Kein Zurück zur reinen Präsenz

  • Ursula Sommerlad
    VonUrsula Sommerlad
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Die Pandemie hat das Angebot der Kreisvolkshochschule verändert. Auch wenn jetzt wieder mehr Veranstaltungen in Präsenz stattfinden sollen, haben sich Online-Kurse etabliert. Mit ihnen erreicht die VHS neue Zielgruppen.

Noch ist die Pandemie nicht vorbei. Und wenn sie irgendwann vorbei ist, wird sich das Rad der Zeit nicht zurückdrehen lassen. Auch nicht an der Volkshochschule des Landkreises Gießen, wo die Verantwortlichen am Mittwoch das Programm für Herbst und Winter 2021 vorstellten.

»Corona hat uns ganz schön durchgeschüttelt«, sagt VHS-Leiter Torsten Denker. Das ist gar nicht mal negativ zu verstehen. »Für uns war die Krise auch eine Chance zur Weiterentwicklung«, unterstreicht Dr. Iris Korte-Klimach, die den Programmbereich Sprachen und Integration verantwortet.

Mehr digitale und hybride Angebote, mehr Veranstaltungen im Freien, kürzere Kurse mit einer geringeren Teilnehmerzahl prägen das Bildungsprogramm - und vor allem eine große Flexibilität. Weil niemand genau weiß, was die kommenden Monate mit sich bringen, wird das Angebot kontinuierlich verändert und ergänzt.

Viel Programm auch ohne Heft

Deshalb gibt es auch kein gedrucktes Programmheft mehr. »Das ergibt keinen Sinn, wenn es vier Wochen später schon wieder überholt ist«, sagt Landrätin Anita Schneider. Man verfüge mittlerweile über genügend andere Kanäle, um das vielfältige Angebot publik zu machen. Ein Zurück zur reinen Präsenz werde es ebenfalls nicht mehr geben. Aktuell machten digitale Angebote einen Anteil von 20 Prozent aus. »Dafür gibt es neue Zielgruppen«, sagt Schneider, und Denker nennt Beispiele: Eltern, die ihre kleinen Kinder nicht alleine lassen können, zählen genauso dazu wie ältere Menschen, die an dunklen Winterabenden nicht mehr raus wollen, Leute, die beruflich stark eingespannt sind und alle, die digital affin sind. »Wir erreichen mit diesen Angeboten Gruppen, die wir vorher nicht erreicht haben«, sagt die Landrätin. »Das ist sehr positiv.«

Bis Jahresende sind unter dem Motto »Lernen, begegnen, austauschen« über 500 Bildungsangebote aus den Bereichen Gesellschaft, Kultur, Gesundheit, Sprachen sowie Arbeit, Beruf und Technik geplant. Neben der Digitalisierung liegt ein weiterer Schwerpunkt auf dem Thema Nachhaltigkeit, das sich quer durch alle Programmbereiche zieht. Ein Seminar über die Vor- und Nachteile von Elektromobilität gehört genauso dazu wie diverse Nähkurse als Alternative zu »Fast Fashion« oder »klimagesundes Kochen«.

Damit in den kommenden Monaten mit Hygienekonzept und unter Einhaltung der 3G-Regel wieder mehr Präsenzveranstaltungen stattfinden können, wurden die Rahmenbedingungen angepasst. »Kleinere Gruppen, kürzere Sequenzen« - auf diese Formel bringt es Martina Kuhn, die den Programmbereich Gesundheit leitet. Das Ziel: Trotz reduzierter Teilnehmerzahl sollen möglichst viele Interessenten berücksichtigt werden können. Deswegen laufen manche Kurse nicht mehr über das ganze Semester, sondern nur noch einige Wochen. Laut Kuhn hat dieses System auch Vorteile. Die Teilnehmenden müssen sich nicht über einen längeren Zeitraum binden, sondern können einfach auch mal etwas Neues für ein paar Wochen ausprobieren. Das gilt übrigens nicht nur für Yoga, Tai-Chi oder Stepptanz, sondern auch für »selten unterrichtete Sprachen« wie zum Beispiel Polnisch.

Informationen über das aktuelle Bildungsprogramm gibt es im Internet unter www.vhs-kreis-giessen.de. Wer zu Hause keinen Computer hat, kann einfach anrufen (Tel. 06 41/93 90-57 00) oder im VHS-Haus in Lich vorbeikommen. Und wer immer auf dem neuesten Stand bleiben will, abonniert den Newsletter. Nach wie vor gilt: Das Team der Kreisvolkshochschule bemüht sich, Bildungswünsche zu erfüllen. Und, so versichert VHS-Leiter Denker: Wer selbst eine Idee für ein neues Kursangebot habe, finde immer ein offenes Ohr.

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