Urlaub auf Mallorca ist möglich, aber mit dem Camper raus in die Rhön oder den Harz nicht. Das trifft auch im Landkreis auf Unverständnis. (Symbolfoto)
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Urlaub auf Mallorca ist möglich, aber mit dem Camper raus in die Rhön oder den Harz nicht. Das trifft auch im Landkreis auf Unverständnis. (Symbolfoto)

Kritik an Regelung

„Alles Schwachsinn“: Hoteliers und Campingplatz-Betreiber sauer über Oster-Schließungen

  • vonChristina Jung
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Wer die Osterferien für eine Reise nutzen möchte, muss sich im Ausland nach einer Unterkunft umsehen. Hierzulande sind touristische Übernachtungen verboten. Das trifft auf Unverständnis.

Gießen – Mal wieder entspannen. Abschalten. Raus aus der Homeoffice-Homeschooling-Dauerschleife. Nach einem Jahr Pandemie wünschen sich viele ein bisschen Urlaub. Um die Akkus aufzuladen. Um mal wieder etwas anderes zu sehen. Die Osterferien wären der perfekte Anlass. Doch Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze dürfen hierzulande für touristische Übernachtungen nach wie vor nicht öffnen. Zum Ärger vieler Menschen. Insbesondere jener, die davon leben.

Kreis Gießen: Campingplatz am Wißmarer See darf nicht öffnen

»Wir hatten jede Menge Reservierungen«, sagt Mike Will, der mit seiner Familie im siebten Jahr den Campingplatz am Wißmarer See betreibt, den er von der Gemeinde gepachtet hat. Eigentlich sollte hier im April Saisoneröffnung sein. Will hatte gehofft, zu Ostern zumindest unter Einschränkungen wieder öffnen zu dürfen. Jetzt bleibt der Platz für Urlauber geschlossen. Bis zum 18. April. Stand heute.

Verständnis hat Will für das nach wie vor geltende Beherbergungsverbot mit Blick auf die Möglichkeit von Auslandsaufenthalten - in Mallorca werden zu Ostern bis zu 40 000 deutsche Touristen erwartet - nicht, auch wenn sich diese aufgrund zahlreicher Reisewarnungen, anschließender Quarantäne-Maßnahmen oder einer Testpflicht bei der Rückkehr nach Deutschland für Urlauber deutlich aufwendiger gestalten als vorher. »Das ist nicht nachvollziehbar und auch nicht mehr erklärbar«, findet er.

Campingplatz in Laubach im Kreis Gießen: Dauercamper sind erlaubt

Ähnlich das Stimmungsbild im 40 Kilometer entfernten Laubach, wo Dirk Feucht und seine Lebensgefährtin 2018 den Campingplatz am Froschloch gekauft und in Folge erstmal in das 60 Jahre alte Areal investiert hatten. Natürlich verdiene er an den rund 200 Dauercampern, die nach wie vor auf den Plätzen erlaubt sind. Aber: »Das ist ein Grundstock, das reicht nicht für alles«, so Feucht. Dass Auslandsreisen möglich, touristische Übernachtungen in der Heimat aber verboten sind, findet er »sehr unfair«.

Gerade das Campen sei doch eine der sichersten Arten, Urlaub zu machen. »Die Leute sind im Freien, sie sitzen nicht aufeinander.« Kontaktloser als auf einem der 350 Plätze auf dem zehn Hektar großen Areal geht es in seinen Augen kaum. Vor allem, wenn wie nach dem Lockdown im Frühjahr nur jeder zweite Platz belegt wäre und jeder Camper die eigenen sanitären Anlagen nutzt. Nun aber geht ihm das Ostergeschäft verloren.

Kreis Gießen: Hotel-Betreiber in Launsbach und Lich haben kein Verständnis

Dirk Bechthold, der in Launsbach das Hotel Schöne Aussicht betreibt, kann das nicht sagen. »So viele Feriengäste haben wir nicht.« Dennoch empfindet er die Situation als »mittelschwere Katastrophe«. Hinter den Entscheidungen der Politik fehle die Strategie, es werde zu wenig differenziert. Im Discounter oder Baumarkt stapelten sich die Menschen und Hotels dürften trotz Hygienekonzept nicht für Urlaubsgäste öffnen. Bechthold: »Das ist doch alles Schwachsinn.«

Markus Müller, Chef des Hotels Landhaus Klosterwald in Lich, argumentiert ähnlich, sieht sich und seine Mitbewerber im Vergleich zu anderen Branchen benachteiligt. Mit Blick auf die auch bei ihm geltenden Hygienevorschriften fragt er sich: »Was soll hier passieren?«

Kreis Gießen: In Ferienhaus in Laubach wäre kontaktloser Urlaub möglich

Eine Frage, die auch Vera Kopecky umtreibt. Kontaktloser Urlaub sei in ihrem Ferienhaus in Laubach definitiv möglich. Der Garten rund um das Anwesen am Waldrand, dessen Standort viele Bewegungsmöglichkeiten im Freien biete, umfasse rund 6000 Quadratmeter. »Viele unserer Gäste verlassen das Grundstück gar nicht. Sie genießen einfach die Natur, um zu entspannen«, sagt Kopecky. Für die aktuellen Regeln hat sie wenig Verständnis, Gerade Ferienwohnungen und Campingplätze könnten in dieser schweren Zeit für die Menschen Orte der Erholung sein. Kopecky: »Es gibt keine Art von Urlaub, die sicherer wäre.« Ihre einzige Hoffnung ist, »dass bald alle durchgeimpft sind« und sich die Lage wieder normalisiert.

Campingplätze: Hoffnung auf neue Dauercamper im Kreis Gießen

Bis es soweit ist, hoffen Dirk Feucht und Mike Will auf etwas anderes: Neue Saison- beziehungsweise Dauercamper nämlich. Die Anfragen dazu häuften sich, sagen sie. Heißt konkret: Immer mehr Gäste sind an einer längerfristigen Platzbuchung interessiert. Will: »Darauf setzen wir.«

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