. Denn alle sind sich einig, dass die Kita im Gemeindeleben einen unschätzbaren Wert hat, und man keinesfalls darauf verzichten möchte.

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