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Was hat es mit dem Steinkreis mitten im Wald auf sich?

Ob Karl der Große hier nächtigte?

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Das Gießener Land ist reich an Schätzen. Überall gibt es Orte, die des Entdeckens wert sind; Kleinode, die selbst viele "Eingeborene" bisher links liegen gelassen haben. In den Sommerferien stellen wir auch dieses Jahr einige vor. Die Kreisredaktion lädt zur "Schatzsuche" ein.

Sonnenstrahlen tanzen auf dem Laub im Waldboden, Vögel singen, der Specht klopft, ein Eichhörnchen flitzt einen Stamm hinauf - ein malerisches Fleckchen Erde. Heute etwas abseits - aber ehedem an einer bedeutenden Handels- und Heerstraße gelegen.

Ob Karl der Große vor mehr als 1200 Jahren wirklich einmal dort durchgereist ist oder gar hierzulande übernachtet hat? Darüber lässt sich nur spekulieren. Denn schriftliche Überlieferungen aus jener Zeit sagen kaum etwas über den heute gesuchten Ort.

Er liegt in einem Waldstück, an einem Osthang, dicht über einem idyllischen Tal, durch das sich ein kleines Flüsschen windet. Das genaue Alter der gesuchten Stätte ist nicht gesichert. Ging man in den vergangenen Jahrzehnten stets davon aus, bei der ehedem befestigten, kleinen Siedlung handelt es sich um einen (früh-)karolingischen Bau aus dem 8. Jahrhundert nach Christus, so lassen jüngere Grabungsfunde eine spätere Bauzeit möglich erscheinen. Tierknochen, die dort gesichert wurden, deuten auf das 10. Jahrhundert hin. Ganz gleich, ob 8. oder 10. Jahrhundert: Damit ist es eines der ältesten Kulturdenkmäler in der Region.

Lange her. Heute sind ohnehin nur noch Reste der Grundmauern und der Einfriedung der Anlage zu erkennen, die gleichwohl zu ihrer Zeit eine Besonderheit darstellte: Schließlich war es ein festes, steinernes Haus; erbaut zu einer Zeit, als die Menschen zumeist auf Holz setzten. Sichtbar sind bis heute Fundamentreste einer Ringmauer, die einst das Areal von 1,6 Hektar Fläche umschloss, sowie der Sockel eines Turms.

Sinn und Zweck jedenfalls werden schnell klar: Von dort aus ließ sich sehr gut die Furt überwachen, auf der Heere und Handelsleute das Flüsschen im Tal querten. Denn der gesuchte Ort lag als gut gewählte Etappenstation dermaleinst an einer wichtigen West-Ost-Handelsroute, die vom Westerwald Richtung Marburger Land und dann weiter gen Thüringen führte.

Auch wenn heute kaum mehr etwas von dem Haus zu erkennen ist, so ist doch der Weg dorthin schon lohnend. Denn er führt kilometerlang durch eines des größten zusammenhängenden Waldgebiete Mittelhessens, wo sich Fuchs und Hase (und die Wildkatze!) "Gute Nacht" sagen. Oder aber durch das malerische Tälchen. Und zwar am besten mit dem Rad oder zu Fuß, um das Idyll genießen zu können. Apropos genießen: Wem der Weg entlang des kleinen Flusses zu lang wird, der kann in einem der empfehlenswerten Mühlengasthöfe einkehren.

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