Menschenansammlung vor dem Impfbus in Langgöns: Über 100 Menschen warteten hier am Mittwochnachmittag auf ihre Immunisierung.
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Menschenansammlung vor dem Impfbus in Langgöns: Über 100 Menschen warteten hier am Mittwochnachmittag auf ihre Immunisierung.

Corona im Kreis Gießen

Booster-Ansturm kaum zu bewältigen – Klinik setzt auf „Notfallplan“ 

  • VonChristina Jung
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Ein Blick auf die Corona-Lage im Landkreis Gießen: Trotz stetig steigender Infektionszahlen ist in der Asklepios-Klinik in Lich die Lage nach wie vor stabil. Bei vielen Hausärzten allerdings ist Land unter. 

Lich – Eine 3G-Regel am Arbeitsplatz sowie im Nah- und Fernverkehr. Außerdem die Möglichkeit für die Länder, je nach Infektionslage 2G-plus- oder 2G-Maßnahmen einzuführen. Dass der Bundestag angesichts der dramatischen Lage in vielen Krankenhäusern und des extremen Anstiegs der Corona-Inzidenzen heute schärfere Maßnahmen beschließen wird, gilt als sicher. Manch einer spricht in diesem Zusammenhang bereits von einem »faktischen Lockdown für Ungeimpfte«. Der Druck auf diese Bevölkerungsgruppe steigt.

Auf die Zahl der Erstimpfungen wirkt sich dies trotz zahlreicher Debatten im Vorfeld bisher aber nicht merkbar aus. Die Nachfrage nach einer Immunisierung ist zwar deutlich gestiegen. Zurückzuführen sei dies aber auf die wachsende Gruppe derjenigen, die für eine Auffrischungsimpfung infrage kommen, sagt Kreispressesprecher Dirk Wingender auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung.

Corona im Kreis Gießen: Impfambulanz bis Ende Dezember ausgebucht

Die Termine der Impfambulanz seien bis Ende Dezember ausgebucht. Die Vor-Ort-Impfangebote ohne Termin (mobile Teams, Impfbus) würden stark nachgefragt und seien mit Wartezeiten verbunden.

Und die sind mitunter erheblich. Gestern Nachmittag im Gewerbegebiet in Langgöns beispielsweise oder morgens am Freibad in Großen-Linden standen die vielen Menschen mitunter stundenlang in der Warteschlange, um sich den gewünschten Piks abzuholen. Tags zuvor in Grünberg dasselbe Bild. Ein erneutes Impfchaos bahnt sich im Kreis Gießen an.

Dr. Michael Thomas Knoll, im Hausärzteverband Hessen Vorsitzender des Bezirks Gießen-Land, bestätigt die zunehmende Nachfrage. Noch vor zwei Wochen hatte er im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt, dass die Deckung des aktuellen Bedarfes mit den mobilen Impfangeboten des Kreises und den Immunisierungen durch die niedergelassenen Ärzte »locker zu schaffen« seien. Das stellt sich mittlerweile auch für die Letzteren anders dar.

Corona-Impfungen: Kreis Gießen berät am Freitag zu Angebotslücke

»Das Telefon klingelt von 8 bis 19 Uhr«, sagt Knoll. Nicht nur bei ihm, auch bei seinen Kollegen in den Kreiskommunen. Der Ansturm derjenigen, die sich boostern lassen wollten, sei neben dem »laufenden Wintergeschäft« kaum mehr zu bewältigen. Verantwortlich macht Knoll dafür die Politik, konkret Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn mit seiner Empfehlung, alle Erwachsenen - unabhängig von Alter und Risikogruppe - bereits vor Ablauf der Sechs-Monats-Frist zu boostern.

Die Landesregierung hat mittlerweile reagiert. Wie Sozialminister Kai Klose gestern mitteilte, will Hessen die Kapazitäten für Corona-Impfungen deutlich erweitern. So sollen beispielsweise Impfstellen an Krankenhäusern eingerichtet werden.

Bei der Gießener Kreisbehörde steht zwecks Lösungsfindung bereits morgen ein Termin in großer Runde an. Landrätin Anita Schneider habe die Vertretungen der niedergelassenen Ärzteschaft, der Betriebs- und Kinderärzte, der Kassenärztlichen Vereinigung und aller Krankenhäuser für Freitag zu einer Telefonkonferenz eingeladen. »Gemeinsam muss das Delta zwischen Angebot und Nachfrage geschlossen werden und dies rasch«, erklärt Wingender.

Lich im Kreis Gießen: Asklepios-Klinik blickt sorgenvoll auf Neuinfektionsraten

Denn eines ist klar: »Nur durch die Erhöhung der Impfquote und das Boostern sowie die Kontaktreduzierung mit den Hygieneregeln kann die vierte Welle brechen«, sagt Dr. Thilo Schwandner, ärztlicher Leiter der Asklepios-Klinik. Im Gegensatz zur Situation in anderen Krankenhäusern sei die Lage in Lich aber immer noch stabil, geplante Operationen könnten nach wie vor stattfinden. Derzeit behandeln die Ärzte, Schwestern und Pfleger laut Schwandner sechs Corona-Patienten auf Normalstation sowie einen auf der Intensivstation. Drei Patienten befinden sich auf der Verdachtsstation.

Insgesamt stehen für Corona-Kranke in Lich zehn Betten zur Verfügung, darüber hinaus Kapazitäten auf der Intensivstation und vier Betten in Vorhaltung für Verdachtsfälle. Aufgrund der steigenden Inzidenzen sei eine Erweiterung aber täglich möglich, je nach Bedarf. Schwandner: »Ein Notfallplan liegt vor.«

Wann das Limit in der Asklepios-Klinik erreicht sein wird, sei momentan noch nicht vorhersehbar. Aber: »Natürlich schauen wir mit Sorge auf die täglichen Neuinfektionsraten

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