Auch Heuchelheim spürt die Folgen der Pandemie.	Archivfoto: so
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Auch Heuchelheim spürt die Folgen der Pandemie. Archivfoto: so

»Kein schöner Haushalt«

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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»Kein schöner Haushalt«, sagt Lars Burkhard Steinz. Denn auch Heuchelheim spürt die Folgen der Pandemie. Die vergleichsweise wohlhabende Gemeinde am unteren Bieberbach wird in diesem Jahr weniger investieren. Zugleich steigen die Ausgaben.

Es ist zwar Geld da - aber weniger als geplant. Einnahmen von 19,2 Millionen Euro stehen 22 Millionen Euro Ausgaben gegenüber. Der Bürgermeister muss demnächst ans Sparbuch gehen. Löcher in den kommenden Haushalten werden mit einem Griff in die Rücklagen ausgeglichen. Das war in den vergangenen Jahren nicht nötig.

Der Etat-Entwurf, den Heuchelheims Bürgermeister Lars Burkhard Steinz am gestrigen Abend den Gemeindevertretern zur Beratung vorgelegt hat, weist allein bei Sach- und Dienstleistungen 400 000 Euro mehr aus: Laut Steinz schlägt die Energiewende mit höheren Strom- und Energiekosten zu Buche. Er kauft mehr Rechtsanwaltsberatung ein, unter anderem wegen der komplexen R&C-Immobilien-Entwicklung. Hinzukommt die Digitalisierung der Verwaltung. Auch die Personalkosten steigen um 400 000 Euro auf 6,5 Millionen Euro. Das sind knapp 30 Prozent der gesamten Ausgaben. »Zu personallastig«, befindet der Verwaltungschef. Aber weiß auch um die Notwendigkeit, etwa Erzieherinnen zu beschäftigen. Oder künftig gemeinsam mit Biebertal einen Klimaschutz-Manager. Auf 6,9 Millionen Euro addieren sich Kreis- und Schulumlage. Da erhofft er sich vom Kreis eine Entlastung.

Auf der anderen Seite erwartet Steinz dieses Jahr Steuereinnahmen in Höhe von 12,9 Millionen Euro - das sind rund 2,7 Millionen weniger als erhofft.

Sinkende Steuereinnahmen

Mittelfristig werden die Steuereinnahmen wieder langsam steigen, aber der Bürgermeister geht davon aus, dass Heuchelheim noch 2024 weit vom Höchststand aus dem Jahre 2019 entfernt sein wird. Die Corona-Pandemie habe dem ganzen Land, aber auch Heuchelheim einen Schlag versetzt. Steinz spricht von einer Schieflage, die nur durch die Corona-Hilfen des Landes ausgeglichen wird.

Die Gewerbesteuer ist die wichtigste Einnahmequelle, sinkt aber dramatisch, sagt der Christdemokrat. Beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer wird hingegen leichter Zuwachs erwartet. Wichtig für Bürger und Unternehmen: Die kommunalen Steuern, Gewerbesteuer sowie Grundsteuer auf Immobilienbesitz, sollen unverändert bleiben. Steinz will bei der Gewerbesteuer umsteuern. Die Idee: Heuchelheim beteiligt sich an interkommunalen Gewerbegebieten, um auf diesem Weg mehr Gewerbesteuer einzunehmen.

Wurden in den vergangenen Jahren stetig Schulden getilgt, so klettert die Verschuldung der Gemeinde erstmals wieder: Von unter drei auf knapp unter fünf Millionen Euro. Der Grund: Heuchelheim nimmt einen Kredit auf, um seinen 1,3-Millionen-Anteil an der Rettung des R&C-Geländes durch die RC Heuchelheim Entwicklungs-GmbH zu leisten. Steinz nennt dies eine richtige Entscheidung: »Das schien uns angebrachter, als dies aus der allgemeinen Liquiditätsreserve zu nehmen«. Auf der hohen Kante hat die Gemeinde gleichwohl noch mehr als 8,8 Millionen Euro. Steinz erwartet, dass man im Laufe der nächsten Jahre von diesem Guthaben zehren muss, um nicht in die roten Zahlen zu rutschen. »Bis Mitte der 20er Jahre werden wir ganz kommod durchkommen - dies allerdings zulasten unserer guten finanziellen Ausstattung.«

Bei den Investitionen will man im Rathaus deutlich verhaltener agieren als in den vergangenen Jahren. 150 000 Euro sind für die Standortfrage und die Vorplanung des neuen Feuerwehrstützpunktes eingesetzt; Letztere macht die Firma K-Plan aus Siegen, die auch in Biebertal plant.

Die Kita Sonnenhaus bekommt einen neuen Sonnenschutz, ebenso der Waldkindergarten in Kinzenbach. Biebertal erhält einen Zuschuss zum Hallenbad-Betrieb, für das R&C-Gelände gibt es einen Ideenwettbewerb zum Gestalten des zentralen Platzes (50 000 Euro), alte Bebauungspläne werden auf den Stand der Zeit gebracht (166 000 Euro). 96 000 Euro werden für Reparaturen im Kinzenbacher Bahnhof anfallen. Es wird also weiterinvestiert, aber eher in kleinere Vorhaben.

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