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Schon im vergangenen Jahr durchlief im Landkreis Gießen nicht einmal die Hälfte der gemeldeten Einschulkinder die Schuleingangsuntersuchung. In diesem Jahr sind es sogar noch weniger. ARCHIVFOTO: DPA

Kein Check vor der Einschulung

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Im Landkreis Gießen werden auch in diesem Sommer knapp zwei Drittel der Erstklässler ohne Schuleingangsuntersuchung ihren ersten Schultag bestreiten. Der Kreis sieht dennoch keinen Grund zur Sorge.

Ist das Kind gesund, altersgerecht entwickelt und reif für die Schule? Das wird in den meisten Bundesländern vor der Einschulung in einer schulärztlichen Untersuchung geklärt, die in den Zuständigkeitsbereich der Gesundheitsämter fällt. In Hessen umfasst die sogenannte Schuleingangsuntersuchung die Feststellung des Hör- und Sehvermögens, der geistigen Entwicklung, der Motorik und der Sprachfähigkeit. Und sie ist für alle Kinder verpflichtend, die zur Schule angemeldet sind - zumindest normalerweise. Denn wie schon 2020, werden wohl auch in diesem Jahr zahlreiche Kinder wegen der Pandemie ohne eine entsprechende Untersuchung eingeschult.

Dies betrifft auch den Landkreis Gießen. Wie es vonseiten der Pressestelle heißt, hatte das Land Hessen im vergangenen Jahr »verbindliche Vorgaben für den Personaleinsatz der Gesundheitsämter zur Pandemiebewältigung und hier insbesondere der Fall- und Kontaktpersonennachverfolgung gemacht«, denen übliche Aufgaben wie Schuleingangsuntersuchungen oder Lebensmittelbelehrungen in jedem Fall untergeordnet werden sollten. Die Folge: Von den 2354 gemeldeten Einschulkindern wurden laut Pressesprecher Dirk Wingender im Jahr 2020 nur 1143 untersucht - das entspricht einem Anteil von 48,56 Prozent.

Und in diesem Jahr werden hierzulande, wie auch in anderen Kreisen, wohl zahlreiche Kinder ohne eine entsprechende Untersuchung eingeschult. So seien die Schuleingangsuntersuchungen zum 1. Februar dieses Jahres zwar wieder teilweise aufgenommen, sagt Wingender. »Allerdings nicht in vollem Umfang, da weiter ein Teil des Personals zur Pandemiebewältigung abgeordnet war.« Zudem könnten durch Hygienevorkehrungen weniger Kinder am Tag untersucht werden als normalerweise. Wie der Kreis mitteilt, waren bis Anfang Juli 765 von 2383 gemeldeten Kindern untersucht worden, also gerade einmal 32,1 Prozent der Kinder. Die weiteren hundert Untersuchungen eingerechnet, für die man bereits Termine vergeben habe, komme man auf 36,8 Prozent.

Dass die Untersuchungen wegen der Pandemie in Deutschland im zweiten Jahr in Folge nicht in gewohntem Umfang stattfinden können, sorgt für Kritik, weil sie der Ermittlung von individuellem Förderbedarf dienen. Die Schulen werden in solchen Fällen dann vom Gesundheitsamt informiert. Geschieht das nicht, so die Befürchtung, könnten einige Kinder möglicherweise durch das Raster fallen und nicht die notwendige Unterstützung erhalten.

Um dem entgegenzuwirken, hat das hiesige Gesundheitsamt nach Auskunft von Pressesprecher Wingender sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr »Schulen angeschrieben und darum gebeten, dass Einschulkinder mitgeteilt werden, bei denen ein Förderbedarf oder eine besondere Beratung zum Beispiel wegen chronischer Erkrankungen vermutet wird«. Diese Kinder seien bereits alle untersucht worden.

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