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Laiendefibrillatoren kann jeder ohne Vorkenntnisse bedienen. (Symbolfoto: dpa)

Keine Angst vorm Helfen

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Defibrillatoren kennt man: Sie hängen in Supermärkten, Ämtern und Sporthallen. Doch wie funktionieren sie im Notfall? Thorsten Hansmann, Voraushelfer bei der Feuerwehr Buseck, sagt: Man muss vor dem Gerät keine Angst haben. Nur wer nicht hilft, macht etwas verkehrt.

Ein Mensch bricht plötzlich an der Supermarktkasse zusammen, bleibt reglos liegen. Nur wenige Meter entfernt hängt ein Defibrillator. Doch die Ersthelfer sind sich unsicher: Können sie dieses Gerät überhaupt richtig bedienen? "Man muss davor keine Angst haben", sagt Thorsten Hansmann. Er ist Voraushelfer bei der Busecker Feuerwehr. Die Voraushelfer fahren bei Einsätzen des Rettungsdienstes als "Voraustruppe" mit. Sie leisten schnell Hilfe vor Ort und bereiten die Arbeit des Rettungsdienstes vor.

Als Voraushelfer hat Hansmann schon erlebt, wie Ersthelfer Menschen das Leben gerettet haben, weil sie sofort mit der Reanimation begannen. "Wir hatten aber auch schon im Supermarkt eine Reanimation - und der Einzige, der half, war ein 80 Jahre alter Mann." Dabei sollte jeder, der einen Führerschein besitzt, die Herzmassage noch aus dem Erste-Hilfe-Kurs kennen.

Leitstelle gibt Rat

"Man kann nichts verkehrt machen - außer man macht nichts", sagt Hansmann. Wenn man eine bewusstlose Person auffindet oder ein Notfall vorliegt, sollte man direkt die 112 anrufen: "Zum einen wird so die Rettungskette in Gang gesetzt. Zum anderen kann die Leitstelle auch beruhigen und Rat geben, was zu tun ist", erklärt der Voraushelfer. Die Aufgaben darf man sich übrigens in einer Gruppe auch teilen: Während ein Helfer nach der Person schaut, kann der andere den Notruf wählen. Hier können auch Passanten in die Pflicht genommen werden.

Zunächst muss man schauen, ob die Person noch atmet. Dies geht, indem man etwa den Kopf auf den Bauch der Person oder über ihren Mund hält und prüft, ob es Atemgeräusche gibt. In den Erste-Hilfe-Schulungen ist man mittlerweile davon abgekommen, das Laienhelfer den Puls prüfen sollen. "In der Aufregung finden die Menschen ihn oft nicht. Da sollte man sich nicht mit aufhalten." Zudem: Wer nicht atmet, muss sowieso reanimiert werden. Wer bewusstlos ist, aber noch atmet, den sollte man in die stabile Seitenlage legen und weiterhin überwachen.

In vielen öffentlichen Gebäuden, Sporthallen und Supermärkten findet man sogenannte "Laiendefibrillatoren". Sie sind so konzipiert, dass man sie ohne Vorkenntnisse bedienen kann. Sobald man den Deckel des Geräts öffnet, schaltet es sich automatisch ein und gibt Anweisungen, was zu tun ist.

Als Erstes müssen die Messelektronen auf den Patienten - und zwar direkt auf die Haut. T-Shirt, Hemd oder Bluse müssen also weg. Ein Symbol auf den Elektronen zeigt, wo man sie hinkleben muss. Danach startet das Gerät automatisch mit der Analyse des Herzschlags. Nur wenn es erkennt, dass ein Stromstoß notwendig ist, gibt es diesen - nach einer Vorwarnung an die Ersthelfer - automatisch ab.

Dies ist übrigens wesentlich unspektakulärer, als man es aus Filmen kennt. "Der Patient biegt sich, es gibt ein Zucken, aber es ist nicht riesig groß", sagt Hansmann. "Es hebt keiner vom Boden ab."

Die Defibrillation ergeben jedoch nur Sinn, wenn das Herz "resetet" werden muss, also etwa bei Kammerflimmern. Schlägt es gar nicht mehr, hilft nur die Herzdruckmassage, die man aus dem Erste-Hilfe-Kurs kennt. Auch dies erkennt der Defibrillator automatisch und teilt es dem Ersthelfer mit. "30 mal drücken, zweimal beatmen", sagt Hansmann. Damit sollte man auch nicht aufhören, wenn der Rettungsdienst neben einem steht. "So kann der Rettungsdienst die Hilfe vorbereiten", sagt Hansmann. Außerdem haben Notarzt und Sanitäter oft noch Fragen, etwa wie man die Person aufgefunden hat.

Auch wenn die Person nur bewusstlos ist, kann man sich bereits vorsichtshalber den Defibrilator zur Hilfe holen. Denn das Gerät kontrolliert regelmäßig den Herzschlag. So kann man sich sicher sein, dass der Puls nicht ausgesetzt hat. (Foto: pad)

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