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Indoor-Kartbahn in Hungen wird 25 - Zum Jubiläum gibt’s viele Neuerungen

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Von: Patrick Dehnhardt

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Sarah Merker und Michael Janovich am Steuer der neuen Karts. Die Kartbahn Hungen wurde vor 25 Jahren eröffnet.
Sarah Merker und Michael Janovich am Steuer der neuen Karts. Die Kartbahn Hungen wurde vor 25 Jahren eröffnet. © Patrick Dehnhardt

Seit 25 Jahren rollen die Karts auf der Indoor-Kartbahn in Hungen (Kreis Gießen). Jetzt gönnt sich der Betrieb neue Karts und eine neue Streckenführung. 

Hungen - Der Motor schnurrt wie ein Kätzchen. Kein Wunder, das Kart ist nagelneu. Auf der Geraden beschleunigt die Fahrerin ordentlich, steuert die Kurve exakt an. Mit gekonntem Einsatz von Gas und Bremse steuert sie um selbige, um dann wieder zu beschleunigen. Der Fahrer hinter ihr muss mangels fahrerischem Können abreißen lassen. Zwar geht es nicht um den großen Preis von Deutschland - aber darum, wer heute die Küche putzen muss.

Auf der Kartbahn Hungen wurden in 25 Jahren viele kleine und große Rennen ausgetragen. Familien und Freundeskreise, Vereine und Schulklassen treffen sich hier, um Runden zu drehen und den Spaß am Motorsport zu genießen. Auch junge Fahrer, die von einer Karriere als Rennfahrer träumen, üben hier regelmäßig, berichtet Geschäftsführer Michael Janovich.

Als Michael Schumacher in den 1990ern Erfolg um Erfolg in der Formel 1 einfuhr, sorgte das für einen Boom beim Kartsport. Schließlich hatte der mehrfache Weltmeister in solch einem kleinen Flitzer seine Karriere begonnen. Deutschlandweit entstanden rund 800 Indoor-Kartbahnen, so auch die in Hungen (Kreis Gießen) an der Schottener Straße.

Kartbahn in Hungen (Kreis Gießen): Halle und Parcours schön gemacht

Der Hype hatte aber seine Grenzen: »Es gab zu viele Kartbahnen«, sagt Janovich. Als der Boom nachließ, fiel für viele Anlagen die Zielflagge. Derzeit gibt es noch rund 200. Die Hungener Indoor-Kartbahn ist weit und breit die Einzige.

Das allein würde jedoch nicht den Erfolg ausmachen. Janovich, Mitgeschäftsführerin Sarah Merker und das gesamte Team haben die Anlage mit vielen Ideen und noch mehr Leidenschaft in den vergangenen Jahren modernisiert.

Janovich und Merker hatten schon unter dem vorigen Besitzer hier gearbeitet. Als dieser 2018 in Teilzeitruhestand gehen wollte und einen Nachfolger suchte, beschloss Janovich zu übernehmen. »Ich wusste, wie hier was funktioniert und welches Potenzial die Bahn hat.« Zudem hatte er viele Ideen gesammelt, was sich verbessern ließe.

Damals konnte er noch nicht ahnen, wie viel Zeit das Team haben würde, um diese umzusetzen: Der Kartsport war vom Lockdown betroffen, die Bahn für Monate dicht. In dieser Zeit wurde die Halle neu gestrichen, sie wirkt nun heller und größer. Auch die Rennstrecke wurde umgebaut, ein neuer Parcours entworfen, die Boxengasse verlegt und ein Helmraum errichtet.

Kartbahn in Hungen (Kreis Gießen) verwendet „spezielles Benzin“

Derzeit gibt es aufgrund der Pandemielage Termine nur bei telefonischer Voranmeldung und unter Einhaltung der tagesaktuellen Corona-Regeln. Bevor die Besucher auf die Strecke dürfen, geht es um Sicherheit: Auf der Bahn besteht Helmpflicht. Im Helmraum wird daher das passende Exemplar ausgesucht. »Manchen muss man erklären, dass es da nicht um die Farbe, sondern die Größe des Kopfes geht«, sagt Merker. »Der Helm muss sitzen, sonst bringt er nichts.«

Auch wer glaubt, sich mit Flipflops ans Steuer setzen zu wollen, muss zum Schuhwechsel in die Boxengasse. »Viel zu gefährlich«, sagt Merker. Danach gibt es eine Einweisung in die Strecke. Wie sollen die Kurven angefahren werden, was bedeuten die blaue Flagge und gelbes Blinklicht? Dann kann es losgehen mit dem Schnuppern der Rennluft.

Diese ist überraschend sauber. »Wir verwenden ein spezielles Benzin«, erklärt Janovich. »Beim Verbrennen entsteht kein Feinstaub, keine Stickoxide, keine Partikel.« Das schützt die Gesundheit der Besucher und Mitarbeiter. »Manche Besucher glauben deswegen, dass sie auf einem Elektrokart sitzen, weil es nicht riecht.«

Insgesamt zehn Mitarbeiter kümmern sich darum, dass auf der Kartbahn alles rund läuft. Eine eigene Werkstatt mit ausgebildetem Kfz-Mechaniker kümmert sich um die Fahrzeuge.

Kartbahn in Hungen (Kreis Gießen) bekommt zum Jubiläum neue Karts

Er dürfte in den kommenden Monaten aber wenig zu tun haben: Zum Jubiläum gab es eine neue Flotte der Marke Hubikarts von einem Hersteller aus Österreich. Diese sind auf dem neuesten Stand der Technik und Sicherheit, bringen 6½ PS mit und sind bis zu 55 km/h schnell.

Auch junge Motorsportfreunde können in Hungen Runden drehen. Ab 1,05 Metern Körpergröße kann man auf einem speziellen Zweisitzerkart mitfahren. Ab acht Jahren und 1,30 Metern Große dürfen die Nachwuchsfahrer selbst ans Steuer. Dafür hat die Kartbahn eine eigene Kinderkartflotte. »Die haben Ralley-Gurte und auch eine spezielle Sitzschale«, sagt Merker. Alle Karts lassen sich im Notfall per Funk abschalten.

Kartbahn in Hungen (Kreis Gießen): „Kinder fahren mittlerweile Weltmeisterschaften“

Auf der Hungener Kartbahn haben bereits einige erfolgreiche Motorsportler ihre Runden gedreht. »Wir haben Kinder begleitet, die mittlerweile bei der Weltmeisterschaft ROK mitfahren«, sagt Merker. Vielleicht wird irgendwann ein Formel1-Weltmeister berichten, dass er hier seine ersten Runden gedreht hat.

Um Jungen und Mädchen für den Kartsport zu begeistern, bietet die Kartbahn Hunen nun einen Kinderclub an. Alle 14 Tage gibt es dabei Schulungen und Training mit einem erfahrenen Kart-Coach. Teilnehmen kann man ab acht Jahren und 1,30 Metern Größe. Anmeldung direkt beim Kartbahn-Team.

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