Zum farbenfrohen Finale der Natur öffnet Schloss Laubach schon seit 2008 die Tore für den "Herbstzauber" - die 13. Auflage der Messe aber fällt aus. FOTO: FP
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Zum farbenfrohen Finale der Natur öffnet Schloss Laubach schon seit 2008 die Tore für den "Herbstzauber" - die 13. Auflage der Messe aber fällt aus. FOTO: FP

Kein "Zauber" auf Schloss Laubach

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Der "Herbstzauber" in Laubach lockt alljährlich Tausende. In zwei Wochen sollte die 13. Auflage stattfinden. Eine Gartenmesse wie diese zählt seit Kurzem zu den gestattungsfreien "Spezialmärkten". Bürger wie auch die Stadt jedoch fürchteten das Risiko, während Veranstalter und Kreis weiter am Hygienekonzept feilten. Bis gestern.

Die Beschwerden von Bürgern reißen nicht ab, auch wir hätten nicht damit gerechnet, dass der ›Herbstzauber‹ stattfinden darf", erklärte noch vor wenigen Tagen Laubachs Verwaltungschef Peter Klug. Mit "wir" meinte er den gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirk mit Lich und seinen Amtskollegen Dr. Julien Neubert.

Gerade jetzt, da die Infiziertenzahlen wieder anstiegen, beschlich Klug ein mulmiges Gefühl. Vor allem, wenn er an die Warteschlangen dachte, die sich in den Vorjahren an den drei Eingängen zur Messe auf Schloss Laubach bildeten. Skeptisch zeigte sich Klug auch, was die zulässige Besucherzahl betrifft: Gemäß aktueller Landesverordnung für Verkaufsstätten - erst zum 15. August auf "Spezialmärkte" ausgeweitet - müssen je Besucher drei Quadratmeter zur Verfügung stehen. Nach Abzug der Standflächen im und um den Schlosshof herum wären 3700 Quadratmeter verblieben, somit wären 1250 Besucher zugelassen worden. Wer aber, so fragte der Rathauschef, hätte die Einhaltung der Abstände auf dem begrenzten Areal kontrolliert? "Was, wenn es zum Worst Case gekommen, wenn Laubach zum Hotspot geworden wäre?" Zumal dann in erster Linie die Kommune darunter gelitten hätte.

All das Bedenken, die auch von Bürgern an ihn wie an diese Zeitung herangetragen wurden, die ein Verbot durch die kommunale Ordnungsbehörde forderten. Die aber musste der Rathauschef enttäuschen: "Das Gesetz erlaubt das nun mal, wir wären vorm Verwaltungsgericht hinten runtergefallen."

Bei einem Ortstermin mit dem Veranstalter Evergreen (Kassel) und dem Gesundheitsamt am vergangenen Dienstag kamen die Zweifel nochmals zur Sprache. Immerhin, würdigte Klug das Entgegenkommen der Kasseler, sollte es danach nurmehr einen Eingang im Schlosspark geben. "Da hätten sich die Besucher besser verteilen können." Doch auch wenn Evergreen in Zeiten von Corona wesentlich weniger Besucher erwartete, auf den Online-Ticket-Verkauf, auf Hygienehinweise, Desinfektionsmittel oder die Erweiterung des Messebereichs auf einen größeren Teil des Parks verwies - Klugs mulmiges Gefühl verschwand nicht.

Wesentliches Ergebnis aber: Die letztlich entscheidende Behörde Landkreis Gießen erteilte ob der Rechtslage (siehe Kasten) dem "Herbstzauber" ihr Placet.

Freilich unter dem Vorbehalt, dass jenseits der Gestattungsfreiheit einige Auflagen noch festzuzurren wären. "Um dies beurteilen zu können, wurden Unterlagen vom Veranstalter angefordert, die uns noch nicht vorliegen", teilte die Pressestelle zunächst mit. Und auf Nachfrage am Mittwochabend: "Die endgültige Ausdehnung des Marktgeländes ist uns vom Veranstalter noch immer nicht mitgeteilt worden. Erst wenn uns diese Information valide vorliegt, können wir abschließend Aussagen zur maximal zugelassenen Personenzahl sowie der Ein- und Ausgangssituation machen." Im Übrigen verwies man auf den "Pilotcharakter" der Veranstaltung.

Persönliche "Vor-Ort-Erfahrungen" habe das Gesundheitsamt bisher nicht sammeln können, da es im Kreis noch keine vergleichbare Veranstaltung gegeben habe. "Einschätzung und Abwägung der Maßnahmen und Auflagen ist daher im theoretischen Vergleich zu Veranstaltungen aus anderen Kreisen bzw. Bundesländern erfolgt."

Gestern Mittag dann, gerade mal zwei Wochen vor Beginn des Marktes, sollte sich das mit Klugs mulmigem Gefühl überraschend erledigt haben: Per Telefon sagte der Veranstalter die Messe ab.

Dass man in Laubach nicht gerade "offene Türen eingerannt" habe, schickte Christian Rohde, Geschäftsführer der Evergreen GmbH, im Gespräch mit dieser Zeitung voraus. Um sodann auf die Auflagen zu sprechen zu kommen: Darunter hätte nicht nur die Atmosphäre gelitten, die Einschränkung der Standflächen hätte auch die Aussteller getroffen. Anders als etwa bei der Messe am Wochenende auf Schloss Wilhelmsthal in Kassel sei eben in Laubach der Platz begrenzt. Rohde: "Wir haben auch die Bitte des Kreises in unsere Abwägungen einbezogen, den Anstieg der Zahlen zu bedenken."

Und so habe man schließlich, trotz der Genehmigung und des erheblichen wirtschaftlichen Schadens, verzichtet. "Bevor wir allen Beteiligten Bauchschmerzen bereiten, lassen wir’s lieber", schloss Rohde. Er setzt nun auf den "Winterzauber". Allzu lang ist es ja nicht mehr hin, steht diese Messe auf Schloss Laubach doch bereits Ende Oktober an.

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