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Blütenpracht im Lehrgarten des OGV Steinbach: Vorsitzender Herbert Haas und Schriftführerin Beate Karg hoffen, dass späte Nachtfröste keinen Schaden bei den Obstbäumen anrichten. Im Hintergrund das frisch verkleidete Vereinsheim.

Kein Stillstand im Grünen

  • Gabriele Krämer
    VonGabriele Krämer
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Hier ein Tipp vom Baumfachwart, dort ein Rat für die Anlage einer Kräuterspirale und nebenbei noch allerlei Fachsimpelei unter Gartenfreunden - es war einmal. Im Lehrgarten des Steinbacher Obst- und Gartenbauvereins ist das gewohnte Miteinander zum Erliegen gekommen - pandemiebedingt. Stillstand herrscht keineswegs.

Eben erst haben sie die Fassade des geräumigen Vereinsheims mit Holz verkleidet, nun geht es bald ans Herrichten der Gemüsebeete: Kraut, Lauch, Kartoffeln, Brokkoli - der Anbauplan ist längst fertig. Sobald es die Witterung zulässt, spätestens aber nach den Eisheiligen werden die Aktiven des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Steinbach wieder im Lehrgarten an der Oppenröder Straße zupacken. Wie in vielen anderen Vereinen besteht der »harte Kern« aus wenigen Personen; die meisten von ihnen haben zudem eine Vorstandsfunktion.

»Ein paar jüngere Kräfte würden uns ganz guttun«, merkt OGV-Vorsitzender Herbert Haas beim Ortstermin im Grünen an. Seit 1982 gibt es den rund 800 Quadratmeter großen Lehrgarten, der Verein selbst wurde 1932 gegründet. »Deutlich über 60« sei der Altersdurchschnitt der rund 150 Mitglieder anzusiedeln.

Mitgliederwerbung bzw. Öffentlichkeitsarbeit fällt in Zeiten der Pandemie ausgesprochen schwer: Der Lehrgarten bleibt bis auf Weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen, die bislang letzte öffentlichkeitswirksame Veranstaltung war das Sommerfest im August 2019. Das Fest im Folgejahr musste ebenso abgesagt werden wie zwei Pflanzentauschbörsen, zwei Jahreshauptversammlungen und einige interne Veranstaltungen. Unerschütterlich aber treffen sich die »Macher« jeden Donnerstag ab 17 Uhr im Lehrgarten. Zu tun gibt’s reichlich.

50 niedrigstämmige Obstbäume allein im Lehrgarten - darunter Apfelsorten wie Alkmene, Pilot oder Florina, fünf Birnbäume oder eine Portugiesische Birnenquitte - sowie sieben Hochstämme in der Außenanlage müssen gepflegt werden. Zum Großteil stehen diese Bäume bereits in voller Blüte. »Wollen wir hoffen, dass Nachtfröste keinen Schaden anrichten«, merkt Schriftführerin Beate Karg mit Blick auf die Vorhersage an. Überhaupt bereitet das Wetter mit jedem Jahr mehr Kopfzerbrechen. Lokale Unwetter, dann wieder mehrere Wochen ohne einen einzigen Regentropfen, Hitzewelle im Sommer, ein viel zu warmer Herbst: 580 Liter Niederschlag pro Quadratmeter registrierte man 2020 im Lehrgarten - das langjährige Mittel lag bis dahin bei 630 Litern.

»Dennoch war die Obsternte im vergangenen Jahr mengenmäßig zufriedenstellend«, berichtet Haas. Die von den OGV-Bäumen geernteten Früchte werden vom Verein selbst genutzt, beispielsweise zu Saft pasteurisiert (2020: 80 Liter), zur Apfelweinproduktion (60 Liter) verwendet oder als Maische für Obstbrand angesetzt. Die Kelter kam im Herbst wiederum auch für weitere Interessierte zum Einsatz. An sieben Terminen wurden insgesamt 230 Zentner Äpfel gekeltert. »Das bieten wir auch in diesem Jahr wieder an«, versichert der Vorsitzende, »man kann das Obst ja schließlich nicht verderben lassen.«

Obst- und Gartenbau ist die eine, Vogelschutz die andere Aufgabe der Aktiven. Während sich der örtliche Naturschutzbund um die außerhalb angebrachten Nisthöhlen und -kästen kümmert, fallen jene im Ortskern und in den ortsnahen Randgebieten von Steinbach in die Zuständigkeit der entsprechenden OGV-Abteilung. Diese habe bei der Kontrolle von 144 dieser Behausungen im Vorjahr allein 43 Belegungen durch Kohlmeisen festgestellt; 2019 waren es noch 65. Als »Mieter« registrierte man ferner Fledermäuse, Siebenschläfer, Sperlinge, Blaumeisen, Haselmäuse und Hornissen. Neun Prozent der Behältnisse blieben unbelegt.

Interessierte können sich donnerstags ab 17 Uhr - unter Beachtung der Hygienevorschriften - im Lehrgarten einfinden und Antwort auf Gartenfragen erhalten. Weitere Informationen gibt es bei Vorsitzendem Herbert Haas unter Tel. 0 64 04/15 31.

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