Wißmarer See

Kein Saufgelage mehr: So möchte Pächter Will das Areal am Wißmarer See fit machen

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Das Camping- und Freizeit-Areal am Wißmarer See wird momentan auf Vordermann gebracht. "Das ist kein Partyplatz mehr", sagt Pächter Will. Auch in Sachen Blaualgen gibt es Lösungsansätze.

Dicht am Ufer steht ein Bagger, Mitarbeiter eines Tiefbau-Unternehmens verlegen Pflaster. Überall wird kräftig gearbeitet. Auf dem Freizeitgelände Wißmarer See ist man auf einem guten Weg – auch wenn es nicht ganz so fix vorangeht wie gedacht und gewünscht.

Das neue Sanitärhaus steht und kann mit Saisonbeginn im Frühling in Betrieb gehen. Noch nachzuarbeiten sind eine Treppe und etwas Grün außenherum sowie die elektronische Schließanlage. "Die neuen Sanitäranlagen sind für uns ein Riesengewinn", sagt Betreiber Mike Will.

Hoher sechsstelliger Betrag für Stromversorgung

In der Saison 2015 hat Will mit seiner Familie den Campingplatz übernommen. Noch immer ist er mit seinem Team dabei, Ordnung zu schaffen. Zu den Vorhaben, die anstehen, gehört das Sanieren des sogenannten Sanitärhauses II im hinteren Teil des Sees. Das wird jetzt geplant.

Weitere Baustelle: Die Stromversorgung. Da soll die Ringleitung in zwei Abschnitten erneuert werden. Im Raum steht vermutlich ein hoher sechsstelliger Betrag. "Noch funktioniert die Stromversorgung. Wir warten auf das Ergebnis der Ausschreibung", berichtet der Wettenberger Bauamtsleiter Kai Mandler.

135 Plätze sind bereits abgebaut

Am Dienstag tagten die Fachausschüsse für Bauen und für Infrastruktur gemeinsam am Wißmarer See, um sich über den aktuellen Stand der Arbeiten zu informieren. "Auf dem Platz sieht es teils noch wild aus", räumt Pächter Will unumwunden ein.

Seine Mitarbeiter und er sind immer noch dabei, verlassene Plätze zu räumen und instandzusetzen. 135 Plätze sind bereits abgebaut. Weitere 80 stehen noch aus. Das braucht Zeit, weil aller Müll und Unrat sortiert werden muss. Die Gemeinde kümmert sich um das Beseitigen des Abfalls.

Das ist kein Party-Platz mehr. Jugendgruppen ohne Aufsicht? Saufgelage? Das dulde ich nicht mehr! Um 11 Uhr ist Nachtruhe

Mike Will

Wills Engagement sieht man in der Kommunalpolitik überaus wohlwollend. Aber das Kapitel ist noch lange nicht abgeschlossen. Der Platzbetreiber spricht von "Leuten, die einfach abhauen und ihren Krempel dalassen".

Und die Kosten? Da arbeitet Pächter Will, wo es nicht anders geht, mittlerweile mit einem Inkasso-Büro zusammen, um das Geld zu bekommen – "jedenfalls da, wo was zu holen ist". Doch der Blick nach vorn zeigt: Vor allem junge Familien mit Kindern haben Interesse an den Stellplätzen für Wohnwagen.

Aktuell hat Will etwa Verträge mit Gästen aus Siegen und Bochum geschlossen. Er sagt: "Das ist kein Party-Platz mehr. Jugendgruppen ohne Aufsicht? Saufgelage? Das dulde ich nicht mehr! Um 11 Uhr ist Nachtruhe".

Parzellen werden größer und komfortabler

Etwas über 100 Plätze haben die Wills derzeit verpachtet. Rund 280 können es bei Vollbelegung sein. Durch Neuzuschnitt werden die Parzellen größer und komfortabler. Hinzu kommt: Aus Gründen des Umweltschutzes fallen die Stellplätze am Lahnufer weg.

Bis zur Eröffnung in einigen Wochen soll noch die Rezeption samt Kassenhäuschen frischgemacht werden. Im Blick sind zudem Terrasse und Biergarten an der Gaststätte "Zum Kormoran", dem früheren "Haus am See". Auch die Minigolf-Anlage bedarf dringt einer Überholung.

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Blaualgen? Karpfen und Brassen sollen weg

Der Badebetrieb am Wißmarer See hatte im Sommer 2018 unter dem massiven Blaualgen-Aufkommen gelitten. Wie bei vielen anderen Seen in Hessen wurde auch hier vor dem Baden gewarnt. Dem Pächter bescherte das einen 90-prozentigen Einbruch bei den Tages-Badegästen. "Statt 500 kamen nur 50 am Tag, trotz besten Sommerwetters", sagt Mike Will. Das soll nach Möglichkeit nicht mehr vorkommen. Um das Algenwachstum einzudämmen, soll mehr Sauerstoff in den eher flachen See gebracht werden. Zudem soll der Fischbestand nachjustiert werden: Viele Karpfen und Brassen raus, dafür Raubfische rein. Warum? Karpfen und Brassen "gründeln". Sie wühlen im Schlamm nach Futter. Das wiederum setzt Phosphat frei, das das Blaualgen-Wachstum befördert. Von Hand abfischen gilt als zu aufwendig. Bleibt der Fang im Netz oder mit Elektrobefischung. Das Problem dabei: Das erwischt dann alle Fischarten; auch die erwünschten. Einfach in die Lahn umsiedeln geht auch nicht. Die Gemeinde und der Seepächter sind im Dialog mit den Fischerei-Sachverständigen. Das Zeitfenster ist allerdings eng, die Arbeit ist vor der Badesaison, also bis spätestens Mai, zu erledigen.

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