Kein Ende in Sicht

  • VonConstantin Hoppe
    schließen

Der Lehrer Olaf C. und sein Studienfreund Robert S. sollen im November 2016 den damals 39 Jahre alten Daniel M. auf einer Hofreite in Hungen ermordet haben. Auch nach acht Monaten Verhandlungsdauer kommt der Prozess nur schleppend voran.

Noch immer ist kein Ende in Sicht: Der Prozess um den sogenannten »Mord ohne Leiche« wird die 5. Große Strafkammer des Gießener Landgericht auch 2022 beschäftigen. Grund für die Verzögerungen sind unter anderem säumige Zeugen. So wie am gestrigen Montag. Zum dritten Mal bereits erschien ein geladener Mann nicht vor Gericht. Auch die Beamten, die ihn von seiner Wohnanschrift abholen sollten, mussten wieder unverrichteter Dinge abziehen. Der Zeuge war schlicht und ergreifend nicht zu Hause. Deshalb standen gestern nur die Aussagen zweier Polizisten auf der Tagesordnung, die neue Erkenntnisse beisteuerten.

Dreieinhalb Jahre lang galt Daniel M. als vermisst. Bis Olaf C. im Mai 2020 zur Polizei ging und seine Aussage machte: M. sei von seinem Bekannten Robert S. am 17. November 2016 erschossen worden und er sei Zeuge gewesen. Doch was sich wirklich in dieser Nacht abspielte, ist noch immer unklar, beide Angeklagten beschuldigten sich in der Folge gegenseitig.

Mittlerweile haben die Ermittler die Standortdaten von Robert S.s Handy genauer unter die Lupe genommen. Zuvor war festgestellt worden, dass im Tatzeitraum zwischen dem 1. November 2016 und dem 8. Dezember 2016 keinerlei Standortdaten gespeichert wurden.

Bei der neuen Begutachtung fiel den Ermittlern ein Aspekt besonders ins Auge. »Die letzten Standortdaten wurden am 1. November um 18 Uhr gesendet. Die nächsten erst am 8. Dezember um 12 Uhr«, sagte einer der beiden Beamten gestern vor Gericht. Jedoch lassen sich solche Daten im Nachhinein nur für ganze Tage löschen. »Er muss die Übermittlung der Standortdaten also manuell de- und wieder aktiviert haben.«

Und noch etwas fanden die Beamten bei der Handy-Datenauswertung bemerkenswert: Robert S. besuchte am 13. März 2020 mehrere Orte bei Hanau, die Wohnanschrift der Eltern von Daniel M., die Schule, an der Olaf C. unterrichtete sowie das Elternhaus und die ehemalige Wohnung von C. An jedem der Orte legte er für einige Minuten eine Pause ein. »Ich denke, er wollte ausspionieren was ich tue und wo ich bin«, erklärte Olaf C. das Verhalten seines früheren Freundes, der vor Gericht immer noch schweigt. Eine Vermutung, die auch Staatsanwalt Thomas Hauburger teilt. »Ja, das denke ich auch. Aber können Sie mir erklären, warum Robert S. auch zur Adresse von Daniel M.s Eltern gefahren ist?« Die knappe Antwort: »Nein.« Der Zeitraum der Fahrt passt aber zu den Drohbriefen, die Robert S. an seinen einstigen Kumpel Olaf C. schickte.

Diese Briefe jedenfalls nahm Olaf C. zum Anlass, um sich an die Polizei zu wenden, da er nach eigenem Bekunden »Angst davor hatte, dass ich oder meine Eltern von S. entführt oder gar ermordet werden könnten«.

Neben der Handy-Datenauswertung stand gestern zudem ein Beweisermittlungsantrag von Rechtsanwalt Alexander Hauer im Mittelpunkt. Hauer, der die Eltern des Opfers vertritt, forderte die Staatsanwaltschaft auf, den Sachsensee bei Bellersheim nach den Leichenteilen absuchen zu lassen. Für die Eltern, die als Nebenkläger auftreten, sei »die aktuelle Situation unerträglich. Sie wollen wissen, wo die Leiche ihres Sohnes ist und für eine Beerdigung sorgen. Dass sich die Leiche im Starnberger See in Bayern befindet, halten wir mittlerweile für ausgeschlossen«, erklärte Hauer. Ob dem Antrag nachgegangen wird, liegt nun im Ermessen des Gerichts. Jedoch sollte die Entscheidung schnell fallen, wie Staatsanwalt Thomas Hauburger sagte: »So etwas braucht einigen Vorlauf. Das geht nicht von heute auf morgen.«

Robert S. hatte einst bei der Polizei ausgesagt, dass er auf Anweisung von Olaf C. die Leiche des Opfers im Starnberger See versenkt habe.

Der Prozess wird im Januar fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare