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Kaninchen brauchen Platz

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Von: Constantin Hoppe

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Kaninchen brauchen viel Platz, um ihren Bewegungstrieb auszuleben. © Constantin Hoppe

Das Coronavirus hat nicht nur massiven Einfluss auf das Leben der Menschen. Viele Haushalte schafften sich während der Pandemie Haustiere wie beispielsweise Kaninchen an - halten sie oft jedoch unter nicht artgerechten Bedingungen.

Kaninchen tummeln sich zwischen Heu und Stroh, jagen sich oder knabbern munter an bereitliegendem Obst und Gemüse. Eine Bewegung zieht das Interesse der Tiere auf sich, jemand betritt das Zimmer - und schnell huschen sie in sichere Distanz.

Ein Haustier anschaffen, damit den Kindern eine Freude bereiten und etwas Abwechslung in den Alltag bringen. Jedes Jahr spielen viele Menschen mit solchen Gedanken. Überlegungen, die während der Coronapandemie noch verstärkt wurden - was nun in der Folge zu steigenden Aufnahmezahlen in den Tierheimen und Arbeit für das Veterinäramt führt.

Wer sich ein Tier anschaffen möchte, sollte sich schon vorher schlau machen. Wichtige Fragen sind unter anderem: Sind alle Familienmitglieder einverstanden? Kann ich die Kosten dauerhaft tragen? Was ist, wenn ich nicht mehr im Homeoffice arbeite? Und ganz wichtig: Gibt es genügend Platz für die Tiere?

Gerade die letzte Frage wird nach Auffassung des Tierschutzvereins Gießen viel zu wenig beachtet. Vor allem, wenn es um Kleintiere wie Kaninchen geht. »Vielen Familien ist nicht klar, wie viel Platz Kaninchen brauchen«, meint Astrid Paparone, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Im Tierheim des Vereins landen immer wieder Kaninchen, die aus unsachgemäßer Haltung stammen oder gar von ihren Besitzern ausgesetzt wurden. Aktuell tummeln sich dort 25 der Kleintiere. »Viele Tiere vegetieren in viel zu kleinen Gehegen oder Käfigen vor sich hin«, berichtet die Fachfrau.

Kaninchen brauchen viel Platz, wie man einem Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung Tierschutz (TVT) entnehmen kann. Spielt man mit dem Gedanken, sich eine Gruppe der Tiere anzuschaffen, sollte man sich gut informieren. Denn die Käfige aus der Zoohandlung reichen längst nicht für eine artgerechte Haltung.

Für zwei Tiere werden laut TVT mindestens sechs Quadratmeter Platz benötigt. Eine Seite der Kaninchenunterkunft sollte eine Mindestlänge von 2,40 Metern aufweisen, um den Tieren drei aufeinanderfolgende Hoppelschritte zu ermöglichen. Für jedes weitere Tier muss die Grundfläche um 20 Prozent erhöht werden, eine Einzelhaltung ist bei sozialen Tieren wie Kaninchen untersagt.

Weiter empfehlen die Experten, den Kaninchen im Gehege Rückzugsmöglichkeiten und Schlafhöhlen zu bieten. Um Langohren zu halten, wird schnell ein eigenes Zimmer oder ein dauerhafter Außenbereich für die Tiere notwendig. »Und das sind nur die Mindestbedingungen. Von artgerechter Haltung kann da aus unserer Sicht noch gar keine Rede sein«, meint Paparone. Und sie hat noch einen Tipp: »Tiere sollten nicht für Kinder angeschafft werden. Eltern sollten sich für die Tiere entscheiden und ihre Kinder an diesen teilhaben lassen.«

Der Landkreis Gießen erfährt immer wieder von problematischen Haltungen: »Jedes Jahr gehen viele Tierschutzmeldungen ein, mehrere davon betreffen die Haltung von Kaninchen«, bestätigt die Kreispressestelle auf Anfrage. Allen solchen Meldungen wird vom Veterinäramt nachgegangen. Bei unangemeldeten Kontrollen wird die Einhaltung der Vorgaben durch die TVT und der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung überprüft.

Anforderungen an Zucht und Mast

Letztgenannte Verordnung regelt die Haltungsbedingungen für die Zucht der Tiere oder die Haltung von Masttieren. Auch hier gab es in den vergangenen Jahren einige Änderungen, die beachtet werden müssen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat im Jahr 2014 die Nutztierhaltungsverordnung um wichtige Regelungen für Kaninchen erweitert. Etwa zu den erforderlichen Stallgrößen: Diese müsse je nach Größe des Tieres zwischen 4500 und 8800 Quadratzentimetern betragen. Zu den weiteren Anforderungen an Böden und Gestaltung der Ställe gehört eine erhöhte Bodenebene, die den Kaninchen zur Verfügung stehen muss.

Die Haltungsbedingungen sind auch Thema bei den Kaninchenzüchtern. »Wir schulen die Züchter für diese Themen. Jeder gute Züchter will ja, dass es seinen Tieren gut geht«, erklärt Dr. Dieter Selzer, Landeszuchtwart im Landesverband der Rasse-Kaninchenzüchter Hessen-Nassau auf Nachfrage dieser Zeitung. »Aber man kann natürlich nicht jeden Züchter kontrollieren. Es gibt immer schwarze Schafe.«

Das Thema Platzbedarf von Haustieren hört längst nicht bei Kleintieren auf. Auch Vögel werden nach Meinung des Tierschutzvereins meist nicht richtig gehalten: »Vögel brauchen Gefährten und Raum zum Fliegen. Ein Käfig kann da gar nicht groß genug sein«, weiß Paparone.

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