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Zwar können Lollar (hinten) und Staufenberg gemeinsam eine beachtliche Infrastruktur vorweisen, doch für die Ausweisung als Mittelzentrum reicht das offenbar noch nicht. ARCHIVFOTO: JEB

Kein Mittelzentrum im Nordkreis?

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Staufenberg und Lollar würden gern gemeinsam ein Mittelzentrum bilden, das wäre auch finanziell lukrativ. Doch vom Land gibt es vorerst eine Absage. Bürgermeister Peter Gefeller übt daran deutliche Kritik und sieht Mittelhessen benachteiligt.

Ob Stadt oder Gemeinde: Vor dem Gesetz sind alle Kommunen gleich. Allerdings gibt es Abstufungen - je nachdem, welche Bedeutung die Kommune für das Umland hat. So gibt es Oberzentren, die eine herausgehobene Stellung haben - etwa gemessen an Infrastrukturangeboten und breit aufgestelltem Gewerbe. Dies gilt für regional bedeutende Städte, auch Gießen ist als Oberzentrum ausgewiesen.

Danach rangieren die Mittelzentren. Die meisten Kommunen sind Grundzentren, das gilt auch für Lollar und Staufenberg.

Die Hochstufung zum Mittelzentrum wäre für die Kommunen attraktiv, weil sie mit höheren Mittelzuweisungen einherginge und mehr Möglichkeiten bei der Gewerbeansiedlungen brächte.

Doch daraus wird vorerst nichts: Wie Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller kürzlich in der Stadtverordnetenversammlung mitteilte, liegt der Verwaltung nun der Entwurf für die Fortschreibung des Landesentwicklungsplans vor. Gefeller sagte, er stimme mit seinem Lollarer Amtskollegen Dr. Bernd Wieczorek überein, "dass Lollar und Staufenberg zusammen alle Voraussetzungen für ein Mittelzentrum erfüllen, aber das Ministerium sieht es anders".

Gefeller moniert ein Gefälle in Hessen, Mittelzentren würden vor allem im Rhein-Main-Gebiet ausgewiesen. "Alle Kommunen um Frankfurt, die nicht schnell genug bis drei zählen, werden Mittelzentrum", sagte Gefeller. In Südhessen gebe es 45 Mittelzentren, in ganz Mittelhessen dagegen nur 16.

Im Kreis Gießen bilden Hungen und Lich sowie Laubach und Grünberg Mittelzentren, allesamt Kommunen im Ost- und Südkreis. Warum diese Kommunen anders bewertet würden als Lollar/Staufenberg, "entzieht sich meiner Kenntnis", äußerte sich der Bürgermeister.

Schulen, eine moderne Mediothek, ein Schwimmbad, Dienstleistungszentren - all das könnten Lollar und Staufenberg vorweisen, weshalb aus seiner Sicht die Ausweisung als Mittelzentrum angemessen wäre. "Da reden wir auch über Geld." Für Mittelzentren gebe es höhere Schlüsselzuweisungen des Landes, es gehe im Schnitt um mehrere Hunderttausend Euro jährlich, schätzt Gefeller.

Die Begründung für Mittelzentren nahe Frankfurt liege häufig darin, dass sie "Entlastungszentren" für den angespannten Wohnungsmarkt in der Metropole seien. "Das ist bei uns nicht anders", findet Gefeller, "bei uns heißt Frankfurt Gießen". Auch in Lollar und Staufenberg seien neue Baugebiete stets schnell vermarktet, insofern sei die Situation vergleichbar mit Kommunen nahe Frankfurt. Die Kommunen seien aufgefordert, nun Stellungnahmen zum Entwurf der Landesentwicklungsplan-Novelle abzugeben. Er werde das Thema mit Wieczorek weiter besprechen, vielleicht werde sich auch das Staufenberger Parlament noch einmal damit befassen.

Ein Zusammenhang zwischen der vorläufigen Absage in Sachen Mittelzentrum und der Aufkündigung der interkommunalen Zusammenarbeit seitens Lollar bestehe, soweit er wisse, aber nicht, sagte Gefeller.

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